„Absolut unnötig“ – Kritik an neuem Tankrabatt auch bei Autofahrern in der Region
Rückgang zu beobachten – Hohes Niveau bleibt trotz Unterstützung aus Berlin – 12-Uhr-Regel bleibt weiterhin bestehen
Region – In den vergangenen Wochen und Monaten sind die Spritpreise für Diesel und Benzin immer weiter in die Höhe geschossen. An deutschen Autobahnen überschritten Preise die Drei-Euro-Grenze sogar deutlich. Für die Bundesregierung Grund genug, um zu handeln. Seit dem 1. Oktober gilt ein neuer Tankrabatt. Doch was bringt dieser wirklich? Und wie reagieren Autofahrer darauf?
Preise rutschen nicht
unter die Zwei-Euro-Marke
Ein Blick auf eine Eni-Tankstelle in Burghausen um kurz vor 12 Uhr zeigt günstigere Preise. So bezahlen Autofahrer für einen Liter Diesel 2,07 Euro, für einen Liter Benzin 2,04 Euro: „Es sind zwar immer noch hohe Preise, aber immerhin eine Verbesserung“, erzählt ein Autofahrer im Gespräch mit innsalzach24.de an einer Zapfsäule. Deswegen habe er auch Kanister dabei, die er zusätzlich auffülle. Pünktlich zur vollen Stunde lohnt sich dann ein Blick auf die Zahlen. Denn die sogenannte 12-Uhr-Regel, nach welcher die Tankstellen die Preise einmal täglich anpassen dürfen, hat weiterhin Bestand. Das Ergebnis bei Eni: Diesel wird um 27 Cent nach oben korrigiert, Benzin gar um 34 Cent. „Das sind mal Preise“, staunt eine Autofahrerin nicht schlecht.
Zum Tanken sei sie schon lange nicht mehr in Deutschland gewesen: „Die Nähe zu Österreich spielt uns da schon in die Karten“, weiß sie. Auch dort seien die Preise gestiegen. Wesentlich billiger sei das Tanken aber trotzdem. Dem kann Florian S. aus Burghausen nur zustimmen: „Aktuell pendle ich wegen meines Berufs oft nach Fürstenfeldbruck. Die hohen Spritpreise spielen mir da nicht in die Karten.“
„Ich habe durchgerechnet, was ich mir aufgrund des neuen Rabatts sparen würde. Monatlich komme ich auf 25 Euro“, verrät er. „Aus meiner Sicht ist das absolut unnötig und die Politik hätte sich das Ganze auch sparen können.“ Er vermutet, dass die Regierung gehandelt habe, um auf die steigende Unzufriedenheit in der Bevölkerung zu reagieren: „Wirklich weiterbringen wird uns der Tankrabatt nicht.“
Auch in weiteren Tankstellen in der Region greifen die billigeren Preise. Etwa bei der AVIA in Prien. Ingrid Tscheschlok ist mit dem Rad an der Tankstelle vorbeigefahren, um sich die Preise anzuschauen. Da habe sie gleich „die Chance genutzt“, um ihr Auto zu holen und zu tanken. In Bezug auf die hohen Spritkosten sagt sie achselzuckend: „Man findet sich damit ab. Aber der Preis könnte jetzt ruhig so bleiben oder noch mehr runtergehen.“
Die Rentnerin nutzt ihr Auto nur noch für private Zwecke. Deshalb ist ihre Strategie, dass sie zuerst mit dem Rad vorbeifährt und sich die Preise anschaut, damit sie vor 12 Uhr tanken kann. Vera Frey tankt grundsätzlich immer am Ersten des Monats, sie ist also nicht speziell wegen des Tankrabatts da. „Da ist mir der Preis egal, ich fahre ohnehin nur in Prien und Umgebung“, sagt die 83-Jährige.
Ganz anders als Anna-Lena Jester, die bewusst heute getankt hat. „Ich wollte eigentlich gestern schon tanken, habe mich dann aber durch den Tankrabatt dagegen entschieden“, meint die junge Frau. Felix Brandl fährt viel dienstlich und muss jede Woche tanken. Die Spritpreise findet der 39-Jährige auch mit Rabatt „klar zu teuer“. Daher tankt er bewusst nicht an Autobahntankstellen.
Der Stationsleiter der AVIA-Tankstelle in Prien, Denny Mack, merkt den Tankrabatt. Es seien „mehr Kunden als die ganzen letzten Wochen“. Rund zehn Cent günstiger seien die Preise an der Tankstelle geworden. Oliver Gleisner, Mitarbeiter der Tom’s Tankstelle in Prien, berichtet ebenfalls von einem „deutlichen Unterschied“. Er hat Rückmeldung von den Kunden bekommen, dass sie den Preisunterschied auf jeden Fall merken.
Wut im Internet:
„Was für eine Verarsche“
In den sozialen Medien sind die Rückmeldungen deutlich harscher. So kommentierte ein Instagram-Nutzer unter einem Video von innsalzach24.de: „Was für eine Verarsche.“
Eine Userin meint: „Also, ich find’s immer noch arg hoch. Und das sagt jemand, der ein E-Auto fährt. Das ist aber nur meine Meinung.“ Der Tankrabatt bleibt also weiterhin heiß umstritten.