Brückeneinhub bei Rohrdorf gelungen
Über 50 Tonnen wiegt ein Betonteil wie dieses.
Millimetergenauer Kraftakt ist geschafft –A8-Sanierungen belasten Autofahrer in der Region jedoch noch lange
Rohrdorf – Es ist ein Kraftakt von ganz ungewöhnlicher Dimension. Doch am Ende geht es um Millimeter. „Geht‘s bei euch schon rein?“ fragt der Leiter des Bautrupps, von irgendwo unter dem letzten Bauteil der Brücke kommt die Antwort: „No ned ganz.“ Also legen sich ein halbes Dutzend Männer und eine Frau ins Zeug, beziehungsweise mit der Schulter gegen das enorme Betonteil, das über der letzten Lücke der Brücke schwebt.
Das Bauteil wandert um ein Quäntchen nach außen. Dann schwebt es in Stundenzentimeter-Tempo nach unten. Es passt. Es wackelt nichts, und es auch genügend Luft. Niemand macht Champagner auf, es ertönen keine Jubelrufe. Die Herren Ingenieure nehmen‘s gelassen und routiniert. Nur der Laie staunt. Die eine Hälfte der Autobahn-Brücke über die Rohrdorfer Achen ist fertig zusammengebaut, und das nach zwei Wochen. Und das Einpassen der über 50 Tonnen schweren Teilstücke hat mit höchster Präzision funktioniert.
Wieder saniert die Autobahngesellschaft des Bundes eine Brücke, und wieder geht es schnell. Und das bei einer Baustelle über einem Bach. Von einem „tollen Ergebnis“ sprach da Michael Kordon, Direktor der Niederlassung Südbayern der Autobahn-Gesellschaft des Bundes. Immer noch aufsehenerregend ist die Konstruktionsweise, die es mit sich bringt, dass sich die Baustelle gar nicht immer an der A8 befindet. Denn die Brücke ist aus verschiedenen Bauteilen zusammengesetzt. Und die wurden zuvor woanders gefertigt. Der Beton wird nicht in Einschalungen direkt an der Autobahn gegossen, er fließt vielmehr in passgenaue Fertigteile und härtet in der Max-Bögl-Fabrikationshalle aus. Schließlich transportiert ein Schwertransporter das Teil an die Baustelle, eskortiert von drei Begleitfahrzeugen. Die Beton-Bausteine für die Brücke kamen am Vorabend (30. September) ab 22 Uhr an. Die Vorfertigung ermöglicht ein hohes Tempo. Von „Turbo-Baustellen“ ist da seitens der Autobahn-GmbH die Rede. Bis 7. Oktober wird die Brücke für die eine Fahrtrichtung fertig sein. Dann wird die Autobahn nochmals gesperrt, in Richtung München. Anschließend beginnt die zweite Bauphase. „Also im Zeitplan sind wir“, sagte Michael Kordon und versprach: „Wir werden bis zu den Herbstferien wieder vier Fahrstreifen dem Verkehr übergeben.“
Auch Vertreter der örtlichen Politik waren zum Einhub der Brückenteile gekommen. „Tatsächlich beeindruckend“ und „hochinteressant“ nannte Landrat Otto Lederer die Aktion am Donnerstagvormittag (1. Oktober), beeindruckt zeigte sich auch der Rosenheimer CSU-Landtagsabgeordnete Daniel Artmann: „Da sieht man, welche starken und innovativen Unternehmen wir haben.“ Längst ist der Verkehr in der Region auch ein Politikum. Denn eine Baustelle auf einer Autobahn, zumal auf einer schmalen Autobahn wie der A8, wirkt wie ein Nadelöhr. Dann gibt es Staus auf der Autobahn. Und dann wälzen sich die Kolonnen des Ausweichverkehrs durch die Anliegerdörfer, wo der Verkehr weiter eindickt. So auch an jenem 1. Oktober.
Wie kann man die Belastung für die Gemeinden verringern? Darüber machen sich Artmann, Lederer und viele andere schon seit längerem Gedanken. Bislang bleibt der durchschlagende Erfolg aus. „Wir gehen alle Hand in Hand, sowohl die Bürgermeister, aber vor allem natürlich auch der Landrat“, sagte Artmann. Nun habe man zwar Durchfahrtsverbote für die Gemeinden an den Wochenenden und an Feiertagen, aber die müssten auch erstmal durchgesetzt werden. Aufhorchen lässt daher die Initiative, von der er berichtete. Unter anderem Innenministerium und Regierung von Oberbayern wolle man sich noch im Oktober zusammensetzen, um über die Möglichkeit von „Verwaltungshelfern“ zu sprechen. Solche Helfer setzt Tirol nach eigenen Angaben mit großem Erfolg ein.
Man ringe auch zusammen mit der Autobahn-Gesellschaft um Lösungen, berichtete Landrat Lederer. Man müsse gemeinsam zusehen, den Verkehr „großräumig umzuleiten“. So müsse man andernfalls versuchen, „dass die Verkehrsteilnehmer möglichst auf der Autobahn bleiben und nicht das nachgelagerte Netz verstopfen“. Sperren direkt an den Ausfahrten müsste die Autobahn-GmbH einrichten. Die sehe jedoch zu große juristische Hindernisse.
Eine Lösung tut not. Denn so schnell die Autobahn-Gesellschaft ihre Brücken auch auswechselt, die Sanierungsaufgabe der A8 bis zur Grenze wird die Ingenieure noch lange beschäftigen. Von 80 Brücken jenseits der Lebensdauer spricht Michael Kordon. Und längst nicht jede sei mit der anderen zu vergleichen. „Da gibt es schon raffinierte Baustellen.“ Die nächsten Etappen stehen schon fest: Ist die Brücke über die Achen einmal mit Fahrbahn und Leitplanken versehen, kommen die Brücken über die Weiße Traun bei Siegsdorf und über die Saalach an die Reihe.
An der Brücke über die Rohrdorfer Achen: (von links) CSU-Landtagsabgeordneter Daniel Artmann, Michael Kordon, Direktor der Niederlassung Südbayern der Autobahn-GmbH, und Rosenheims Landrat Otto Lederer.
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