Berlinerin wagt ihren ersten Tandem-Sprung von der Kampenwand

Wunschtraum geht mit 77 in Erfüllung

von Redaktion

„Was wünsche ich mir dieses Jahr zum Geburtstag?“ Für Renate Böhm war es dies keine Frage, denn ihr größter Wunsch war es, durchzustarten – im wahrsten Sinn des Wortes. Vor Kurzem feierte sie ihren 77. Ehrentag und das in ihrer „zweiten Heimat“ Aschau. Die Berlinerin verbringt schon seit 1971 die schönsten Tage im Jahr im Bankerldorf.

Aschau – Der Herzenswunsch von Renate Böhm war es, einen Gleitschirm- Tandemflug von der Kampenwand zu machen. So haben Familie und Freunde kurzerhand zusammengelegt und ihr diesen Wunsch nun erfüllt.

Die Idee, selbst einmal mitzufliegen, entstand schon im letzten Urlaub, als Böhm eine andere Tandempassagierin bei der Landung beobachtete. „Ihr glückliches Lächeln ist mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen und dieses Gefühl wollte ich auch erleben“, erzählt sie.

Schon gleich in den ersten Urlaubstagen nahm sie Kontakt mit dem Tandempiloten Max Baudrexl auf und die Vorfreude war kaum noch zu bändigen.

Mit der Kampenwandseilbahn ging es dann vollbepackt mit Gleitschirm, Gurtzeug, Helm und Handschuhen hinauf zum Startplatz in der Nähe der Bergstation. Ehemann Klaus Böhm blieb lieber mit beiden Füßen am Boden und wartete auf seine Frau am Landeplatz in der Nähe des Natur-Freischwimmbads.

Als schließlich der große Tandemschirm ausgelegt, Gurte und Helm angelegt und die Formalitäten erledigt waren, stieg die Nervosität bei Renate Böhm doch ein wenig an. Den anderen Gleitschirmfliegern beim Starten zuzusehen, ließ die Anspannung steigen. Aschaus Tourismuschef Herbert Reiter kam persönlich zum Startplatz, um dem treuen Stammgast Beistand zu leisten.

Dann war es endlich soweit: Bei passendem Wind zog Max Baudrexl seinen orange-gelben Schirm auf. Nach einem kurzen Startlauf in Richtung Tal schwebten die beiden dann lautlos hinaus. Das strahlende Lächeln in Renate Böhms Gesicht war nicht zu übersehen, als sich der Traum des Fliegens nun endlich erfüllte. Genüsslich zurückgelehnt, ging es vorbei an den Felswänden der Kampenwand, über das Schloss Hohenaschau und die Pfarrkirche. Bei guter Thermik kreisten die beiden weiter nach oben und genossen den einzigartigen Ausblick auf Chiemsee, Kampenwand und bewunderten Aschau aus der Vogelperspektive. „Es war für mich wie im Traum, die gute Aschauer Luft um die Nase geblasen zu bekommen und die Schönheiten mal von oben zu sehen – einfach großartig“, so die 77-Jährige. Ganz besonders beeindruckt war die sonst in der Stadt lebende Frau von der einzigartigen Stille in der Luft. Nur das leise Rauschen des Windes war zu hören. Um die Erinnerungen dieses Erlebnisses für immer festzuhalten, wurden während des Fluges Bilder gemacht, die bald den Digitalbilderrahmen in der Wohnung in Berlin Reinickendorf durchlaufen.

Es war eine rundum tolle Erfahrung und Auszeit für die Jubilarin, die mit ihren 77 Jahren noch äußerst aktiv ist. Zuhause in Berlin betreut sie seit vielen Jahren ihre pflegebedürftige Schwester und ist somit immer gefordert.

Aber auch für den erfahrenen Piloten war dieser Flug prägend: „Wenn ich mir eines wünschen dürfte, dann möchte ich mit 77 Jahren auch mal so gut drauf sein wie meine Tandem-Partnerin“, so Baudrexl.

Das Ganze kommt nicht von ungefähr, denn Aschau wurde bei den Böhms schon immer mit Fliegen in Verbindung gebracht. Gleich bei den ersten Urlauben in Aschau ist nämlich den Stammgästen ein grüner Wellensittich im Urlaubsdomizil zugeflogen. In eine kleine Schachtel mit vielen Luftlöchern verpackt, wurde der Vogel dann mitgenommen und auf den Namen „Peter“ getauft. Er lebte dann viele Jahre bei den Böhms in Berlin.

Wie es sich für die umtriebige Stammgast-Dame aus der Bundeshauptstadt gehört, ist das nächste Ziel schon im Visier. In zwei Jahren können die Böhms nämlich Diamanthochzeit feiern und dies soll natürlich wieder in Aschau über die Bühne gehen.

Doch jetzt wird es erst einmal ruhig, denn es steht die unvermeidliche Heimfahrt an. „Mein Mann weiß dann schon genau: Sobald wir am Ortsausgangsschild von Aschau vorbeifahren, bin ich so traurig gestimmt, dass er mit mir bei der Heimfahrt gar nicht mehr sprechen braucht“, sagt Renate Böhm und ist jetzt schon ein bisschen melancholisch gestimmt.

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