Rosenheim – Düngeverordnung, Milchpreis et cetera: Landwirte sind bei ihrer Arbeit mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. Diskussionen über Tierwohl und Artensterben zeigen zudem: Den Bauern weht starker Gegenwind aus der Gesellschaft entgegen. Mit welchen Schwierigkeiten die Landwirtschaft zu kämpfen hat und wie Antworten darauf aussehen können, das war Thema beim Kreisbauerntag in Rosenheim.
„Die Zeiten sind bewegt, es wird nicht einfacher für die Bauern“, beurteilte der Gastgeber, Rosenheims BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier, in der vollen Inntalhalle die aktuelle Lage. Mit der Preis- und Einkommenssituation könne man nicht zufrieden sein. Die Milch- und Schlachtpreise „dümpelten“ vor sich hin, man befinde sich in einer wahren Durststrecke.
„Faire Preise
wären uns lieber“
Da könne auch die eben erst von der Politik versprochene „Bauernmilliarde“ nicht helfen – insbesondere, da man befürchte, diese würde nur zu noch mehr Auflagen und Bürokratie führen. „Faire Preise wären uns lieber“, so Bodmaier.
Ungerecht findet der Kreisobmann, dass die Auflagen durch das „Rettet die Bienen“-Begehren nur die Landwirtschaft beträfen – obwohl die gesamte Gesellschaft zum Handeln aufgefordert worden sei.
Ein Verbot des Walzens nach dem 15. März etwa sei wenig praktikabel. In Punkto Nitratwerte und Düngeverordnung sagte Bodmaier, dass die Werte zurückgingen. Er kritisierte das nicht repräsentative Messstellennetz. Es brauche Lösungen, die regionale Strukturen berücksichtigten.
In Sachen Brenner-Nordzulauf betonte der Kreisobmann, dass man auch juristisch hinter den betroffenen Landwirten stehe. Bei der Debatte über Tierwohl vermisst Bodmaier Wissen und Fakten. In der Marktwirtschaft entscheide der Kunde an der Theke, was produziert werde. Für die Landkreis-Bauern legt Bodmaier seine Hand ins Feuer: „Wir schauen auf das Wohlergehen unserer Tiere!“ Die regionale Landwirtschaft stehe für Qualität, Tradition und Nachhaltigkeit. Doch das müsse man der Gesellschaft besser vermitteln. Diese Konsequenz zieht man beim Bauernverband aus den aktuellen Diskussionen, in denen sich die Landwirte oftmals als Sündenböcke hingestellt sehen. Bodmaier: „Wir haben erkannt, dass wir den Dialog mit der Bevölkerung brauchen.“
„Tankts eure Bulldogs und lasst Handys an“
Die Initiative „Land schafft Verbindung“ (LsV, siehe Kasten) kam mit Plakaten und Schleppern zum Kreisbauerntag. Ihr Sprecher, Josef Hofmeyer aus Rimsting, kündigte an, dass demnächst wieder eine Aktion geplant sei. „Tankts eure Bulldogs und lasst die Handys auch nachts an“, rief er seine Mitstreiter auf.
Lob gab es vom stellvertretenden Landrat Josef Huber. In Zeiten, in denen sich die Bauern oft selbst uneins seien – da sorge die LsV-Initiative für Vereinigung. Huber meinte, dass es ihm als Landwirt oft schwer falle, ein neutrales Grußwort zu sprechen. Mit vielen Dingen sei er nicht einverstanden, beim Baurecht oder der Frage nach einer Privilegierung teile er die Meinung der Ämter nicht immer.
Der Hauptredner, Konrad Schmid, Ministerialdirigent des Bayerischen Landwirtschaftsministeriums, zeigte sich überzeugt, dass man es heute mit einer ganz neuen Qualität der Herausforderungen zu tun habe, weil viel mehr Menschen fern der Landwirtschaft mitreden würden. Doch grundsätzlich sei die Situation besser, als es auf den ersten Blick scheine.
So würden Anforderungen aus dem „Rettet die Bienen“-Begehren auch an anderer Stelle umgesetzt, etwa bestehe seit August für öffentliche Gebäude ein Verbot von nächtlichen Lichtimmissionen. Den Walz-Termin wolle man mit einer Allgemeinverfügung regional flexibel gestalten. Der Mahd-Termin würde nicht einzelbetrieblich umgesetzt, sondern sei eine landesweite Zielvorgabe.
Klare Forderungen hat Schmid für die aktuellen GAP-Verhandlungen: „Mehr Auflagen für weniger Geld, das kann nicht gehen!“ Er betonte, ein Teil der Direktzahlungen müsse einkommenswirksam bleiben.
Der Weg: Qualität statt Quantität
Für die Zukunft der bayerischen Landwirtschaft sieht der Ministerialdirigent nur einen Weg. Man müsse weg vom maximalen Ertrag hin zu höchster Qualität und geringstem Einsatz von Produktionsmitteln: „Denn das Rennen um das billigste Nahrungsmittel werden wir nicht gewinnen.“ Eine wichtige Aufgabe auch für die Nachwuchs-Landwirte. Hier ist der Landkreis gut aufgestellt, wie sich bei der Ehrung zeigte: 26 neue Landwirtschaftsmeister und fünf Agrarbetriebswirte wurden für ihren Weiterbildungserfolg ausgezeichnet.
In der folgenden Diskussion thematisierten die Landwirte die Düngeverordnung und kritisierten die „Bauernmilliarde“.