Peking/Taipeh – Mit einer Verlängerung der Manöver rund um Taiwan hat China die Spannungen um die demokratische Inselrepublik weiter angeheizt. Ungeachtet der ursprünglichen Ankündigungen, wonach die „Kampfübungen“ in der Luft und zur See am Sonntag zu Ende sein sollten, dauerten sie gestern noch an. Die Volksbefreiungsarmee habe sich in der Meerenge der Taiwanstraße auf „gemeinsame Einsätze gegen Unterseeboote und zum Angriff auf See konzentriert“, berichtete das chinesische Staatsfernsehen.
Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Peking, Wu Qian, bezeichnete die Manöver als „notwendige Warnung an die USA und Taiwan“. Es sei eine „angemessene“ Reaktion auf deren „Provokationen“. Die Spannungen seien „bewusst“ von den USA geschaffen worden, indem die Vorsitzende des Repräsentantenhauses in Washington, Nancy Pelosi, gegen Widerstand aus Peking nach Taipeh gereist sei.
Die chinesische Führung lehnt solche offiziellen Kontakte anderer Länder zu Taipeh ab, weil sie die Insel als Teil der Volksrepublik ansieht. Hingegen versteht sich Taiwan längst als unabhängig. Mit den Manövern übte die Volksbefreiungsarmee nicht nur eine See- und Luftblockade, sondern auch eine mögliche Eroberung der Insel. Einige chinesische Kommentatoren meinten, dass die Militärübungen regelmäßig stattfinden und eine neue Normalität werden könnten.
„Chinas Militäroperationen dauern an“, bestätigte Taiwans Militär. Ein Sprecher sagte in Taipeh, die Streitkräfte der demokratischen Inselrepublik würden eine angemessene Antwort geben. Er rechtfertigte auch die Entscheidung, dass in dem 23-Millionen-Einwohner-Land am Donnerstag kein Raketenalarm gegeben wurde. An dem Tag hatte China elf Raketen gestartet, von denen eine nahe der Hauptstadt Taipeh flog. Die Raketen hätten wegen ihrer Flugbahn keine Gefahr dargestellt, beteuerte der Militärsprecher.
China verteidigte die Manöver. „China hat allen Grund, eine energische Antwort zu geben“, sagte Außenamtssprecher Wang Wenbin. Ziel sei, Kräfte in Taiwan zu bestrafen, die Unabhängigkeit wollten. Auch sollten jene, die sich einmischten, gewarnt werden, sagte Wang Wenbin mit Blick auf die USA. „Taiwan ist Teil Chinas.“ Es sei nur normal, in den „eigenen Gewässern“ auch Militärübungen abzuhalten.
Taiwans Militär berichtete, dass chinesische Flugzeuge allein am Sonntag 66 Einsätze geflogen seien. Dabei hätten 22 Flugzeuge die inoffizielle, aber bisher meist respektierte Mittellinie der Taiwanstraße überquert. Auch hätten 14 Kriegsschiffe in der Meerenge an den Manövern teilgenommen. Taiwans Streitkräfte hätten die Bewegungen verfolgt und über Funk Warnungen ausgesprochen. Jhy-Wey Shieh, seit 2016 Repräsentant Taiwans in Deutschland (Botschafter darf er sich nicht nennen), sagte im Gespräch mit Merkur.de: „Wir müssen uns gefasst machen auf weitere militärische Aktionen.“ Er sei sich aber sicher, dass 99 Prozent der Politiker in freiheitlichen Ländern sagen werden: China ist im Unrecht. Der Besuch von Pelosi sei wichtig gewesen: „Sie hat uns beigestanden und sie hat Mut gezeigt. Greifen die Chinesen Taiwan an, dann greifen sie auch die Amerikaner an, die Japaner, die Australier und auch die Europäer.“ Trotz aller Drohungen der Chinesen gebe es die Taiwaner noch immer: „Sie drohen uns mit Militär – wir drohen ihnen mit Demokratie!“