Seniorenbeirat kritisiert 49-Euro-Ticket

von Redaktion

Das 49-Euro-Ticket ist für viele Senioren unattraktiv und für diejenigen, die weder ein Smartphone besitzen noch einen Internetzugang haben, unerreichbar. Das will der Rosenheimer Seniorenbeirat nun ändern.

Rosenheim – Das Deutschlandticket und Senioren – keine einfache Beziehung. Viele Rentner beklagen die Umsetzung des neuen 49-Euro-Tickets. Die Kritik: Das Angebot ist nur als digitales Abo vorgesehen und Menschen ohne Smartphone oder Internet haben kaum eine Möglichkeit, an das Ticket zu kommen. Und: Während Auszubildende und Studenten wieder auf bayerische Fördergelder zurückgreifen und ab Herbst mit einer Vergünstigung rechnen können, ist das für Rentner und sozial schwächere Gruppen vorerst nicht geplant.

Vergünstigung für Rentner gefordert

Daher setzt sich der Rosenheimer Seniorenbeirat dafür ein, dass der Zugang zum Deutschlandticket für Rentner einfacher und günstiger werden soll. „Wir möchten erreichen, dass es auch für Rentner ab dem 1. Oktober eine Vergünstigung gibt“, sagt Irmgard Oppenrieder, die Vorsitzende des Seniorenbeirats. „Grundsätzlich ist das Deutschlandticket ein gutes Angebot, wenn man auf den öffentlichen Verkehr angewiesen ist“, so die Vorsitzende weiter. Allerdings wünsche sie sich eine bessere Aufklärung, da Senioren verunsichert seien, wie und in welcher Form das Ticket erworben werden kann.

Da viele Rentner kein Smartphone oder einen Internetzugang besäßen, setzt sich der Seniorenbeirat in Zusammenarbeit mit dem bayerischen Sozialverband VdK auch für einen einfacheren Zugang zu dem Deutschlandticket ein – am besten in Papierform.

Weiteren Nachbesserungsbedarf sieht Oppenrieder bei der Laufzeit des Tickets. „Das Ticket sollte es nicht nur als Abo geben“, sagt sie, „denn wer es den nächsten Monat nicht braucht, muss bereits weit im Voraus wieder kündigen.“

Dietrich Mehl, Kreisgeschäftsführer des VdK in Rosenheim, sieht die Bayerische Staatsregierung darüber hinaus in der Pflicht, ein Sozialticket für Rentner, Menschen mit Behinderung und Menschen mit niedrigerem Einkommen umzusetzen. Für Auszubildende soll laut Freistaat das Ticket ab dem 1. September und für Studenten ab dem Wintersemester nur noch 29 Euro kosten. Dementsprechend herrsche laut Oppenrieder großes Unverständnis unter den Rentnern, weshalb diese nicht ebenfalls von einer Vergünstigung profitieren können. „Außerdem wäre es wünschenswert, eine bayern- und bundesweit einheitliche Regelung durchzusetzen“, sagt Mehl.

Doch warum wird das Deutschlandticket nur digital angeboten? Auf OVB-Anfrage teilt ein Sprecher der Deutschen Bahn mit, dass die Tarifbestimmungen des Deutschlandtickets, welche vom Deutschlandtarifverbund festgelegt wurden, nur eine Ausgabe als Handyticket oder Chipkarte zuließen. Diese Tarifbestimmungen müssten alle teilnehmenden Verkehrsunternehmen des Schienenpersonalnahverkehrs (SPNV) und des ÖPNV in Deutschland verbindlich anwenden. In manchen Verkehrsverbünden wären aber für alle, die das Handyticket nicht nutzen können oder wollen, Chipkarten erhältlich.

Chipkarte nur
mit E-Mail-Adresse

Auf OVB-Anfrage teilt die BRB mit, dass diese Chipkarten auch am Bahnhof Rosenheim verkauft werden. Allerdings gibt es einen Haken, der für manche Senioren den Kauf unmöglich macht: Denn dazu wird neben Lichtbildausweis und EC-Karte auch eine E-Mail- Adresse benötigt. „Ohne die geht es nicht“ sagt die BRB-Sprecherin. Grund ist das Lastschriftmandat, das für das Ticket-Abo benötigt wird.

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