„Die Gemeinschaft ist da“: Trachtenverein plagen Nachwuchssorgen
Vorsitzender Richard Teichner hat große Pläne für die Zukunft. Fotos Schlecker/re
„Alt Rosenheim“ will sich nicht unterkriegen lassen und setzt auf viele Maßnahmen rund um die Mitgliederwerbung
Rosenheim – Den Trachtenvereinen in der Stadt fehlt der Nachwuchs. Davon unterkriegen lassen will sich Richard Teichner, Vorsitzender des Trachtenvereins „Alt Rosenheim“ nicht. Er setzt auf zahlreiche Angebote, Öffentlichkeitsarbeit und die sozialen Medien.
Das Platteln ist Richard Teichner schon einmal leichter gefallen. „Die Meisten hören mit 40 auf“, sagt er. Er selbst ist 61, verrät er, während er sich erst auf die Schuhsohle und anschließend auf den Schenkel klopft. Schon als kleiner Bub habe er mit dem Schuhplatteln begonnen. „Je früher man anfängt, umso leichter fällt einem die Koordination“, ist er sich sicher.
Doch immer weniger Kinder wollen ihre Freizeit mit Plattlerkursen verbringen. „In der Stadt gibt es ein Überangebot. Da müssen die Eltern entscheiden, worauf die Kinder ihre Zeit verwenden“, sagt der Vorsitzende. Oft falle die Wahl eher auf Fußball und Leichtathletik als auf Trachtenjacke und Lederhose. „Wir haben schon seit 20 Jahren Nachwuchssorgen, aber durch Corona hat sich das noch mal alles verschärft“, sagt Teichner. Im Moment zählt der Verein 195 Mitglieder. Gerade einmal zehn Prozent sind unter 20 Jahre alt. Zwar würden immer mehr junge Leute Tracht tragen, den Schritt, sich im Verein anzumelden, gehen aber nur die wenigsten. Geht es nach Richard Teichner, soll sich das in Zukunft ändern. Gemeinsam mit seiner Vorstandschaft will er den Verein noch bekannter machen. Auch wenn die Pandemie einiges erschwert habe. Doch langsam nimmt das Vereinsleben wieder Fahrt auf. So hat beispielsweise erst kürzlich der Feierabend-Plattlerkurs stattgefunden. „Da haben zwischen 40 und 50 Leute zugeschaut. Ich war angenehm überrascht“, sagt Teichner. Er hofft darauf, dass auch die anderen Angebote – wie der Plattlerkurs für Quereinsteiger, der Goaßlschnalzerkurs oder der „Boarisch Tanzen“-Kurs – so gut angenommen werden. „Mundpropaganda ist unheimlich wichtig. Die Leute müssen unsere Gemeinschaft einfach miterleben“, sagt er. Damit man sich nicht nur auf Mundpropaganda verlassen muss, ist der Trachtenverein seit einiger Zeit auch auf Facebook und Instagram zu finden.
Und auch sonst hat der Verein etliches zu bieten. So müssen Jugendliche unter 18 Jahren keinen Mitgliedsbeitrag zahlen. Zudem stellt der Verein Kindern die Trachten zur Verfügung, um „die Familien finanziell zu entlasten“. Teichner hofft jetzt darauf, dass auch der Trachtenverein „Alt Rosenheim“ Unterstützung bekommt. „Durch die Pandemie müssen wir jetzt einiges neu aufbauen“, sagt er.
Aufgeben kommt für Teichner jedenfalls nicht in Frage – weder beim Platteln noch beim Verein.
Ein Verein mit Humor: Das Banner des Trachtenvereins.