Der gefüllte Briefkasten

von Redaktion

Zwischen Himmel und Erde

In der Nähe des Pfarrhauses ist endlich wieder ein Briefkasten aufgestellt worden, nachdem dieser bei der Schließung der alten Stadtpost an gleicher Stelle abgebaut worden war. Nun muss der neue Briefkasten fleißig gefüttert werden. Denn von der Nutzung hängt ab, ob er auch dauerhaft stehenbleibt.

Erfreut habe ich meine Briefe bereits dort eingeworfen und dabei an die Empfänger gedacht, die sie in den nächsten Tagen erhalten werden. Durch die digitale Kommunikation und ihre vielen Möglichkeiten sind Briefe seltener geworden.

Aus dem täglichen Poststapel kann ich zwischen Werbung und leidigen Fensterbriefen aber doch immer wieder einen handgeschriebenen herausfischen. Manchmal kann ich erst zwischen den Zeilen lesen, was der Absender ausdrücken möchte. Einige dieser berührenden Briefe hebe ich lange auf, weil sie kostbar sind.

Von so einem besonderen Brief schreibt der Apostel Paulus an seine Gemeinde in Korinth: „Unser Empfehlungsschreiben seid ihr; es ist eingeschrieben in unser Herz, und alle Menschen können es lesen und verstehen.“ Damit meint er, dass wir selbst ein Brief sind, mit dem Gott durch unser Leben und durch unsere Liebe zu anderen Menschen kommt. Mich tröstet dabei, dass er nicht mit erhobenem Zeigefinger mahnt, dass wir so ein Brief werden sollen. Wir sind es bereits, auch mit all unseren Fehlern und Schwächen. Gott kann auf den krummen Zeilen unserer Biografie noch gerade schreiben. Genau deshalb werden wir zu einem lebendigen und ermutigenden Brief, selbst da, wo wir es vielleicht nicht vermutet haben.

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