Gaza-Konflikt: Waffenruhe hält

Bleibt es dabei, könnten Jair Lapids Wahl-Chancen steigen

Tel Aviv/Gaza – Weniger als drei Monate vor einer entscheidenden Wahl hat Israels Regierungschef Jair Lapid sich in ein riskantes militärisches Abenteuer gestürzt. Bei einer groß angelegten Überraschungsoffensive gegen die extremistische Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad bombardierten Israels Streitkräfte über mehrere Tage hinweg Ziele im Gazastreifen. Militante Palästinenser antworteten mit massivem Raketenbeschuss auf israelische Ortschaften. Dutzende Menschen kamen auf palästinensischer Seite ums Leben.

Ziel der dreitägigen Kampagne Israels war es, den Dschihad zu schwächen – ohne dass sich die dort herrschende, deutlich stärkere Hamas an den Kämpfen beteiligt. Für Lapid eine Gelegenheit, intern zu punkten – denn das Thema Sicherheit ist bei Wahlen in Israel von entscheidender Bedeutung. Anders als sein größter Konkurrent bei der anstehenden Parlamentswahl im November, der langjährige Ministerpräsident und Oppositionsführer Benjamin Netanjahu, gilt der 58-Jährige als militärisch unerfahren.

Eine am Sonntagabend von beiden Seiten verkündete Waffenruhe hielt am Montag vorerst und damit erscheint es, dass Lapids Rechnung aufgegangen ist. Doch es bleibt eine schmale Gratwanderung. „Wenn die Waffenruhe längerfristig Bestand hat, wird es ihm bei der Wahl helfen“, sagte der israelische Politikwissenschaftler Jonathan Rynhold am Montag. „Dann wird er als jemand gesehen, der entschlossen und erfolgreich gehandelt hat.“ Sollte der Islamische Dschihad Israel aber erneut angreifen, „dann würde Bibi (Spitzname Netanjahus) dies ausnutzen und es würde Lapid schaden“, meinte Rynhold. Kritiker hatten Netanjahu – der in Israel auch „Mr. Sicherheit“ genannt wird – oft vergeworfen, die Angst vor neuen Angriffen zu schüren, um davon zu profitieren. SARA LEMEL

Samstag, 11. Juli 2026
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