Rosenheim – Es ist ein großer Sprung in der Statistik: Weit mehr Erstklässler als im vergangenen Jahr haben gestern in Stadt und Landkreis Rosenheim ihre Schullaufbahn begonnen. 6,47 Prozent beträgt das Plus in der gesamten Region.
„Dieser Anstieg war prognostiziert worden“, sagt allerdings Schulamtsleiter Edgar Müller. Die Demografen haben sogar einen Anstieg der Schülerzahlen sogar bis zum Jahre 2025 vorhersagt, an der nicht gerade üppigen Personalstärke aber ändert das bis auf weiteres nichts. „Der Lehrermangel in Bayern ist kein Geheimnis“, sagt Müller.
Die Schar der Erstklässler im Landkreis zählt 2447 Kinder, das sind 157 Kinder mehr als im Vorjahr (ein Plus von 6,86 Prozent). In der Stadt wurden 25 Kinder mehr eingeschult als im vergangenen Jahr, um 4,77 Prozent stieg die Zahl auf 549. Immerhin können die vorgesehen Klassengrößen noch eingehalten werden. Bis 28 Schüler sollen an der Grundschule in einem Raum unterrichtet werden, eine Richtzahl von 30 ist für die Klassen an den Mittelschulen vorgesehen. Die Durchschnittsgröße in der Region beträgt etwa 23 Erstklässler. 105 erste Klassen gibt es im Landkreis, sechs mehr als 2020 (6,06 Prozent), in der kreisfreien Stadt Rosenheim gibt es aktuell 25 erste Klassen, zwei mehr als 2020 (8,70).
Abgenommen haben die Zahlen an den Mittelschulen. In der Region sanken sie von 5512 um 2,09 Prozent auf 5397. Dabei fällt das Minus im Landkreis mit 2,89 Prozent oder 129 Schülern deutlicher aus als in der Stadt (ein Minus von 1,33 Prozent oder 14 Schüler). Die Zahl der Klassen im Landkreis sinkt um vier. Die Größe der Klassen blieb nahezu gleich. Insgesamt besuchen 17010 Kinder und Jugendliche Schulen im doppelten Amtsbereich des Schulamts, 61 mehr als im Vorjahr. Das Amt ist sowohl im Landkreis als auch in der kreisfreien Stadt Rosenheim für Grund- und Mittelschulen mit insgesamt rund 1400 aktiven Lehrern zuständig.
Nicht nur die vergleichsweise hohe Zahl an Einschulungen nach Jahren des Schwunds stellt Müller und seine Mitarbeiter im Amt vor Herausforderungen. Auch Inklusion und Migration sowie Corona erhöhen den Bedarf an Personal. So sollen im Programm „Gemeinsam. Brücken.Bauen“ Lernrückstände abgebaut werden, die im Laufe der Pandemie entstanden sind, ein Angebot, das Müllers designierte Nachfolgerin Angelika Elsner eine „sinnvolle Ergänzung“ nennt. Für diese Fördermaßnahmen kämen Studenten fürs Lehramt in Frage. „Das ist eine Herausforderung“, sagt Elsner, „es wird immer schwieriger, solches Personal zu finden.“ Auch über die Zweitqualifizierung seien nicht mehr viele neue Lehrer zu gewinnen. Wie sich die Zahl der Studenten auf Lehramt entwickelt, ist schwer abzuschätzen. Sie hängt auch vom Streben nach einem sicheren Job ab. „Wenn es der Gesellschaft finanziell gut geht, haben wir weniger Lehramtsstudenten“, sagt Müller. Michael WEiser