Kahlschlag allein ist keine Strategie
Sparkurs in der Autobranche
Kaum waren die Wogen bei VW wenigstens etwas geglättet, eskaliert der Konflikt wieder maximal. Dass der Autobauer die Tarifverträge kündigt, ist ein weiterer Schachzug im Ringen um Wettbewerbsfähigkeit, Werksschließungen und den Abbau von 100.000 Jobs im Konzern. Das Vorgehen des VW-Managements ist extrem rabiat. Die Probleme sind wohl so groß, dass den VW-Bossen alle Mittel recht sind.
Es ist ein toxischer Mix, der die Branche in die Krise gestürzt hat – Überheblichkeit, Managementfehler, Technologieumbrüche, der Zollkrieg, ein Regulierungs-Zickzack, schlechte Standortbedingungen und jetzt noch hohe Spritpreise. Doch egal, wer am Absturz der Autoindustrie letztlich schuld ist: Um wieder nach vorn zu kommen, müssen nun auch die Mitarbeiter zurückstecken. Hohe Gehälter und Zulagen bei überschaubaren Stundenzahlen sind angesichts der tiefen Krise einfach nicht zu rechtfertigen. Und bei sinkenden Verkäufen muss auch die Belegschaft schrumpfen.
Nur die Axt beim Personal anzusetzen, wie VW es tut, ist aber keine Strategie. Die deutsche Autoindustrie braucht auch massive Investitionen, um sich gegen die China-Konkurrenz zu wehren – in innovative Modelle, moderne Fertigung und zukunftsfähige Konzernstrukturen. Die nötigen Milliarden dafür hat die Branche. Setzt sie aber nur auf Kahlschlag, spart sie sich zu Tode.ANDREAS.HOESS@OVB.NET