Das Spiel ist aus für Wegner

Doppelfehler: Berlins (noch) Regierender Bürgermeister Kai Wegner. © Sommer/dpa

Berlin – Kai Wegner tritt nicht auf wie ein Mann, der untragbar geworden ist. Berlins Regierender Bürgermeister beginnt den Auftritt, der seinen Abgang einläutet, mit einem länglichen Monolog, in dem für Selbstkritik kein Platz ist. „Das schafft er nicht“, diesen Satz habe er auf vielen Etappen seiner politischen Karriere gehört und immer widerlegt. Erfolge habe er im Roten Rathaus etliche verzeichnet, von einer Verwaltungsreform bis zum Schutz jüdischen Lebens. Bei all dem sei ihm immer wichtig gewesen, „dass ich authentisch bleibe“. Und nun muss er gehen. Wegen einer Lüge.

Zweieinhalb Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September tritt Wegner als Spitzenkandidat der CDU zurück, Finanz- und Kultursenator Stefan Evers ersetzt ihn. Wegner (53) zieht damit die Konsequenzen aus einer Affäre, die am 3. Januar mit einem massiven Stromausfall als Folge eines Brandanschlags begann und die er seitdem nie abschütteln konnte. Er habe festgestellt, „dass ich mit den wichtigen Themen nicht mehr durchdringe“. Sein Verhältnis zur Wahrheit, sein ganzes Krisenmanagement in den Tagen des Blackouts, das scheint keines dieser wichtigen Themen zu sein.

Dass diese Geschichte ihn in Schwierigkeiten bringen könnte, dürfte ihm schon klar gewesen sein, als kurz nach dem Stromausfall bekannt wurde, dass er keineswegs den ersten Blackout-Tag mit Telefonaten verbrachte, sondern mittags zum Tennisspielen ging. Bald folgte die Enthüllung, wer auf der anderen Seite des Netzes stand: Katharina Günther-Wünsch, Wegners Lebensgefährtin, Parteifreundin und Berliner Bildungssenatorin. Und so ging es weiter, bis die Berliner Senatskanzlei vor wenigen Tagen einräumte, dass Wegner an besagtem Vormittag, bevor er zum Schläger griff, überhaupt keine dienstlichen Telefonate geführt hatte.

Seine Erklärung, er habe in dem ganzen Stress „den Kopf frei kriegen“ wollen mit ein bisschen Sport, klang zu keinem Zeitpunkt gut. Im Rückblick passt sie aber in das Bild eines Regierungschefs, der mit dem Regieren in diesen schwierigen Tagen offenbar ebenso überfordert war wie mit seinem ganz persönlichen Krisenmanagement. Wegner fabrizierte, um im Bild zu bleiben, einen kapitalen Doppelfehler.

Das böse L-Wort bringt er trotzdem am Freitag nicht über die Lippen, obwohl er mehrfach auf sein schwieriges Verhältnis zur Wahrheit angesprochen wird. Wieder und wieder spricht er von „fehlerhafter Kommunikation“, „das war Mist“, „mich ärgert das am meisten“, er übernehme dafür die Verantwortung. Es sind die immer gleichen Satzbausteine, nach denen er greift wie ein Ertrinkender nach dem Rettungsring.

Er hatte in den letzten Tagen Zeit, sich auf das Szenario vorzubereiten. Spätestens Ende Juni, als ihn ein Gericht dazu verpflichtete, Auskunft über seine Telefonate am 3. Januar zu geben. Und allerspätestens am Donnerstag, als die Junge Union Berlins von ihm abrückte und ihn aufforderte, auf eine erneute Kandidatur zu verzichten. Wenn selbst der Parteinachwuchs, der im Wahlkampf seine Plakate hätte aufhängen sollen, ihn ablehnt, wie sollte Wegner da noch unentschlossene Wähler überzeugen?

Bis zur Wahl bleibt er im Amt. Der Koalitionspartner SPD, deren Spitzenkandidat diese Woche ebenfalls auf Distanz zu ihm ging, wird kaum auf die Schnelle einen Nachfolger abnicken, der dann noch Amtsbonus sammeln kann. Wegner sagt, nun gehe es darum, die Wahl zu gewinnen und „ein Linksbündnis“ zu verhindern. Stets die Stadt im Blick, so will er sich immer noch sehen.

Montag, 13. Juli 2026
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