„Eine Gefahr für die Demokratie“

„Ich kenne Rosenheim ja“: Polizeipräsident Manfred Hauser. Foto Weiser

„Ich kenne Rosenheim ja“: Polizeipräsident Manfred Hauser. Foto Weiser

Interview Polizeipräsident Manfred Hauser über seinen Start im Amt

Rosenheim – Anti-Corona-Demos, Impfpflicht und immer mehr Straftaten, die in der Anonymität des Internets stattfinden: Der neue Polizeipräsident Manfred Hauser (52), der im Oktober Robert Kopp an der Spitze des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd ablöste, hat wahrlich keinen leichten Start gehabt. Im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen verrät er, wie er aufgenommen worden ist und welche Rolle seine Vergangenheit beim Verfassungsschutz für seine Arbeit spielt.

Die Entscheidung des Bundestages für eine Impfpflicht etwa für Pflegeberufe ist noch frisch. Wären Sie mit einer Impfpflicht auch für die Polizei einverstanden?

Impfpflicht ist generell ein heikles Thema. Man muss auch sehen, dass die Impfquote bei der Polizei im Vergleich zu anderen systemrelevanten Berufsgruppen relativ hoch ist. Gleichwohl ist sie meines Erachtens, auch wenn sie sich knapp unter 90 Prozent bewegt, noch nicht ausreichend. Ich wäre also dafür, wenn wir für die Polizei eine Impfpflicht hätten.


Und eine allgemeine Impfpflicht?

Ja, eigentlich wäre mir die allgemeine Impfpflicht am liebsten, aber zuständig bin ich hier für die Polizei. Und die ist eine tragende Säule des Gemeinwesens. Die Bürger vertrauen uns, und um das Vertrauen zu erhalten, müssen wir präsent und einsatzfähig sein. Einsatzfähigkeit habe ich aber auch nur dann, wenn alle geimpft sind. Wenn man sich vorstellt, dass wir 2G- und 3G-Kontrollen durchführen müssen, ist es schwer verständlich, wenn Kollegen im Einsatz sind, die nicht geimpft sind.

Sie sprachen vom Vertrauen der Bürger. Aber es gibt auch viele Menschen mit Vorbehalten gegenüber der Polizei.

Man kann das nicht über einen Kamm scheren. Wir stellen bei Demonstrationen besorgte Bürger fest, teilweise zum Beispiel Eltern, die sich Gedanken machen, ob eine Impfpflicht für Kinder kommen könnte – was völlig legitim ist. Man kann aber auch Querdenker nicht über einen Kamm scheren.

Sondern?

Da gibt es Menschen, die als Antidemokraten einzuschätzen sind. Ich war fünf Jahre beim Verfassungsschutz und habe mich im vergangenen Jahr ausgiebig mit diesem Phänomen beschäftigt. Und da gibt es eine kleine Gruppe – wir nennen sie sicherheitsgefährdende Demokratiefeinde –, die demokratische Institutionen delegitimieren wollen, indem sie ein Widerstandsrecht gegen den Staat beanspruchen. Und die wollen aktiv gegen Repräsentanten oder demokratisch legitimierte Vertreter dieses Staats vorgehen. Das ist als verfassungsfeindlich einzustufen. Das ist eine Gefahr für die Demokratie und bereitet uns als Polizei zunehmend Probleme. Es war aber, als die Diskussion um die Impfpflicht Fahrt aufnahm, durchaus zu erwarten, dass sich diese Leute an durchaus ernst zu nehmende Sorgen von normalen Bürgerinnen und Bürgern dranhängen.

Ein Wandel des Klimas, den Sie wahrscheinlich bei vielen Demonstrationen feststellen.

Das gibt es Unterschiede. Teilweise ist es friedlich, da werden die entsprechenden Vorschriften eingehalten. Aber es gibt auch andere Anlässe, und davon waren wir in Oberbayern Süd ziemlich betroffen, bei denen Protagonisten der Szene aus ganz Deutschland hierherkommen und die Menschen aufhetzen. Ich sehe darin eine Gefahr für die Demokratie, und da ist die Polizei ebenso gefordert wie der Verfassungsschutz.

Wie bekommen die Beamten die zunehmende Polarisierung im Einsatz zu spüren?

Ich bin erst seit zwei Monaten hier. Aber ich habe das ja schon auch beim Verfassungsschutz miterlebt, dass es mehr Übergriffe gibt. Die zunehmende Gewalt gegen Polizeibeamte ist generell ein Problem. Auch kürzlich in Altötting haben wir eine überaus aggressive Klientel angetroffen, sodass man dem Ganzen nur mit verstärkten Kräften begegnen konnte. Wichtig ist die Prognose. Bislang fanden die Verabredungen meistens auf Telegram oder anderen Messenger-Diensten statt. Wir müssen sehen, dass wir eine tragfähige Gefahreneinschätzung hinbekommen, um eine ausreichende Kräfteplanung durchführen zu können. Und das wird schwieriger.

Aber kommen wir doch mal zu Ihnen: Haben Sie sich gut eingelebt?

Man hat mir hier einen wunderbaren Einstieg ermöglicht. Ich wusste von meinem Vorgänger Robert Kopp, dass ich hier ein absolut professionelles und engagiertes Team habe. Und ich kannte hier auch schon viele Kollegen aus meiner Zeit beim Ministerium und beim Polizeipräsidium München. Ich tue mich auch sprachlich sehr leicht hier, auch wenn ich mich gerade bemühe, hochdeutsch zu reden. Ich habe am Anfang auch sofort viele Dienststellen besucht, von Mittenwald bis Waldkraiburg. Ich habe dort auch jedes Büro aufgesucht, um mit den Kollegen dort zu sprechen und um auch ein Gefühl für die Dienststellen zu bekommen. Auch hier am Areal habe ich schon alles besucht. Der Einstieg war von daher wirklich sehr gut. Dann kam leider meine Corona-Erkrankung dazwischen. Das hat mich zwei Wochen ein bisserl lahmgelegt, auch wenn ich vieles aus dem Homeoffice erledigen konnte.

Waren Sie geimpft?

Ich war zweimal geimpft. Trotzdem habe ich jeden Tag meinen Test gemacht, und ausgerechnet der am Tag meiner Booster-Impfung war positiv. Mein Appell: Die Booster-Impfung ist essenziell, gerade auch im Hinblick auf die Omikron-Variante. Sie schützt vor schweren Verläufen. Ich möchte nicht wissen, wie das ohne Impfung ausgegangen wäre.

Ihr Vorgänger Robert Kopp hat die Öffentlichkeit gesucht. Sind Sie ein distanzierter Typ oder gehen Sie auch mal gerne aufs Herbstfest?

Ja, aufs Herbstfest auf jeden Fall. Ich würde mich als total normal bezeichnen. Ich kenne Rosenheim ja, bin als Bad Aiblinger hier auch sozialisiert, war hier auch Mannschaftsführer der Ersten „60er“-Tennismannschaft, insofern bin ich vertraut mit der Ecke und gehe auch raus. Ich versuche, präsent und ansprechbar zu sein. Wenn ich die Berge wieder mehr sehe als von meinem Büro im Landesamt im Münchner Norden, dann gfrei i mi.


Erfreuen Sie sich sehr an den Bergen von unten oder machen Sie richtig Höhenmeter?

Ja, gelegentlich schon, aber es ist weniger geworden. Da ist der Dienst, da sind die Kinder, und manchmal will man auch seinen Sport machen. Wir haben da immer unseren Südtirol-Urlaub, und ich habe jetzt auch schon meine Kleinste dazu gebracht, dass sie zehn Kilometer auf den Berg geht.


Ihr Vorgänger hatte ein öffentlichkeitswirksames Hobby. Haben Sie auch so ein auffälliges Hobby wie Motorradfahren?

Neben der Familie und Tennis in der Bayernliga für den TC Bruckmühl-Westerham ein nicht so öffentlichkeitswirksames: Ich bin Plattensammler.

Was besonders?

Jazz, Folk, Rock’n‘Roll, dabei alles von Townes van Zandt und der Band Wilco.

Interview Michael Weiser

Cybercrime als Herausforderung für die Polizei

Das Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen drehte sich natürlich vor allem um Corona und die Gefahren einer gesellschaftlichen Spaltung. Als besonders wichtige Aufgabe aber sieht Manfred Hauser (52), der neue Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, den Kampf gegen Cybercrime und Kinderpornografie: „Das wollen und müssen wir noch stärker bekämpfen“, kündigte er an. Hauser folgt Robert Kopp nach, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hatte seine Ernennung im September verkündet. Für den gebürtigen Bad Aiblinger sprach auch seine große Bandbreite. Hauser war zunächst Jurist bei verschiedenen Polizeiverbänden und wechselte dann in den Polizeivollzugsdienst. Unter anderem leitete er die Personalabteilung beim Polizeipräsidium München sowie im Innenministerium die Sachgebiete „Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ und „Personal der Bayerischen Polizei“. Zuletzt war er fünf Jahre lang Vizepräsident des Landesamtes für Verfassungsschutz. Er trete sein Amt in schwieriger Zeit an, sagte Hauser den OVB-Heimatzeitungen. Aber er lobt auch, „mit welchem Augenmaß unsere Kolleginnen und Kollegen das bislang gemeistert haben“. Bei den Bürgern stoße die Polizei meistens nicht auf Unverständnis. Viele Menschen begrüßten sogar die Kontrollen der Polizei. we

Freitag, 10. Juli 2026
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