Diskussion um Endlager: In einer Woche geht‘s um die Region

von Redaktion

Wohin kann der Atommüll gebracht werden? Nach „Fachkonferenz“ zu Beginn folgen nun die lokalen Sprechstunden

Rosenheim – Deutschland sucht die Super-Lagerstätte. Und die Region Rosenheim ist unter den Kandidaten. Die Suche nach einer Endlagerstätte für Deutschlands Atommüll nimmt Fahrt auf. Was Fachleute sagen. Und warum die Landkreise Rosenheim und Mühldorf überhaupt in der Auswahl blieben: unser Überblick vor der nächsten Runde in der nächsten Woche (27. Oktober, 17 Uhr).

Start mit einer
„Fachkonferenz“

Im September wurde der Zwischenbericht mit geeigneten Gebieten veröffentlicht. Am vergangenen Wochenende konnten sich Bürger, Behörden und Gruppen an einer Online-„Fachkonferenz Teilgebiete“ äußern und informieren. Am nächsten Dienstag, 27. Oktober, geht es weiter: In einer regionalen Online-Sprechstunde können sich Bürger über den Stand in Rosenheim informieren.

Die CSU stellt seit gefühlten Ewigkeiten die Regierungspartei, länger gibt es die Kirche, und noch viel länger Oberbayerns größten See: Der Chiemsee entstand beim Rückzug der letzten Eiszeitgletscher. Auch der Inn ist eine Spur dieser Eisriesen. 10000 Jahre ist das her – ein Wimpernschlag im Vergleich zu der Frist, die für die Endlagerung von Atommüll gelten – der soll eine Million Jahre lang sicher unter der Erde ruhen. Dagegen schaut der Zeitplan für die Suche erst recht mickrig aus: In zwölf Jahren soll klar sein, wo Deutschlands hoch strahlender Müll gelagert werden kann.

Die Region Rosenheim hat noch ein paar Worte mitzureden. Nach der „Fachkonferenz“ steht am Dienstag, 27. Oktober, eine regionale „Sprechstunde“ im Kalender. Sie ist online.

Eingeladen zur „Fachkonferenz Teilgebiete“ hatte das Bundesamt für Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Wissenschaftler der Bundesgesellschaft für Endlagerung stellten den Zwischenbericht vor und standen Rede und Antwort auf Fragen, die Bürger und Gruppe in einem Youtube-Chat gestellt hatten. Zweck der Übung: „Die Öffentlichkeit mitzunehmen und in das Suchverfahren einzubinden“, wie BASE mitteilt.

Pro und Contra in
der Region Rosenheim

Insgesamt ist weniger als die Hälfte des deutschen Staatsgebiets als ungeeignet aussortiert worden – darunter das Versuchsgelände Gorleben. Dringeblieben sind weite Teile des südöstlichen Bayern, darunter ein Fleck östlich Rosenheims und Streifen bei Mühldorf.

Der Grund: Dort finden sich – in ausreichender Tiefe und Dicke – Schichten von Tongestein. Ton, in diesem Fall Ablagerungen eines 25 Millionen Jahre alten Ur-Meers, lässt kein Wasser durch und schirmt gut gegen Strahlung ab. Es ist aber anfällig für Störungen, wie sie von Bewegungen in Gebirgen ausgehen. Und daher „gibt es wahrscheinlich geeignetere Bereiche“, sagt Diplom-Geologe Holger Maurer aus Riedering, Mitautor des Kinderbuchs „Geoloogi“.

Maurer blickt auf die nahen Alpen, die erst 20, 30 Millionen Jahre alt sind und noch wachsen, im Gegensatz etwa zum viel älteren Bayerischen Wald. Wo aber Gebirge wachsen, walten große Kräfte. Maurer weist auf eine Störzone im nahen Inntal hin. Sie sei inaktiv, sagt Maurer. Im Augenblick. „Ich würde bei der Sprechstunde fragen, wie man sicher davon ausgehen kann, dass die Störzone eine Million Jahre lang nicht aktiv wird“, sagt Maurer.

Michael Weiser

Weitere Infos unter www.bge.de
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