ePaper-Meldung

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
Wegen Wartungsarbeiten an unserem Anmeldesystem haben wir das ePaper vorübergehend freigeschaltet.
Alle OVB-Lokalausgaben können Sie derzeit ohne Anmeldung lesen.

Die Wiege der Luftwaffe liegt in Fürstenfeldbruck

24. September 1961: Mit 500.000 Besuchern erlebt die Luftwaffe beim Flugtag am Fliegerhorst den größten Ansturm ihrer deutschen Nachkriegsgeschichte. © Fursty.org

Fürstenfeldbruck – Am Donnerstag hat die Luftwaffe mit einem großen Zapfenstreich in Berlin ihren 70. Geburtstag gefeiert. Eine besondere Rolle in ihrer Geschichte spielt der Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. Er gilt als „Wiege der Luftwaffe“, weil dort die ersten zehn bundesdeutschen Piloten im Jahr 1956 von Verteidigungsminister Theodor Blank ihr Flugzeugführerabzeichen erhielten.

Die Geschichte des Fliegerhorsts beginnt bereits früher: 1935 wurde „Fursty“ – wie die Amerikaner ihn später nannten – gegründet. Für die fliegerische Ausbildung wurde eine etwa 1000 Meter lange, festgewalzte Rasenfläche genutzt. 1943 wurde sie auf einer Breite von 45 Metern betoniert. 1944 erfolgte eine Verlängerung um 500 Meter. Das jähe Ende kam am 9. April 1945: Die US-Streitkräfte flogen den ersten und letzten Angriff auf den Fliegerhorst. Startbahn, Rollwege und technische Bereiche wurden weitgehend zerstört. Nur die Unterkünfte wie etwa der Kilometerbau blieben intakt.

Nach dem Einmarsch der US-Amerikaner in Bruck wurde der Fliegerhorst ab 1946 zur Heimat des „36th US Fighter Wing“. Start- und Landebahn wurden verlängert, es entstanden gut bezahlte Arbeitsplätze für die Bevölkerung. Nach dem Nato-Beitritt der Bundesrepublik im Jahr 1955 kamen deutsche Offiziere nach Fursty, um die Übernahme vorzubereiten. Eine Zeit lang waren deutsche und US-Streitkräfte gemeinsam vor Ort. 1956 erfolgte die Grundsteinlegung für das Luftwaffenehrenmal. Am 1. November 1957 übernahm die bundesdeutsche Luftwaffe den Standort. Da die Offiziersschule der Luftwaffe von Neubiberg nach Fürstenfeldbruck verlegt wurde, baute man das heute denkmalgeschützte Blaue Palais als Unterrichtsort.

Ein trauriges Kapitel erlebte der Fliegerhorst während der Olympischen Spiele in München. Der Überfall palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft am 5. September 1972 fand auf dem Flugfeld sein blutiges Ende. Bei einem missglückten Befreiungsversuch starben neun israelische Geiseln, fünf Terroristen und der Polizist Anton Fliegerbauer. Im Alten Tower wird an das Drama erinnert.

1994 wurde das Jagdbombergeschwader 49 aufgelöst, 1997 die Fluglehrgruppe. Der letzte Alpha Jet hob damals ab. Endgültig wurde der Flugbetrieb 2003 eingestellt. Damit endete eine Ära. Zwei Jahre später gab die Bundeswehr die Hälfte des ursprünglich an die 500 Hektar großen Fliegerhorstes samt Startbahn an die Gemeinde Maisach ab. Auf einem Teil siedelte sich die BMW Driving Academy an. Weite Teile sind Flora-Fauna-Habitat-Flächen und stehen unter Naturschutz.

Mit der Bundeswehrreform 2011 wurde das Aus für den militärischen Betrieb am Fliegerhorst verkündet. Die Stadt Fürstenfeldbruck startete den Konversionsprozess. Bei einem Wettbewerb wurde ein Siegerentwurf für das künftige Stadtviertel Fliegerhorst gekürt. Die Offiziersschule der Luftwaffe zog ins fränkische Roth, nahm dort 2025 den Betrieb auf.

Doch der finale Abzug der Bundeswehr verzögerte sich immer weiter. Die Nutzung der ehemaligen Luftkriegsschule als Dependance der Flüchtlings-Erstaufnahmeeinrichtung wurde bis 2030 verlängert. Im Herbst 2025 dann die Rolle rückwärts: Die Bundeswehr gab bekannt, doch auf dem Fliegerhorst zu bleiben. Die Offiziersschule wird zwar nicht in die Wiege der Luftwaffe zurückkehren. Dafür starten die ersten 112 Rekruten ihre Grundausbildung.INGRID ZEILINGER

Freitag, 2. Oktober 2026
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie das OVB ePaper in Top-Qualität und testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos und unverbindlich.