Chaos bei Meridian und Bahn

Stellwerkstörung nervt Pendler

von Redaktion

Eine Stellwerkstörung in Grafing sorgte gestern für erhebliche Probleme im Zugverkehr – zum Ärger vieler Pendler aus der Region. Manche erlebten eine wahre Odyssee – so wie Gerhard Wiedemann aus Rosenheim.

Rosenheim/Grafing – Wer gestern mit dem Zug in die Arbeit kommen wollte, dem dürfte in Sachen Pünktlichkeit ein Stellwerk in Grafing einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Eine Störung sorgte ab 4 Uhr morgens dort für erhebliche Probleme und wirkte sich auf den Zugverkehr aus – sowohl beim Meridian als auch bei der Deutschen Bahn, der das Werk gehört.

Massiv betroffen war die Strecke zwischen Rosenheim und München, zum Leidwesen vieler Pendler. Zu ihnen gehörte auch Gerhard Wiedemann (56), der vom Ostbahnhof nach seiner Nachtschicht heimwärts zum Rosenheimer Bahnhof wollte. Kurz nach 6 Uhr stand er wie gewohnt am Bahnsteig.

„Da hieß es schon, dass es Zugausfälle und Verspätungen geben wird.“ Seine Information: Er könne mit dem IC über Holzkirchen nach Rosenheim fahren. Dazu müsse er allerdings erst zum Hauptbahnhof. Wie viele andere entschied sich Wiedemann dagegen und fuhr mit der S-Bahn weiter nach Grafing – in der Hoffnung, von dort aus nach Rosenheim zu gelangen.

„In Grafing war der Bahnsteig überfüllt. Kinder machten Dehnübungen, um nicht zu frieren“, so Wiedemann. Immer wieder habe es Durchsagen gegeben, in der Zwischenzeit seien drei ICE vorbeigefahren. Diese hätten allerdings die Wartenden in Grafing nicht mitgenommen.

„Dann habe ich mich gegen 10 Uhr entschieden, mit dem Bus weiter nach Aßling zu fahren“, so der 56-Jährige. Reisehelfer, die der Meridian angekündigt hatte, hätte er auch in Aßling nicht gesehen. „Dort gab es dann jedoch zunächst keine Verbindung nach Rosenheim.“ Erst gegen 12 Uhr sei ein Bus bis zu seinem Ziel gefahren.

Sechs Stunden später als geplant war der Rosenheimer dann endlich daheim– entnervt und todmüde nach seiner Odyssee.

In einer Pressemitteilung des Meridian listet das Unternehmen detailliert die Folgen der Störung auf: So mussten am Vormittag alle Meridian-Züge aus Salzburg über das Mangfalltal umgeleitet werden. Erst ab dem frühen Nachmittag fuhren sie wieder, bedienten allerdings zusätzlich die Haltepunkte in Großkarolinenfeld, Ostermünchen, Aßling und Grafing und hatten dadurch noch eine Verspätung von bis zu 15 Minuten.

Zwischen Rosenheim, Holzkirchen und München fuhren ab dem späten Vormittag Busse – ebenso zwischen Grafing und Aßling. Ab Grafing bestand Anschluss zur S-Bahn. Die Züge aus Kufstein endeten in Rosenheim und wendeten dort.

Auch der Güterverkehr war betroffen. Ihn leitete die Bahn ab dem frühen Nachmittag über die Strecke der Mangfalltalbahn zwischen Rosenheim und Holzkirchen. Der Personenverkehr wurde deshalb unterbrochen – nur vollere Züge mit Schulkindern fuhren noch.

Um 15.40 Uhr dann die gute Nachricht für alle Zugpendler: Die Stellwerkstörung war behoben. „Wie viele Züge konkret ausgefallen sind, können wir erst in der Nacht auswerten“, so Meridian-Sprecher Christoph Rabe gestern gegenüber den OVB-Heimatzeitungen. „Bei dem Streckenabschnitt handelt es sich um eine hochkomplexe Verbindung“, so Rabe weiter. Deshalb seien viele Verbindungen ausgefallen, „mit dem Notverkehr hielten wir jedoch den Betrieb aufrecht.“

Kurzzeitig kursierten nachmittags Meldungen, es gebe zusätzlich einen Polizeieinsatz, der die Verbindung zwischen Rosenheim und Grafing ebenso lahmgelegt habe. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd dazu: „Eine Falschmeldung. Allein die Stellwerkstörung war für Zugausfälle verantwortlich.“

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