Erkundungsbohrungen für Nordzulauf in Stephanskirchen starten
Die Deutsche Bahn führte bereits im Februar 2023 Erkundungsbohrungen an der Sims in Stephanskirchen durch. Ab morgen finden Bohrungen in Leonhardspfunzen statt.
Ab Donnerstag rückt die Bahn mit schwerem Gerät an – Arbeiten gehen mit Verkehrsbehinderungen einher – Fischzüchter bangt um seine Tiere
Stephanskirchen – Es ist ein idyllisches Fleckchen entlang der Innleiten bis nach Leonhardspfunzen. Am morgigen Donnerstag rückt hier jedoch die Deutsche Bahn mit schwerem Gerät an. Im Hinblick auf die geplante Trasse des Brenner-Nordzulaufs führt das Unternehmen bis zum 30. November Erkundungsbohrungen durch.
Nachdem die Gemeinde Stephanskirchen auf dem Rechtsweg gescheitert war, fand vor einigen Wochen ein Gespräch zwischen Verwaltung und der DB InfraGO statt. Denn diese plant in dem zweimonatigen Zeitraum mehrere Bohrungen: je eine im Süden und Norden von Leonhardspfunzen sowie drei im Bereich des Mühltalwegs. Dafür muss die Straße für den Verkehr komplett gesperrt werden. Laut der DB werden Umleitungen über Salzburger, Vogtareuther und Wasserburger Straße eingerichtet. Die Kontaktaufnahme mit den Anwohnern soll ebenfalls durch das Unternehmen erfolgen.
Auf Drängen von ihm und der Verwaltung, so berichtete es Bürgermeister Karl Mair bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, habe die Bahn zugesagt, an den Wochenenden – freitags ab 16 Uhr bis montags, 7 Uhr – eine einspurige Befahrung mit einer Ampel zu ermöglichen. Radfahrer werden über den Inndamm umgeleitet.
Für Gerlinde Schweinsteiger und ihre Familie, die den Waldgasthof Baodwirt in Leonhardspfunzen betreiben, ist die Verkehrssperrung mit wirtschaftlichen Nachteilen verbunden. Unter der Woche ist der Gasthof nur über Haidbichl erreichbar. Im Oktober seien bei schönem Wetter viele Radfahrer unterwegs, die oft bei ihnen einkehren. „Wenn hier keiner mehr vorbeikommt, ist das schlecht für uns.“ Gleichzeitig mussten sie und ihr Team vorab alle Übernachtungsgäste anschreiben und über die Verkehrssituation und die geänderte Anfahrt informieren.
Da sie den gesamten November Betriebsurlaub haben, treffen die Bohrungen die Familie Schweinsteiger nicht so stark. Sollte der Brenner-Nordzulauf aber kommen, befürchtet sie: „Die Bauzeit wäre unser Aus.“ Bereits einmal sei die Zufahrt wegen einer Straßensanierung für sieben Monate gesperrt gewesen. „Das war schon zäh.“ Besonders stört Schweinsteiger, dass die Deutsche Bahn sich bislang noch nie direkt bei ihnen gemeldet hat – weder schriftlich noch um ein Gespräch ersuchend.
Weniger von der Verkehrssperre, dafür aber umso mehr von den Bohrungen ist Kevin Pommerenke betroffen. Der 32-Jährige betreibt die Fischzucht Innleiten und Wasserwiesen (Raubling) sowie den Fischhandel „Happy Fisherman“. Er befürchtet, dass das Wasser, das seine Teiche speist, durch die Bohrungen verunreinigt wird und seine Fische so sterben könnten. Deswegen hat er sich vorbereitet. Er lässt auf eigene Kosten die Wasserqualität begutachten. So solle Anfang Oktober die erste Probe genommen werden und im weiteren Verlauf eine weitere. „Wir wissen absolut nicht, welche Auswirkungen die Bohrungen haben könnten“, so der Fischzüchter. Das Gutachten kostet ihn eigenen Angaben zufolge um die 2.000 Euro.
Geld, das es ihm wert ist. Denn es geht um seine Tiere. „Dass die Bahn sich überhaupt nicht um den Tierschutz schert, macht mich sauer“, sagt er. Dafür wolle er „laut sein“. Die Bahn hat ihm eine Entschädigung zugesagt, sollten seine Fische zu Tode kommen. Doch ums Geld gehe es ihm nicht: „Ich halte doch keine Tiere, um sie verrecken zu sehen.“
Ebenfalls von den Erkundungsbohrungen und der damit verbundenen Straßensperre ist die St. Leonhardsquelle betroffen. Bereits in der Vergangenheit hatte der Mineralwasserabfüller angekündigt, sich gegen die geplante Trasse wehren zu wollen.