Bayer, Europäer, Autor und Imker

von Redaktion

Ehemaliger deutscher Botschafter Bernhard Zepter genießt den Ruhestand in Eggstätt

Eggstätt – Den Ruhestand genießt der gebürtige Priener Bernhard Zepter, der als deutscher Botschafter und als stellvertretender Generalsekretär der Europäischen Kommission in Brüssel eine lange, internationale Karriere hinter sich hat, nur bedingt; pflegt er doch auch im Alter noch viele Hobbys. Die Heimat liegt ihm am Herzen, aber er ist auch „überzeugter Deutscher und Europäer“. Das sei ein „Mehrwert, da wird einem was geschenkt“.

Immer noch

viel auf Reisen

Der heute in Eggstätt lebende ehemalige Botschafter kann von seinem Wohnzimmer aus weit in die Chiemgauer Berge blicken. Von hier aus hat er es auch nicht weit zu seinen Bienenstöcken im Lienzinger Moor, und dennoch wäre es verfehlt, Eggstätt als seinen Alterswohnsitz zu beschreiben, hat er doch viele Hobbys und reist immer noch recht viel quer durch Europa.

1944 geboren, hat er seinen im Krieg vermissten Vater nie kennengelernt, seine Mutter zog ihn und seine beiden Brüder anfangs in Gollenshausen auf, ehe die kleine Familie nach Köln zog.

Gute Erinnerungen habe er an den Chiemgau, seine Tante habe in Eggstätt gelebt, sein Großvater war Kunstmaler, der unter anderem auch in Gollenshausen und Gstadt bei der Freskenbemalung der Kirchen mitgewirkt hat. Vielleicht hat es ihn auch deswegen wieder zurück in die Heimat gezogen.

Viele Jahre hat er im Ausland in bedeutenden Positionen als Botschafter gewirkt, und dennoch erzählt er bescheiden, beinahe demütig, von seinen Ämtern rund um den Globus. Dass er ins Ausland wollte, wusste er schon als Jugendlicher. Er heuerte mit 16 Jahren auf einem Bananendampfer an und fuhr gen Südamerika, wo er sich auf einer Bananenfarm in Ecuador verdingte. „Den Mauerbau 1961 habe ich nur aus der Ferne mitbekommen…“

Schließlich kehrt er doch wieder zurück nach Köln, legt sein Abitur ab, studiert Jura in Köln und Freiburg und bewirbt sich beim Auswärtigen Amt. Bald schon geht es für ihn wieder in die Ferne: Senegal, Brüssel (für die Nato), Kopenhagen, Athen und Genf, wo er als stellvertretender Leiter der deutschen Delegation bei den GATT-Verhandlungen zur Uruguay Runde mit am Tisch der Welthandelsorganisation sitzt. Zwischen seinen Auslandseinsätzen war er immer wieder am Hauptsitz des Außenministeriums in Bonn.

Ein weiterer Karriereschritt folgt 1990: Zepter wird zum Berater für Außenbeziehungen im Kabinett des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jacques Delors, berufen: „Einer der spannendsten Jobs in ganz Europa“, schwärmt Zepter. Weitere fünf Jahre war er sogar stellvertretender Generalsekretär der Europäischen Kommission in Brüssel und später noch einmal vier Jahre Botschafter und Leiter der EU-Delegation in Japan. Da kann er viel berichten, seine Leidenschaft für die große Politik schimmert da zwischen persönlichen Anekdoten immer wieder durch.

Bis heute verfolgt er mit großem Interesse das politische Weltgeschehen und hält auch nicht mit seinen Ansichten hinter dem Berg. So sagt er zum Brexit: „Da bräuchte man einen Alexander den Großen, um den gordischen Knoten durchzuhauen.“ Dass Großbritannien damals (1973) der boomenden EWG (die EU hieß damals noch EWG, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) beitrat, war der ökonomischen Krise im Land geschuldet. Trump sieht er als „symptomatisch für unsere Gesellschaft“, da sei ein Damm gebrochen.

Zepter erklärt in Bezug auf seine langen Auslandsjahre: „Ich habe mich nicht geschont.“ Ein Herzinfarkt und ein Schlaganfall haben ihn allerdings etwas ruhiger werden lassen. Aber nur so weit, dass er als freier Wirtschaftsberater arbeitete, sich als Präsident der Internationalen Vereinigung der Ehemaligen Mitarbeiter der EU in Brüssel engagierte und jetzt mit dem Schreiben angefangen hat. Sein zweiteiliger Roman „Ereignishorizonte“ spielt im Chiemgau in der Zukunft, genau genommen im Chiemgau von 2083 bis 2086. Nach einer Sonneneruption im Jahre 2043 ist die Weltwirtschaft zusammengebrochen, erst langsam erholt sich die Menschheit wieder. Der gut fundierte Roman hinterfragt kritisch unser Streben nach Maximierung des Bruttosozialprodukts.

Skat-Spielen ist eines seiner vielen Hobbys

„Das Schreiben hat mir großen Spaß gemacht“, aber das sei nur ein Teil seiner „Arbeitszeit“. Denn Zepter pflegt noch viele andere Hobbys: Aus seiner Zeit in Japan ist er Mitglied in einem Skat-Club, mit dem er sich bis heute noch regelmäßig trifft („das nächste Mal treffen wir uns in Darmstadt“), er beschäftigt sich mit dem Studium der Geschichte und mit Fragen der Astrophysik und Kosmologie, er gärtnert viel und backt sein eigenes Brot. Seine liebste Freizeitbeschäftigung aber ist das Imkern – wenngleich das viel Arbeit mit sich bringt. Für Zepter sei der Ruhestand jedenfalls „eine wunderbare Zeit“.

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