Rosenheim – Drei bronzene Marktfrauen, deren üppige Büsten eine hohe Steinsäule aus Muschelkalk krönen, gießen am Grünen Markt aus ihren Krügen Wasser in ein flaches Beckenrund. Die drei tüchtigen Weibsgestalten, die von ihrer hohen Warte aus in drei Richtungen den Markt überblicken, symbolisieren mit Jugend, Blüte und Alter die drei Lebensalter und lassen so manchen an die keltischen Matronen denken.
Körbe voller
Obst und Gemüse
Mit ihren Körben, voll mit Früchten und Gemüse, verweisen die Drei auf das bunte Marktgeschehen hier am Ludwigsplatz. Wie ein Kapitell umzieht eine kräftig durchgebildete Relieftrommel den obersten Teil der Säule. Auch hier nimmt Wolfgang Wright, der die Brunnenanlage geschaffen hat, Bezug auf die Ortsgeschichte. Die lebendigen Szenen zeigen eine Innplätte vor Schloss Rosenheim, turbulentes Volksleben auf dem Max-Josefs-Platz mit dem Mittertor im Hintergrund und den Grünen Markt mit dem Blick auf die Nikolauskirche. Hier sind auch wieder unsere drei Marktfrauen, diesmal in ganzer Gestalt, sowie die Signatur des Bildhauers zu entdecken.
Aus einem bronzenen Maskengesicht, wie es die Künstler der Renaissance entwickelten, und das hier „Vater Inn“ symbolisiert, läuft Wasser in das sechseckige Becken, in dem die Bildsäule steht. Ursprünglich spendete hier der Brunnen Trinkwasser, doch mittlerweile ist die gesamte Brunnenanlage auf Wasser, das im ständigen Umlauf ist, umgestellt. Trinkwasser kann man bei Bedarf an einer kleinen grünen Pumpstation links am Platz holen. Da Wright den Passanten einen unmittelbaren Zugang zum Wasser bieten wollte, gestaltete er eine flache Beckenanlage zum Betreten und Planschen. Zwei Sitzpodeste laden zum Verweilen ein.
Bis am 3. Mai 2008 die Brunnenanlage feierlich durch den damaligen Zweiten Bürgermeister Anton Heindl und die beiden Pfarrer Andreas Maria Zach und Dr. Bernd Rother eingeweiht werden konnte, war es ein langer Weg, und der Oberaudorfer Bildhauer, Maler und Grafiker kam erst gegen Ende ins Spiel.
Bereits im Jahr 2000 hatte das Münchner Architekturbüro SEP Baur & Deby den Wettbewerb für die Neugestaltung des Ludwigsplatzes und der Altstadt Ost gewonnen. Von Anfang an war ein Brunnen am Grünen Markt vorgesehen, dessen künstlerische Gestaltung durch einen Wettbewerb ermittelt werden sollte. Als die Platzgestaltung voranschritt, wurden Ende März 2006 zehn Künstler zum Brunnen-Wettbewerb eingeladen. Wright gehörte da noch nicht dazu. Eigentlich verwunderlich, da der Bildhauer bereits ab 1995 mit seinen kraftvoll-realistischen Brunnenanlagen wie in Flintsbach am Inn, Bad Endorf, Rohrdorf, Oberaudorf oder Holzkirchen, an denen sich fantasievolle Figuren tummeln und gerne kleine Szenen dargestellt werden, bekannt wurde.
Ende Juni 2006 stand das Ergebnis fest. Die Künstlergemeinschaft H + T Stegmayer aus Kiefersfelden konnte mit ihrem witzig-ironischen Entwurf eines Kaskadenbrunnens mit drei riesigen übereinander gestapelten Tassen mit Untertassen aus strahlend weißem Carrara-Marmor die Jury überzeugen. Die Kunsthistorikern Dr. Hannah Stegmayer und ihr Ehemann, der Bildhauer Toni Stegmayer, hatten mit ihrem Tassenstapel das Thema Gastronomie, die in der Altstadt reichlich vertreten ist, aufgegriffen.
Unbehagen nach
der Juryentscheidung
Doch kurz nach der Juryentscheidung machte sich Unbehagen breit. Der minimalistische Konzeptentwurf der Stegmayers überzeugte nicht voll. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer fasste die Kritik mit den Worten zusammen, man könne sich den Brunnen an vielen Stellen vorstellen, eben nur nicht am Ludwigsplatz. Man wünschte sich einen Brunnen, der mehr Bezug zur Ortsgeschichte aufweisen konnte und sich harmonisch in die Größe des Grünen Marktes einfügen sollte.
Eingeladen zur zweiten Wettbewerbsrunde wurden nun die Sieger der ersten Runde. Neu hinzu kamen, aus einer ganzen Reihe von mittlerweile ebenfalls diskutierten Künstlern, der Nußdorfer Glaskünstler Florian Lechner und der letztendliche Sieger Wright. Ende November 2006 vergab die Jury zwei erste Preise für die Entwürfe von Ute Lechner & Hans Thurner sowie Oscar Estepan-Marin und zwei dritte Preise für Florian Lechner und Wolfgang Wright. Das frühere Siegerduo Stegmayer hatte sich an der zweiten Runde nicht mehr beteiligt.
Obwohl die Jury nicht ganz überzeugt war, war es genau dieser Brunnen von Wright, der mit seiner barocken Erzählfreude die Unterstützung der Anlieger Georg Reindl und Anton Heindl sowie des CSU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat Herbert Borrmann gefunden hatte. Da zudem die Sponsoren nur den Wright-Brunnen finanzieren wollten, entschied der Stadtrat, dass der Marktfrauenbrunnen realisiert werden solle. Für die Ausführung musste Wright die Proportionen noch etwas anpassen und die Zahl der Sitzbänke von drei auf zwei reduzieren.
Die Kosten für die Brunnenanlage fielen dann deutlich höher aus, als die zuerst veranschlagten 50000 Euro. Durch die Sitzanlage und die notwendige Wasseraufbereitung ergaben sich letztendlich 215000 Euro, von denen die Sponsoren 60000 Euro übernahmen. 70000 Euro kamen aus staatlichen Städtebauförderungsmitteln.
Künstler kann
mit der Kritik leben
Vergangenen Winter musste der oberste Teil mit den drei Marktfrauen abgebaut werden. Wright reinigte und entkalkte das Innere in seinem Oberaudorfer Atelier. Jetzt sprudelt das Wasser wieder kräftig. Der Künstler kann damit leben, dass sein Brunnen nicht jedem gefällt. Immerhin wurde der Marktfrauenbrunnen zum lebendigen Mittelpunkt eines städtebaulich deutlich aufgewerteten Grünen Marktes.