Der Vogel hat Land gefunden

Sind zum Einschenken bereit: Thomas Jonas (links) und Matthias Thurner. Foto Schlecker

Sind zum Einschenken bereit: Thomas Jonas (links) und Matthias Thurner. Foto Schlecker

Die Rosenheimer Jazzbar „Le Pirate“ feiert am heutigen Samstag Neueröffnung

Von Kilian Schroeder

Rosenheim – Die Piraten hätten früher, wenn sie auf hoher See waren, manchmal Vögel fliegen lassen, erzählt Matthias Thurner. Wenn der Vogel dann nicht wieder gekommen sei, sei das ein Zeichen gewesen, dass er Land gefunden hätte – und die Piraten segelten hinterher. Auch Matthias Thurner und Thomas Jonas haben Land gefunden, mit der Rosenheimer Jazzbar „Le Pirate“. Vor einem Jahr war noch nicht einmal klar, ob der Kultclub die Pandemie überleben würde. Jetzt steht am kommenden Samstag die offizielle Neueröffnung an – mit einer neuen Bar.

Freie Sicht statt
exotische Masken

Denn im „Le Pirate“ sieht einiges anders aus. Wo zuvor Ampelmännchen oder exotische Masken in den Fenstern standen, ist jetzt freie Sicht. Tische und Stühle sind neu, ebenso die Theke – die Oberflächen sind mit einer speziellen Technik geflammt worden. Die Wände, die einmal weiß waren, glitzern jetzt im „Piratengold“ oder tragen ein dunkles Grau. Hinter der Bar stehen die Gläser in einem beleuchteten Regal, sogar auf der Karte gibt es neue Gin-Tonic-Variationen oder Weine. Alles riecht ein wenig nach Aufbruch.

„Wir haben ein bisschen Ballast abgeworfen, der sich über die Jahre angesammelt hatte“, sagt Thurner. Zeitgemäßer solle die Bar werden, auch reduzierter. „Es sieht nicht mehr so bisschen wie ein Trödelladen aus, als in den Fenstern viel rumgestanden ist.“ Trotzdem wollten sie den Charakter der Jazzbar erhalten: Bilder aus den über 50 Jahren, in denen Jazzkonzerte hier waren, hängen an den Wänden. „Sowas ist natürlich eine Gratwanderung. Die alte Idee und die Atmosphäre sollen weiterleben, aber gleichzeitig soll es zeitgemäß werden“, sagt Thurner. „Ich glaube, wir haben das geschafft.“ Dass das „Le Pirate“ überhaupt und dazu in einem neuen Gewand wieder aufmachen kann, ist zu einem Teil sein Verdienst. Während der Lockdowns konnte der Wirt des „Le Pirate“, Thomas Jonas, die Miete nicht zahlen. Das Überleben der Bar stand auf der Kippe. Thurner war währenddessen auf der Suche nach einem Büro für sein Unternehmen, in dem er Start-ups unterstützt. Weil er bereits im Förderverein war, kam er auf die Idee, sein Büro im „Le Pirate“ einzurichten – und am Wochenende die Gäste zu bedienen. Er übernahm die Pacht und investierte einen fünfstelligen Betrag in die Renovierung

„Ich habe Bars schon immer gemocht, war schon immer kulturell engagiert“, sagt Thurner. Das „Le Pirate“ sei die perfekte Kombination gewesen. Die Renovierung war seine Idee, auf die aber sowohl Jonas, als auch der Förderverein schnell angesprungen seien. „Natürlich waren manche zuerst skeptisch, aber jetzt sind alle total begeistert. Auch die Musiker loben die Akustik im Raum.“ Dazu gibt es mit www.lepirate.bar eine neue Website, die nicht mehr über den Förderverein läuft.

Und auch die Gäste würden immer mehr werden – darunter auch viele junge Menschen, die sonst selten in Jazzbars gingen. Sogar am Montagabend, denn das „Le Pirate“ hat jetzt sieben Tage die Woche offen. Montags gibt es sogenannte „Boogie-Nights“, besondere Vinylsessions, mittwochs und samstags sollen Konzerte stattfinden. Am Wochenende steht Thurner hinter der Bar, unter der Woche übernimmt Thomas Jonas die Dienste. Dazu kommen zwei Minijobber.

„Mir macht das einfach Spaß“, sagt Jonas. „Das ist meine Leidenschaft, mein Leben lang.“ Er hatte die Bar bereits vor zwei Jahren als Wirt übernommen. Zuvor war er Küchenchef in verschiedenen Lokalen, unter anderem in der Sternegastronomie. „Ich wollte aber etwas kreatives machen, was mit Musik.“ Um auch das Angebot zu erneuern, ist er im Sommer extra nach Italien gefahren um neue Weine zu finden. „Wir wollen das ganze auflockern, das ‚Le Pirate‘ soll kein elitärer Laden sein. Es ist offen für alle, vom alten Ehepaar, dass noch die Gründung miterlebt hat, bis zu den Studenten die zum ersten Mal da sind.“ Um das zu schaffen, wollen sie mehr als nur Jazz spielen – aber nicht die aktuellen Charts, sondern handverlesene Playlists.

Duo Norain spielt
zum Auftakt

Am heutigen Samstag, bei der Wiedereröffnung, soll es um die beiden Dinge gehen, die laut Jonas und Thurner das „Le Pirate“ ausmachen: die Menschen und Livemusik. Das Duo Norain spielt, danach legen die DJs „Leonardo das Cabrio“ Jazz, R&B und „experimental house music“ auf. Auch nach den Konzerten soll Barbetrieb herrschen, sodass die Gäste vielleicht noch mit der ein oder anderen Jazz-Legende anstoßen können. Über der Bar, wo sie dann sitzen werden und hinter der Thurner, Jonas oder einer der Mitarbeiter steht, sitzt übrigens ein kleiner goldener Vogel.

Platzreservierung für die Neueröffnung

Das „Le Pirate“ feiert am heutigen Samstag, 13. November, ab 19 Uhr seine Wiedereröffnung. Es treten das Duo Norain sowie die DJs „Leonardo das Cabrio“ auf. Der Eintritt kostet 20 Euro, Zutritt ist nur für Genesene oder Geimpfte möglich. Gäste können per E-Mail unter admin@lepirate.bar oder telefonisch unter 08031/7968034 Plätze reservieren.sck

Montag, 13. Juli 2026
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