Rosenheim – Sieben oder 19? Dieser Unterschied kann für viele Gastronomen über Leben und Tod ihres Gasthauses entscheiden. 2020 war im Zuge der Corona-Hilfspakete für Speisen in Restaurants ein ermäßigter Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent eingeführt worden. Damit sollte den strauchelnden Gastwirten unter die Arme gegriffen werden. Diese Ermäßigung war allerdings zeitlich gebunden.
Für die Branche
„eine Katastrophe“
Im Oktober 2022 hat der Bundesrat zugestimmt, den niedrigeren Steuersatz um ein Jahr zu verlängern. Grund hierfür waren die stark gestiegenen Energiekosten. Ab Januar 2024 soll nun aber wieder der alte Steuersatz von 19 Prozent gelten. „Für die Branche ist das eine große Katastrophe“, sagt Theresa Albrecht, die Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Dehoga in Rosenheim. „Die Auswirkungen sind noch gar nicht absehbar, viele Gastronomien werden nicht überleben.“
Hauptgerichte für unter zehn Euro – das scheint ein Preis der Vergangenheit zu sein. Typisch bayerische Gerichte wie Schweinebraten oder Schnitzel werden sich künftig näher an der 20-Euro- als an der Zehn-Euro-Marke bewegen.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die gestiegenen Preise in der Gastronomie der letzten Jahre ausgewertet. Im Vergleich zum Januar 2020 sind die Preise für eine Hauptspeise bis zum Mai 2023 um 18,9 Prozent gestiegen. Bei alkoholischen Getränken beträgt der Anstieg um 15,6 Prozent. Und der Besuch eines Fast-Food-Restaurants kostet sogar 22,7 Prozent mehr. Im selben Zeitraum stieg auch die Inflation von 0,5 Prozent 2020 auf 6,9 Prozent im vergangenen Jahr. In diesem Jahr liegt die Inflation bisher bei 5,6 Prozent.
Schwierigkeit, neue Pächter zu finden
Theresa Albrecht ist sich sicher, dass viele kleinere Betriebe schließen müssen, wenn der alte Mehrwertsteuersatz wiederhergestellt werden würde. „Besonders in den ländlichen Gebieten werden die dann auch nicht mehr aufmachen. Brauereien tun sich schon jetzt schwer, neue Pächter zu finden.“
Bundesweit geht die Dehoga davon aus, dass mehr als 12000 Betriebe schließen müssten. „Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2024 hätte fatale Folgen für die Betriebe unserer Branche und ihre Beschäftigten, aber auch für die Gäste und die Tourismuswirtschaft in Deutschland“, erklärt Dehoga-Präsident Guido Zöllick.
Dieser Meinung ist auch Bayerns Finanzminister Albert Füracker. „Wir müssen die Branche stärken und nicht durch höhere Steuern schwächen“, sagte er kürzlich. „In den aktuellen Krisenzeiten die Mehrwertsteuer im Gastronomie- und Hotelbereich zu erhöhen, hätte auch sehr nachteilige Auswirkungen für die Tourismuswirtschaft in Bayern!“
Um die Gastronomie und auch die Hotellerie zu unterstützen, hat nicht nur Deutschland in den letzten Jahren die Mehrwertsteuer für diese Branche gesenkt. Für die Gastro gilt noch immer in 23 von 27 EU-Mitgliedsstaaten ein reduzierter Steuersatz.
Forderung nach Steuersenkungen
Laut der Dehoga lag die Inflation bei Lebensmitteln im April 2023 bei mehr als 17 Prozent, bei Energie bei 21 Prozent. Sollte nun auch die Mehrwertsteuer wieder steigen, wären die Betriebe gezwungen, die Kostensteigerungen an die Kunden weiterzugeben.
„Eine Steuererhöhung wäre fatal für die 35000 gastgewerblichen Betriebe mit ihren rund 447000 Erwerbstätigen allein im bayerischen Gastgewerbe“, sagt Bayern-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert.
„Wir haben Vollbeschäftigung, der Staat verzeichnet Steuermehreinnahmen, jetzt sind Steuersenkungen statt -mehrauflagen angesagt.“
Die Corona-Krise und die damit verbundenen Schließungen der Gastronomie während der Lockdowns haben der Branche nachhaltig stark zugesetzt. Waren 2019 noch 222000 Betriebe bundesweit gemeldet, ist die Zahl auf 186000 im Jahr 2021 zurückgegangen. Bis heute haben die Umsätze noch nicht wieder das Niveau von vor Corona erreicht. „Alleine für die Mehrwertsteuer von 19 Prozent müssten wir unsere Preise um zwölf Prozent erhöhen und dann ist immer noch nicht mehr verdient“, klagt Theresa Albrecht. „Schon jetzt merken wir, dass sich die Gästestruktur ändert. Es kommen kaum noch einheimische Familien ins Restaurant.“ Wenn die Preise nun noch weiter steigen, sei das „nicht mehr lebenswert“.