Rosenheim – Der Biber, das ewige Streitthema. Während die einen sich für die Nager in der Region einsetzen, sind die anderen genervt vom Schaden, den sie anrichten. Und das Problem ist auch im Landkreis Rosenheim nicht neu. Da dieser zu den Regionen mit dem höchsten Bibervorkommen in Oberbayern zählt, ist der Biber hier schon fast Dauerthema. Auch in der Politik. Denn dort soll man sich schließlich um die Biber-Problematik kümmern.
Als Kümmerer stellen sich auf den sozialen Netzwerken unter anderem die Rosenheimer Kreisräte Sepp Hofer und Sepp Lausch (Freie Wähler) dar. In einem Instagram-Video erklärten die beiden Politiker, dass es nicht so weit kommen dürfe, dass die Biber mit den Schwimmern in den Badeseen der Region um die Wette schwimmen. Um das zu verhindern, habe der Landkreis Garmisch-Partenkirchen gehandelt, wie die beiden in ihrem Clip loben. „Der Landrat von Garmisch hat durchgegriffen“, erklärt Hofer. „Die haben jetzt eine professionelle Biberberaterin angestellt, und seitdem läuft es bei denen.“
Das Bibermanagement ist
eine staatliche Aufgabe
Dasselbe hätten die Freien Wähler auch im Kreistag beantragt. „Uns ist es halt nicht genehmigt worden“, sagt Lausch. Doch lassen Sepp Hofer und Sepp Lausch in ihrem Clip einen wichtigen Punkt aus. Nämlich den Grund, warum der Antrag für eine Biberberaterin abgelehnt wurde. Diesen Grund liefert Landrat Otto Lederer (CSU) selbst nach – ebenfalls in einem Video auf Instagram.
Darin erklärt Lederer, dass es für die Ablehnung des Antrags einen simplen Grund gibt. Denn das Bibermanagement sei eine staatliche Aufgabe. Heißt: Der Staat sollte dafür auch staatliches Personal zur Verfügung stellen und dafür bezahlen. „Aber das ist leider nicht immer so der Fall“, erklärt Lederer. Der Freistaat gebe zwar gerne Aufgaben an die Landratsämter ab – aber nicht unbedingt das nötige Personal dafür. Derzeit könne man sich im Landkreis aber keinen Bibermanager leisten.
Die finanzielle Situation sei einer der Hauptgründe gewesen, warum man den Antrag der Freien Wähler in der vergangenen Legislaturperiode abgelehnt habe. „Wir san der Meinung: Wer oschafft, der soi a zoin“, fasst der Landrat es auf gut Bairisch zusammen. Der Antrag habe beinhaltet, die staatliche Stelle mit kommunalen Geldern zu finanzieren. Angesichts der Forderungen, die die Kommunen bezüglich der Finanzen an die bayerische und die Bundesregierung stellen, sei dies eher kontraproduktiv.
Lausch: „Das hat
schon Hand und Fuß“
Sinnvoller wäre es Lederer zufolge gewesen, den Antrag nicht im Kreistag zu stellen, sondern im bayerischen Landtag. „Dann hätte der Landtag den Umweltminister Thorsten Glauber beauftragen können, dass er für die Landratsämter hauptamtliche Biberberater zur Verfügung stellt. Das hätte einen Win-Win-Effekt gehabt“, erklärt Lederer. Das wäre nicht nur gut für das Bibermanagement gewesen, sondern auch für die Kommunalfinanzen.
Sepp Lausch ist nicht nur Mitglied im Kreistag, sondern auch Abgeordneter im Landtag. Er hätte also die Möglichkeit gehabt, den Antrag dort einzubringen. Auf OVB-Anfrage, warum er dies nicht getan hat, schildert Lausch die Sache mit den Finanzen noch einmal anders. „Dieses Video ist nur die halbe Wahrheit“, betont er. „Als beim MVV-Beitritt die Rosenheimer Verkehrsgesellschaft aufgelöst wurde, haben wir vorgeschlagen, diese Mittel auf einen hauptamtlichen Bibermanager umzuswitchen.“
Zudem habe man vom bayerischen Umweltministerium die Antwort erhalten, dass sogenannte Finanzausgleichsmittel für den Bibermanager genutzt werden könnten. Im Anschluss habe man vorgeschlagen, den Moorberater durch einen Bibermanager zu ersetzen. „Wir Freien Wähler fordern nicht einfach ins Blaue hinein“, sagt Lausch. „Das hat schon Hand und Fuß.“
Aber auch diesen Schilderungen Lauschs hat Lederer etwas entgegenzusetzen. Ein wesentlicher Grund der Ablehnung des Antrags im Jahr 2024 sei gewesen, dass der Finanzierungsvorschlag nicht tragfähig gewesen wäre. „Das wurde damals auch von Herrn Lausch selbst eingeräumt“, macht Lederer deutlich. „Die angeblich frei werdenden Mittel aus der Auflösung der RoVG standen nämlich nicht zusätzlich zur Verfügung, sondern waren auch weiterhin für den ÖPNV eingeplant – nur eben jetzt im Rahmen des MVV.“
Lederer: München soll
für Mittel sorgen
Unabhängig davon bliebe die grundsätzliche Logik bestehen, dass man die hauptamtliche Stelle für das Bibermanagement auch beim Freistaat einfordern sollte. „Der Landkreis Rosenheim übernimmt ohnehin bereits heute weit überdurchschnittlich viele Aufgaben sowohl im Bibermanagement als auch darüber hinaus“, macht der Landrat deutlich. „Wer hier mehr Personal oder Flexibilität fordert, muss deshalb vor allem in München für die entsprechenden Mittel und Voraussetzungen sorgen.“