Rosenheim – Die städtischen Toiletten-Anlagen stehen in der Kritik. Sie sind zu schmutzig, stinken und wirken abschreckend. Insbesondere die WCs am Salin-garten sind wenig einladend. Traurigerweise an einer der Haupteinkaufsstraßen von Rosenheim, die auch viele Touristen gerne besuchen. Kein guter Zustand. Doch mit einer Lösung des Problems tut sich die Stadt schwer.
Vier Anlagen direkt
in der Innenstadt
Acht öffentliche Toiletten betreibt die Stadt Rosenheim insgesamt. Vier davon liegen rund um die zentralen Einkaufswege, dazu gehört die Fußgängerzone ebenso wie die Münchener Straße, an der die WC-Anlage am Salingarten zu finden ist. All diese Toiletten seien fußläufig in maximal 300 Metern zu erreichen, teilt die Stadt mit. Das ist im Moment eines dringenden Bedürfnisses eine überwindbare Strecke. Vor Ort allerdings stellt sich dann doch hin und wieder die Frage, ob man nicht besser ein Häusl weitergehen sollte – etwa in eines der Cafés oder in eines der Kaufhäuser. Gerne gesehen wird das nicht, denn die Reinigung von Toiletten kostet Geld. Und häufig macht den Betreibern Vandalismus zu schaffen.
105000 Euro jährlich
für die Reinigung
Das weiß auch die Stadt, die ja selbst für die Sauberhaltung ihrer WC-Anlagen bezahlen muss. Rund 105000 Euro gibt sie nach eigenen Angaben jährlich für die Reinigung der acht öffentlichen Klos aus. Mit mäßigem Erfolg. Vor allem in der Innenstadt wirken die Aborte nicht besonders hygienisch. Am Salingarten etwa empfängt der beißende Uringeruch den Besucher, noch ehe er den Waschraum betreten hat. Ein Umstand, den die SPD-Stadtratsfraktion in einem Antrag an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) deutlich kritisiert und mit der Aufforderung verbunden hatte, Lösungen nicht nur für den Salingarten, sondern für alle öffentlichen Toiletten zu finden.
Das aber fällt der Stadt schwer. Es sei kaum möglich, Reinigungskräfte zu bekommen. Vor allem ganztags, was eigentlich notwendig wäre, um eine gleichmäßige Sauberkeit auch bei großem Ansturm gewährleisten zu können, teilt die Verwaltung mit. Speziell am Salingarten gebe es zudem ein Problem mit dem Klientel. Wer sich dort aufhalte, achte in der Mehrzahl nicht auf Reinlichkeit. Immerhin: Die Anlage soll im kommenden Jahr saniert werden. Im Haushalt sind dafür rund 80000 Euro vorgesehen.
Ob eine Sanierung die Situation am Park wirklich verbessert? Herbert Borrmann, CSU-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, hat daran Zweifel. Er schlägt vor, zwei Toiletten-Anlagen anzubieten. Die bisherige, für alle, die auch mit weniger Sauberkeit auskommen und lieber kein Geld ausgeben wollen. Dazu eine zweite, deren Türen sich nur mit Münze öffnen lassen – die dafür häufiger und eventuell maschinell gereinigt wird, ähnlich der Form, wie man es von Autobahnraststätten kennt. Auf diese Weise könne zwar eine Art „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ entstehen, sagte Borrmann, eine Lösung müsse aber unbedingt gefunden werden.
Verärgerter
Stadtrat
Deutlich verärgert reagierte Robert Metzger, SPD-Stadtrat und Oberbürgermeisterkandidat, auf die Einwände der Verwaltung. „Anderswo“ sei man durchaus in der Lage, anständige Toiletten anzubieten. Es sei dringend geboten, den „Verschmutzungszustand“ zu verbessern. Gemeinsam mit seinen Stadtratskollegen hatte er in dem Antrag zudem angeregt, das Haus in der Münchener Straße 4 zu nutzen, um dort im Erdgeschoss öffentliche Toiletten einzurichten. Das Gebäude gehört der Stadt und wird in Kürze saniert. Eine gute Gelegenheit, um die Planung noch einmal entsprechend zu ändern, hatte die SPD-Stadtratsfraktion in ihrem Schreiben angeregt.
Keine Aborte
in 1A-Lage
Kassierte dafür aber eine klare Absage von Oberbürgermeisterin Bauer: Das Gebäude stehe in einer 1A-Lage, sei eines der teuersten und attraktivsten Häuser in Rosenheim. „Da gibt man keinen Quadratmeter her.“ Die Stadt müsste in diesem Fall nicht nur in den Einbau investieren und den laufenden Unterhalt zahlen. Sie verlöre zugleich Mieteinnahmen, in einem Haus, dessen Lage so gut bewertet ist, dass dort mit Mieteinnahmen zu rechnen ist, die als die höchsten im Bereich der Stadt gelten.
Metzger hält zwar an seiner Idee fest, weitere Toiletten in einem städtischen Gebäude unterzubringen. Wo das sein könnte, ist in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses aber offengeblieben. Ebenso die Frage, ob es möglich ist, zusätzliches Reinigungspersonal einzustellen. Nichtsdestotrotz: In der Sache sind sich alle einig: Handlungsbedarf ist geboten. Die Abstimmung zur Sache fiel einstimmig aus.