„Licht ist ein Geheimnis“

von Redaktion

Nußdorfer Florian Lechner über seine Inspiration und Arbeit als Glaskünstler

Nußdorf – „Licht ist ein Geheimnis, es ist Materie und eine Schwingung.“ Die Faszination für das Licht, die Glaskünstler Florian Lechner mit diesem Satz beschreibt, ist die Grundlage für seine Vision von Kunst. Der 84-Jährige, der in Nußdorf daheim ist, ist in der Region tief verwurzelt.

Da seine Eltern, beide erfolgreiche Musiker, beruflich viel unterwegs waren, ist er in seinen ersten Lebensjahren mehr bei unterschiedlichen Freunden der Familie aufgewachsen. Eine echte Heimat fand er deshalb erst 1950 in der Schule Schloss Neubeuern.

Pilgerreise als
Schlüsselerlebnis

Wegweisend für seine Künstlerkarriere war, dass er mit seiner Abschlussarbeit einen ersten Preis in einem Kunstwettbewerb gewonnen hat. Der Schlossschule ist er bis heute verbunden und in der „Altschülerband“ rockt er beim Sommerfest auch mal den Bass. Er studierte in Kassel bei Fritz Winter und in Paris, wo ihn sein Lehrer Joseph Lacasse erstmalig mit dem Thema „Licht“ konfrontierte. Eine Pilgerreise nach Chartres bot ihm ein Schlüsselerlebnis, das sich fortan in seiner Kunst niederschlug. „Die Fenster der Kathedrale aus dem zwölften Jahrhundert verwandelten das Sonnenlicht in ein wunderbares Lichterlebnis und materialisierten die Farblichtstrahlung geradezu.“ So beschreibt Lechner das Thema, das seine Kunst prägt. Für seine Werke entwickelte er ein spezielles Schmelzglas, mit dem sich die Ideen seiner monumentalen Werke wie Glasskulpturen, Glaswände und -säulen ideal verwirklichen lassen. In seiner Werkshalle in Urstall bei Nußdorf hat er spezielle Öfen, die es ihm erlauben, großformatige Gläser, wie etwa für den Glas-Licht-Brunnen der Bayerischen Landesbank oder Glas-Licht-Säulen für eine Metrostation in Rouen, Frankreich, herzustellen.

Die Gebilde werden zunächst als Negativ mit einer speziellen Sand-Ton-Mischung geformt und dann werden die Glasplatten, teilweise mit Einfärbungen, darübergelegt und auf 800 Grad erhitzt, bis sie schmelzen. Wichtig ist danach vor allem die langsame Abkühlphase des geschlossenen Ofens, damit das Kunstwerk nicht durch Spannungen zerspringt. Bei manchen Objekten kann dies bis zu drei Wochen dauern. „Da muss ich die Geduld aufbringen, zu warten, bevor ich schauen kann, ob das Werk geglückt ist“, betont Lechner.

In seinem großen Atelier finden auch immer wieder Konzerte oder Projekte mit befreundeten Künstlern statt. Bei Konzerten kommen neben dem Cembalo seiner Mutter vor allem seine speziellen Glas-Klangschalen zum Einsatz, denn damit lassen sich besondere Klangwelten mit sphärischer Dimension erschaffen. So plant er demnächst sogar eine Performance mit einer Tänzerin.

Neben seiner Tätigkeit als freischaffender Künstler war Lechner an der Schlossschule Neubeuern als Kunstvermittler tätig und baute dort mit den Schülern die erste Glaswerkstatt an einer weiterführenden Schule auf.

Ein ganz besonderes Werk Lechners ist seit Juni 2022 in der über 300 Jahre alten Wallfahrtskirche „Mariä Heimsuchung“ im Kirchwald bei Nußdorf zu bewundern. Der Künstler hat hier einen sogenannten Volksaltar mit einem beigeordneten Ambo geschaffen. „Wenn das Licht im richtigen Winkel durch das Glas fällt, sieht er geradezu schwebend aus“ beschreibt der 84-Jährige das Kunstobjekt.

Zeitgenössischer Alter in Wallfahrtskirche

„Das Licht ist die Hoffnung der Menschen.“ Mit diesem Satz drückt Pater Damian, der Eremit der Kirche, aus, was im Werk des Glaskünstlers so prachtvoll zum Ausdruck kommt. Die Konsekration des Altars wurde beim Festgottesdienst von Weihbischof Wolfgang Bischof vorgenommen.“ Die feierliche Weihe, die gleichzeitig auch das 300-jährige Jubiläum der Kirche feierte, war von so vielen Gästen, Ehrengästen und Fahnenabordnungen der Ortsvereine besucht worden, dass der Gottesdienst per audiovisueller Übertragung ins Freie übertragen wurde. Lechner selbst bewertet sein Werk mit den Worten: „Der Altar hat der Kirche zu einer Änderung zum zeitgenössischen verholfen.“

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