Spekulationen um Wolf im Raum Grassau

von Redaktion

Sennerin der Hefteralm macht beunruhigende Beobachtung – Kritik an Behörden

Grassau – Für Irmi Guggenbichler war es ein Schockmoment: Als sie am vergangenen Freitagmorgen um 9.30 Uhr in der Umgebung ihrer idyllischen Alm in Staudach bei Grassau im Achental unterwegs war, erblickte sie etwas Unheimliches. Auf halbhohem Gras streifte ein Tier herum, das ihrer Meinung nach möglicherweise ein Wolf gewesen sein könnte.

Blitzschnell zückte sie ihr Smartphone und hielt die mysteriöse Begegnung auf einem Foto fest, um es dem Landesamt für Umwelt (LfU) zu melden. Doch die Antwort des LfU ließ sie frustriert zurück: „Das Bild kann aufgrund der Qualität weder als bestätigt noch ausgeschlossener Hinweis auf einen Wolf gewertet werden“, lautete die kurze E-Mail, mit der sie in ihren Augen „abgewimmelt“ wurde.

Der Ärger bei Irmi Guggenbichler und ihren Landwirtskollegen sitzt tief und hinterlässt eine Spur der Verunsicherung. Immer wieder würden sie als „unglaubwürdig“ abgestempelt, das belaste die Landwirte schwer, sagt Guggenbichler. Aus diesem Grund möchte sie das Foto, das auch der Redaktion vorliegt, auch nicht der breiten Öffentlichkeit zeigen. „Man resigniert und es ist einfach belastend“, gesteht die deprimierte Sennerin der Hefteralm. „Wir können nicht mehr!“ Immer wieder seien es auch die „vielen, vielen wilden Hunde“, die für Probleme sorgen.

Einst als Ein-Jahres-Versuch gestartet, ist Irmi Guggenbichler nun schon seit mehr als 30 Jahren Sennerin auf der Hefteralm bei Grassau – trotz gelegentlich aufkommender Zweifel, ob sie denn im nächsten Jahr wiederkommen solle. Doch im Frühjahr packt sie jedes Mal das Almfieber und es zieht sie zurück auf die Alm.

Die aktuellen Vorfälle könnten jedoch dafür sorgen, dass das Almfieber bei Irmi Guggenbichler bald erlischt.

„Ich mache mir schlichtweg Sorgen um unsere Tiere“, erklärt sie besorgt. Viele ihrer Kollegen bringen ihre Tiere mittlerweile gar nicht mehr auf die Alm, da sie befürchten, dass diese als „Futter für die Wölfe“ enden werden. Die Ponys und Ziegen auf der Hefteralm sind aufgrund der jüngsten Ereignisse alle „eingezäunt“. „Anscheinend liegt keinem etwas an einer artgerechten Haltung“, klagt Guggenbichler.

Selbst der Tourismusverband zeigt ihrer Meinung nach wenig Verständnis. Dieser meine, dass solche Probleme besser nicht angesprochen werden sollten, um die Touristen nicht abzuschrecken, so die Sennerin.

Nur eine Autostunde von der Hefteralm entfernt – in Salzburg – gilt seit etwas mehr als einer Woche die neue Wolfsverordnung. Am Wochenende wurde sogar der erste legale Abschuss eines Wolfes in Salzburg verzeichnet. Während die Landesregierung in Salzburg Bilder vom erschossenen Beutegreifer teilte, wurde die genaue Stelle wiederum nicht preisgegeben – aus Angst vor militanten Tierschützern.

Irmi Guggenbichler ist derweil zutiefst enttäuscht und versteht die Welt nicht mehr. Während der Freistaat Bayern Pläne zur Bejagung von Rehen, Hirschen und sogar Gänsen aufstellt, lasse man die Wölfe gewähren. Weder der Umweltminister noch die Landwirtschaftsministerin sähen Handlungsbedarf. „Die Politik lässt uns im Stich“, klagt Guggenbichler und fügt mit einem ironischen Unterton hinzu: „Die Landwirte sind der Buhmann!“Cihad Koekten

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