Kommentar

Jerwa-Konzept lebt weiter

von Redaktion

Die Jerwa-Station in Vogtareuth ist Geschichte, ihr Konzept Zukunft. Das ist der Verdienst von Menschen mit schweren Mehrfachbehinderungen, ihren Familien, Ärzten und Therapeuten.

Sie haben sich – stellvertretend für Millionen Betroffene in Deutschland – für ein einzigartiges Versorgungsmodell stark gemacht. Unbeeindruckt von der Arroganz privater Konzerne haben sie eines unmissverständlich klargemacht: Die Jerwa war kein Luxus, sondern ein Leuchtturm. Und Leuchttürme schaltet man nicht ab, ohne neue Orientierung zu schaffen.

Die Beratung im Gesundheitsausschuss des Landtages war mehr als eine Pflichtübung. Selten wurde parteiübergreifend so deutlich anerkannt, wie gravierend die Versorgungslücke für erwachsene Menschen mit Behinderung ist – und wie existenziell ihre Folgen sind. Familien, Patienten und Fachkräfte kamen mit der Hoffnung nach München, dass Politik mehr sein kann als Paragrafenreiterei.

Und sie wurden nicht enttäuscht: Der einstimmige Beschluss, die Jerwa als konzeptionelle Grundlage für die künftige medizinische Versorgung zu nutzen, ist ein klares politisches Versprechen.

Die Jerwa ist geschlossen. Doch ihre Gemeinschaft hat erreicht, was nur wenigen Initiativen gelingt: Sie hat ein strukturelles Versagen sichtbar gemacht – und den Weg bereitet, damit aus dem Jerwa-Konzept konkrete Strukturen und neue Versorgungsangebote entstehen.

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