Die Suche der Grünen nach einem neuen Männerbild

Wann ist ein Mann ein Mann? Und warum wählt er nicht die Ökopartei? Ein Manifest sorgt für Unruhe

München – Der Unterschied zwischen Männern und Frauen kann lustig sein und ganze Comedyprogramme füllen, aber da geht es um Klischees. Das wahre Leben ist nicht so amüsant. Das merken gerade die Grünen, die sich des Themas mit einigem Ernst angenommen haben. Eine lebhafte Debatte ist die Folge.

Der „Spiegel“ berichtete jüngst von einem Papier, das 13 Grüne – neun Männer und vier Frauen – verfasst haben. Sie nennen es Manifest und beklagen darin, dass ihre Partei sich vor allem damit beschäftige, was ein Mann alles nicht sein solle: gewalttätig, dominant, unterdrückend. Vor lauter Abgrenzung habe man aber leider „vergessen, ein Angebot zu machen, was Männlichkeit stattdessen sein kann“. Man brauche „ein positives Bild, was gute Männlichkeit sein kann“.

Öffentlich angestoßen hat das Thema der Abgeordnete Julian Joswig, der einen „Spiegel“-Reporter auf das Papier aufmerksam machte und sich mit ihm im Fitnessstudio traf. Gute Männlichkeit sieht bei den Grünen dann zum Beispiel so aus, dass man Hanteln stemmt oder Boxtraining nimmt, aber eben nur am Sandsack zuschlägt. Der Co-Parteichef Felix Banaszak gab dem „Playboy“ ein Interview. Er könne verstehen, dass viele Frauen sich von einem bestimmten Typus Mann abgestoßen fühlen. Es sei dennoch ein Problem, wenn Linke einen Mann vor allem als Problem definieren würden.

Banaszak hat das Manifest nicht unterzeichnet, im Gegensatz zur Co-Vorsitzenden Franziska Brantner und ihrer Vorgängerin Ricarda Lang. Das Thema beschäftigt die Partei nicht nur ideologisch, sondern ganz konkret. Es sind eher Frauen, die die Grünen wählen. Unter jungen Männern ist die AfD erfolgreich, die Ökopartei eher unpopulär. Intern fragt man sich, ob das auch mit Vorzeigegrünen wie Robert Habeck zu tun hat, die eher feinsinnig-grüblerisch als hemdsärmelig rüberkommen. Das könnte manche Männer anziehen, viele andere aber umso weniger.

Der Versuch einer Neujustierung des Rollenbildes sorgt für Unruhe. Bei einer Fraktionssitzung kam es diese Woche zu heftigen Wortduellen. Moniert wurde neben mangelnder Abstimmung vor allem, dass das Männerbild des Manifests nicht dem tatsächlichen innerhalb der Partei entspreche. Ein Vorwurf lautete, dass das Land andere Sorgen habe als das Selbstverständnis grüner Männer. Kritik gab es zudem am Zeitpunkt der Veröffentlichung. Eine solche Diskussion kurz vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern anzustoßen, sei „fatal“. Im schlimmsten Fall liefere sie denen, die man dort bekämpfen will, noch neue Munition.MARC BEYER

Montag, 13. Juli 2026
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