Sicherheitskonzepte werden überprüft

von Redaktion

Nach einer mutmaßlichen Amoktat an einem Gymnasium in Schongau ist ein tatverdächtiger Jugendlicher festgenommen worden. Zwei Mädchen haben schwere Verletzungen erlitten. Der Vorfall besorgte auch die Schulen in der Region. Dort befassten sich die Verantwortlichen intensiv mit ihren Sicherheitskonzepten.

Rosenheim/Prien am Chiem see/Gars am Inn/Bad Aibling – Der Schock sitzt nach wie vor tief. Nach der mutmaßlichen Amoktat am Welfen-Gymnasium in Schongau bleibt die Verunsicherung. „Zur Tagesordnung übergehen“ wolle man nicht, sagte ein Sprecher des zuständigen Landratsamtes. Doch wie geht man an den Schulen in der Region mit der schrecklichen Nachricht aus Oberbayern um?

Cora Giese ist die Leiterin des schulinternen Kriseninterventionsteams am Gymnasium in Gars am Inn. Sie erklärte auf OVB-Anfrage, dass der Amoklauf in Schongau die Schulfamilie natürlich beschäftige. „Im Rahmen des Unterrichts wird der Vorfall altersangemessen, bedarfsgerecht und situationsabhängig thematisiert.“

Internes Team
zur Krisenintervention

Am Gymnasium habe man seit circa 20 Jahren bereits ein internes Kriseninterventionsteam, welches aktuell aus 21 Lehrkräften besteht.

„Wie an jeder anderen bayerischen Schule haben wir für einen solchen Fall ein Notfallkonzept erstellt“, erklärt Giese. „Es existiert eine Handlungsanweisung für Lehrkräfte und für andere Beschäftigte an unserer Schule, zum Beispiel für das Sekretariat.“ Das Kollegium werde regelmäßig für den Notfall sensibilisiert und geschult. Auch am Ludwig-Thoma-Gymnasium in Prien hat man sich mit dem Vorfall auseinandergesetzt. Die Lehrkräfte würden die Vorkommnisse zwar nicht von sich aus thematisieren, erklärt Schulleiter Rainer Hoff. Aber: „Die wenigen Nachfragen von Schülerinnen und Schülern, die heute gestellt wurden, wurden von den Lehrkräften aufgegriffen, Abläufe wurden erklärt und primär beruhigt.“ Eine akute Aufarbeitung sei bisher nicht notwendig gewesen. Und auch besorgte Eltern hätten sich nicht gemeldet. Dennoch existiere natürlich ein Sicherheitskonzept, in dem auch der Amok-Fall enthalten sei. Hoff erklärt aber auch: „Bauliche Sicherheitsmaßnahmen sind in unserem sehr offen gehaltenen Schulgebäude nahezu unmöglich. Manche Gebäudeteile sind nur über Freiflächen erreichbar.“ Zum Schuljahresanfang würden am Priener Gymnasium Lehrkräfte und Schüler auf die Handlungsregelungen hingewiesen und verschiedene Szenarien durchgesprochen. „Auf Anraten der Polizei und von Psychologen findet keine detaillierte Besprechung in den Klassen und auch keine Übung statt, da dies starke Ängste bei den Schülerinnen und Schülern erzeugen könnte.“

Ähnlich geht man am Ignaz-Günther-Gymnasium in Rosenheim mit der Thematik um. „Ereignisse dieser Art werden an unserer Schule nicht pauschal, sondern bei Bedarf und altersangemessen thematisiert“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Udo Segerer. „Unsere Schule ist ein bisschen bekannt für das gute Vertrauensverhältnis zwischen Lehrkräften und Schülern.“ Daher reagieren Lehrkräfte Segrerer zufolge sofort, wenn in einer Klasse Fragen aufkommen oder Gesprächsbedarf geäußert wird. Zudem stünden pädagogisches Personal, der Schulpsychologe und ältere Schüler als Tutoren als Ansprechpartner zur Verfügung.

Anfragen von Eltern habe es bisher nicht gegeben. Die Schulleitung stehe in direktem Kontakt mit den Elternvertretern und erfahre sofort, wenn es bei den Eltern Informationsbedarf gibt. Außerdem verfügt auch das Rosenheimer Gymnasium über ein professionell ausgearbeitetes Notfallkonzept, das regelmäßig geprüft und geübt werde. Ein „detailliertes Sicherheitskonzept“ gibt es auch am Gymnasium in Bad Aibling. Das werde jährlich und gegebenenfalls weiterentwickelt, betont Schulleiter Mark Lörz. „Es behandelt im Rahmen des Möglichen auch den Amokfall“, sagt er. Einige der Lehrkräfte hätten in den Ferien auch an einer entsprechenden Übung mit der Polizei im Bad Aiblinger Gymnasium teilgenommen.

Keine Ängste
schüren

Trotz des schockierenden Vorfalls hätten sich bei Lörz noch keine besorgten Eltern gemeldet. „Wir halten es nicht für sinnvoll, in den Klassen den Fokus proaktiv auf das Thema zu richten und damit möglicherweise Ängste zu schüren“, sagt der Schulleiter. Wenn Schüler das Thema aufbringen, gehen die Lehrkräfte natürlich einfühlsam und altersgemäß darauf ein, fügt er hinzu.

Artikel 9 von 11