Der Traum von einer Olympia-S-Bahn-Linie
Fehlende Verkehrskonzepte
Für die Olympischen Spiele 1972 entstand nicht nur ein Olympiastadion, dessen Ästhetik bis heute besticht. Sondern auch eine wunderschöne S-Bahn, die freilich ein wenig in die Jahre gekommen ist. Welche Vision vom Verkehr der Zukunft gibt es (abgesehen von Spielereien mit autonomem Fahren) für die Münchner Spiele 2036, 2040 oder 2044? Die vorliegenden Verkehrskonzepte sind bisher nicht auf Olympia-Planungen abgestimmt. Jetzt muss es schnell gehen.
Vorschläge, meist vage, gibt es viele. Aber ein Projekt ragt heraus: eine Olympia-S-Bahn-Linie. Diese Nordlinie zwischen Karlsfeld im Westen und Englschalking im Osten mit zwei, drei Haltestellen dazwischen hätte dauerhaften Nutzen über Olympia hinaus. Dann wären sowohl das Olympische Dorf als auch das Gros der Spielstätten von Norden her angeschlossen. Das Projekt scheint machbar, es ist finanzierbar (die Gleise sind größtenteils da) und von der Bahn sogar schon teilweise vorgeplant. Hingegen stehen hinter anderen Projekten Fragezeichen: Die U-Bahn-Bauten, ob U9 oder nur die Teillinie U29, sind teuer, baulich anspruchsvoll und langwierig. Ganz unrealistisch scheint eine Olympia-Tram durch den Englischen Garten – es sei denn, der Freistaat, der die Tram kategorisch ablehnt, bewegt sich noch mal.
Ein Sonderfall ist der Münchner Hauptbahnhof. Bahnhöfe waren einst als Empfangskathedralen gedacht. Der Hauptbahnhof heute als Baustelle bietet ein katastrophales Bild – und das Schlimme ist: auf unkalkulierbar lange Zeit. Bis 2038 sind die Bauarbeiten angesetzt. Wer die Bahn kennt, der weiß, dass da Verlängerung droht. Und dann ist man flugs im Jahr 2040, wenn man vielleicht wirklich mit Münchner Spielen rechnen kann. Den Totalumbau einzugrenzen und etwa auf den unsinnigen Abriss des Starnberger Flügelbahnhofs zu verzichten, wird nicht mehr möglich sein. So bleibt nur die Hoffnung, dass das Eingangstor der Stadt irgendwie ansehnlich gestaltet werden kann. Mit Schaudern erinnert man sich noch an die Hohngesänge österreichischer Fans bei der Heim-EM 2024: „Die Deutsche Bahn is so im Oarsch“, sangen sie. Das, bitte, muss verhindert werden!