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Eine CDU-Doku und ihre Folgen

Der Strandkorb des Anstoßes: Philipp Amthor und die CDU kämpfen mit einem abgehobenen Bild. © IMAGO

Berlin – Der Strandkorb ist schon Geschichte. Philipp Amthors Andenken an die Heimat für den Balkon seines neuen Büros im Bundeskanzleramt hat eine kurze, aber prominente Karriere gemacht. In der Doku „Inside CDU“ (bislang nur in der ZDF-Mediathek, heute mitten in der Nacht auch im Fernsehen) können die Zuschauer erleben, wie der neue Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit das Stück geliefert bekommt. Es gibt keinen Skandal: Amthor hat den Korb selbst bezahlt. Und trotzdem zeugt die ganze Sequenz von so viel Selbstverliebtheit, dass der 33-Jährige im Netz einen Sturm der Entrüstung erntet. Nun wird das Teil abtransportiert.

Die Strandkorb-Episode ist die prominenteste aus der vierteiligen Doku-Serie, die einen Schatten auf eine ohnehin schon kriselnde Volkspartei wirft. Schwere Wahlschlappen, den Sturz des Fraktionschefs, eine verpatzte Regierungsumbildung und nicht zuletzt einen Kanzler in der Krise. Manches hat man schon wieder vergessen, etwa die Koalitionsklausur in der Villa Borsig, bei der der Kanzler seinen Vize anschrie. „‚Inside CDU‘ wirkt schlimmstenfalls wie die Studie eines verschrumpelnden Apfels im Zeitraffer, bestenfalls wie ein Remake der drolligsten Szenen aus ‚Stromberg‘ oder ‚The Office‘, schrieb der „Spiegel“.

Ist es für eine kriselnde Partei klug, so tiefe Einblicke zu gewähren? Manchmal ja. Beispielsweise wenn das Filmteam den tapferen Andreas Renner, Direktkandidat in Pforzheim (Baden-Württemberg), im Haustür- und Straßenwahlkampf begleitet. Das schwierige Los eines ehrlichen Konservativen, der auf erzürnte Bürger trifft. Oft aber ist der Blick hinter die Kulissen entlarvend, wie beim blassen Stuttgarter Spitzenkandidaten Manuel Hagel, der seinen Vorsprung auf Cem Özdemir auf den letzten Metern vergeigt.

Es geht auch um Fehleinschätzungen. Am 8. März, dem Tag der Landtagswahl in Baden-Württemberg, sitzt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann mit Vertrauten beisammen. Das Ergebnis wird sehr, sehr eng. Dann sagt Linnemann, dass es auch bei den anderen Wahlen des Jahres so eng werden dürfte, in Sachsen-Anhalt zum Beispiel. Schon damals liegt die CDU 13 Prozentpunkte hinter der AfD. Knapp ist da nichts. Am Ende schafft die CDU 17,2 Prozent, die AfD 43,8.

Später erzählt Linnemann freimütig, wie er im Sommer Gesundheitsminister wurde. Merz habe ihm „keine Wahl gelassen“. Klingt nicht so, als habe er große Lust darauf gehabt. Ein langjähriger Insider der Regierungsblase ist fassungslos: „Jeder blamiert sich, so gut er kann. Merz, Amthor, Linnemann – offenbar sind die völlig frei von Beratung und Pressesprechern“, sagt er unserer Zeitung. In den Sozialen Netzwerken gibt es viel Häme.

Es ist bereits die zweite Staffel der Doku. In der ersten begleitete das Kamerateam die Partei zur (erfolgreichen) Bundestagswahl 2025. Für den Kommunikationsberater Béla Anda ist die veränderte politische Lage entscheidend. Anda war Regierungssprecher unter Gerhard Schröder, später Vize der „Bild“. „In der ersten Staffel war die Union im Aufstieg, in der zweiten Staffel ist sie im Abstieg. Und der Abstieg wird natürlich die dominierende Erzählung in dieser zweiten Geschichte.“

Amthor nimmt in der zweiten Staffel viel Raum ein. Die Kamera begleitet ihn durchs Kanzleramt, zeigt ihn im Anzug vor den Porträts früherer Kanzler oder im Dienstwagen. Wiederholt sind seine Szenen mit klassischer Musik unterlegt. Beim Strandkorb ist Andas Urteil klar: „Amthor macht in dieser Szene eigentlich jeden Fehler, den man nur machen kann.“ Er bediene mit seiner Sprache und seinem Auftreten Klischees und präsentiere „die Insignien dieses Amtes, als wären sie seine eigenen“.

Kritik gibt es aber auch an der Machart der Doku. In Sozialen Netzwerken und in der CDU wird über Auswahl, Schnitt und musikalische Untermalung einzelner Szenen diskutiert. Anda hält es für zu einfach, die Wirkung alleine den Filmemachern anzulasten. „Wer sich so gibt, wie Philipp Amthor sich da gegeben hat, muss auch wissen, was er damit auslöst.“

Freitag, 2. Oktober 2026
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