Weltweit stärkster E-Traktor kommt aus der Region
Kraftvoll, aber nahezu geräuschlos: Durch den bidirektional nutzbaren Akku mit einer Kapazität von 200 kWh kann der TADUS T16.20 als derzeit weltweit leistungsstärkster E-Traktor aus Serienfertigung sowohl für Arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft wie auch als Pufferspeicher für das hofeigene Energiemanagement-System genutzt werden.
Ein leiser Kraftprotz hat in Garching an der Alz Premiere gefeiert: Das Unternehmen TADUS hat den weltweit stärksten serienreifen E-Traktor vorgestellt. Das Modell bietet 160 PS Leistung und besitzt einen Akku, der auf dem Hof auch als Stromspeicher dient.
Garching an der Alz – Als weltweit leistungsstärksten serienreifen E-Traktor hat das Unternehmen TADUS aus Schnaitsee seinen TADUS T16.20 bei Garching an der Alz erstmals öffentlich vorgeführt. Der seriennahe Prototyp hat eine Spitzenleistung von 160 Pferdestärken. Seine Wechselbatterie lässt sich auch als Stromspeicher auf dem Hof nutzen.
Auf den ersten Blick unterscheidet sich der TADUS T16.20 kaum von vergleichbaren Schleppern. Was auffällt, ist die Ruhe. Der E-Traktor setzt sich nahezu geräuschlos in Bewegung und beschleunigt kraftvoll. Zu hören sind nur das Surren der Elektromotoren und das Reifengeräusch auf der Straße. Im Cockpit mit Panoramaverglasung finden sich Wendeschaltung am Lenkrad, Display und Bedienkonsole samt Joystick.
Fünf Elektromotoren
übernehmen den Antrieb
Unternehmensgründer und Geschäftsführer Dr. Thaddäus Baier erläutert, der T16.20 sei nicht aus einem Dieseltraktor heraus elektrifiziert, sondern komplett für den elektrischen Antrieb neu entwickelt worden. Fünf Elektromotoren übernehmen die Aufgaben: Zwei treiben Vorder- und Hinterachse an, drei weitere Front- und Heckzapfwelle sowie die Hydraulik. Diese liefert bis zu 120 Liter pro Minute bei 200 Bar. Eine zentrale Steuerung regelt die Energieflüsse nach Bedarf, Verfügbarkeit und den Vorgaben des Fahrers. Komplexe Übertragungswege und eine mechanische Koppelung zwischen den Verbrauchern entfallen.
Rahmen, Fahrzeug- und Antriebsstruktur, Verkleidung und Software hat TADUS selbst entwickelt. Wichtige Komponenten werden zugekauft. Kernstück ist die Wechselbatterie mit einer Kapazität von 196 Kilowattstunden unterhalb der Fahrerkabine. Der Hersteller nennt eine Wechselzeit von rund fünf Minuten. Wärmepumpe und Batterieheizung ermöglichen den Winterbetrieb. Vorgesehen sind Frontlader-, Pflege-, Forst- und Grünlandarbeiten; als Einsatzzeiten werden vier bis zu acht Stunden angegeben.
„Der TADUS arbeitet für die Landwirte nicht nur während er fährt, sondern auch wenn er steht“, fasst Baier die Idee zusammen. Die Batterie lässt sich in beide Richtungen nutzen: Sie kann Strom aufnehmen und abgeben. Als Pufferspeicher kann sie den Eigenverbrauch von Strom aus hofeigenen Biogas- oder Photovoltaikanlagen erhöhen und die Einspeisung zu ertragreichen Zeiten ermöglichen. Weitere Erlöse sind möglich, wenn der Speicher zur Stabilisierung des Stromnetzes genutzt wird. Solche „Vehicle-to-Grid-Modelle“ bietet etwa das Münchner Unternehmen The Mobility House an.
Hochschulen
an Tests beteiligt
Lohnt sich für Landwirte die Anschaffung? Der Basispreis der Vorserien-Prototypen liege deutlich über dem vergleichbarer Schlepper, sagt Baier. Bei Nutzung von selbst erzeugtem Strom seien jedoch Einsparungen bei den Betriebskosten von bis zu 75 Prozent gegenüber einem Dieselmodell möglich. Die Wartungskosten sollen laut TADUS um rund 50 Prozent sinken.
Einen Prototyp hatte TADUS bereits 2023 vorgestellt. Die Test- und Entwicklungsphase des TADUS T16.20 folgte 2024 und 2025. An Tests des Vorgängermodells in Österreich waren auch die Hochschulen in Wels und Ried beteiligt. Nach der vier-jährigen Entwicklungsphase sollen im Oktober die Fertigung und die Auslieferung der zehn Vorserien-Traktoren beginnen. Das bayerische Wirtschaftsministerium fördert das Unternehmen. Als Investoren unterstützen es zudem die Unternehmer Hans Rosenberger aus Fridolfing und Bartl Wimmer aus Berchtesgaden.
Dr. Thaddäus und Johanna Baier machen sich als Geschäftsführer des innovativen Traktorherstellers TADUS aus Schnaitsee für mehr Autarkie und Energieeffizienz in der Landwirtschaft stark.