Berlins CDU steht vor einem Scherbenhaufen
Berlins Bürgermeister Wegner gibt auf
Wem der liebe Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch den dazu nötigen Verstand, sagt man. Im Fall des Berliner Bürgermeisters Kai Wegner hat er das wohl vergessen: Um zu verschleiern, dass er auf den Anschlag auf das Stromnetz am 3. Januar viel zu spät reagierte und erst mal gemütlich Tennisspielen ging, während 100.000 seiner Berliner bitterlich froren, hat sich der Regierende in einem Kokon aus Lügen eingesponnen. „Seit 8.08“ will er damals Krisentelefonate geführt haben. Jetzt stellte sich heraus: Das erste Mal zum Hörer griff er um 12.45 Uhr. Dabei war es mehr als kindlich zu glauben, dass sich die Wahrheit in Zeiten moderner Kommunikation und Social Media für längere Zeit unterdrücken lässt.
Nach Wegners viel zu spätem Rückzug steht die Berliner CDU gut zwei Monate vor der Bürgerschaftswahl vor einem Scherbenhaufen. Längst haben sich die Berliner ihr Urteil gebildet: Die CDU ist von 28 auf 17 Prozent abgestürzt und laut Umfragen nur noch viertstärkste Kraft in der Bundeshauptstadt. Nicht der linksextremistische Terror gegen die Stadt hat den Wahlkampf geprägt – sondern die dilettantische Reaktion des bürgerlichen Rathauschefs darauf. Es ist der pure Hohn, dass jetzt ausgerechnet die Linke, die laut Verfassungsschutz vielfältigste Beziehungen in die linksradikale Szene pflegt, vor der Rückkehr an die Macht steht.
Der Fall erinnert an den Münchner CSU-OB Erich Kiesl: Auch hier konnten die Konservativen einst nach Jahrzehnten in der Opposition einen Zipfel der Macht erhaschen, ehe sie im Affärensumpf versanken und seither nie mehr den OB stellten. Ein halbes Menschenleben ist das nun schon her. Die eigentlichen Verlierer aber sind die Berliner selbst, genauer gesagt: jene von ihnen, die nach den Jahren rot-rot-grüner Misswirtschaft auf einen Neuanfang hofften. Und in der Merz-CDU, die genügend andere Probleme am Hals hat, rauft man sich ohnehin nur noch die Haare. Da ist es auch kein Trost für den Kanzler, dass er mit Kai Wegner einen der unangenehmsten innerparteilichen Widersacher los ist.