KOMMENTAR
Die Teilung wirkt bis heute nach
Zum Tag der Deutschen Einheit
Die Zahlen bringen einen zum Nachdenken: 36 Jahre ist es her, dass um Mitternacht zu den Klängen der Freiheitsglocke vor dem Reichstagsgebäude die Bundesflagge gehisst wurde. Deutschland ist also fast so lange geeint, wie es geteilt war (41 Jahre). Wer jünger als 40 ist, kennt die beiden Deutschlands nur aus dem Geschichtsbuch oder von schwarz-weißen Instagramvideos mit ödem Brachland, wo heute am Potsdamer Platz das Leben tobt. Und dennoch wirkt die Teilung bis heute. Der Spalt droht sich sogar zu vergrößern.
Um es klar zu sagen: Es wurde sehr, sehr viel erreicht! Die Innenstädte von Dresden oder Leipzig sind moderner als die in Gelsenkirchen oder Essen. Doch noch immer verfügen Westdeutsche im Schnitt über ein mehr als doppelt so großes Privatvermögen wie Ostdeutsche. Das ist mit Immobilienbesitz noch zu erklären. Aber woran liegt es, dass Ostdeutsche in Führungspositionen in der Bundesverwaltung völlig unterrepräsentiert sind? Und noch irritierender ist, wenn Westbindung und Russlandnähe auch nach 36 Jahren spalten.
Der Tag der Einheit. Noch heute kein schnöder Feiertag. Sondern ein Tag, um uns selbst zu hinterfragen.