Eintrittsverbot für rund ein Drittel der Kundschaft

Nur noch Geimpfte und Genesene sollen ab kommenden Mittwoch Geschäfte jenseits der Supermärkte betreten dürfen. Foto  dpa

Nur noch Geimpfte und Genesene sollen ab kommenden Mittwoch Geschäfte jenseits der Supermärkte betreten dürfen. Foto dpa

2G für Geschäfte ab Mittwoch – Rosenheimer Händler sind auch wegen notwendiger Kontrollen über neue Regel verärgert

Rosenheim – In Bayern soll der Einzelhandel ab Mittwoch nur noch von Covid-19 Genesene und gegen Corona Geimpfte einlassen. Ausgenommen davon sind Geschäfte für Dinge des täglichen Bedarfs. Kontrollieren sollen die Händler selbst, ob die Kunden auf ihrer Fläche die 2G-Anforderungen erfüllen. Gerade von dieser Regel sind die Geschäftsleute nicht begeistert.

Wie gefälschte Nachweise erkennen?

Darunter Brigitte Wagner, Inhaberin der Buchhandlung Beer an der Rosenheimer Heilig-Geist-Straße. Wagner fragt sich, wie sie die geforderten Kontrollen umsetzen soll. Sie müsste jemanden hinstellen, der die Kunden am Eingang kontrolliert. Aber auch hier gibt es ein Problem: „Ich erkenne keinen gefälschten Impfausweis“, sagt Wagner. Sie wird wohl auf ein altbewährtes Konzept während des Lockdowns im Frühjahr zurückgreifen. Kunden, die Bücher bestellt haben, können diese an der Ladentür abholen, wo sie ein Mitarbeiter aushändigt. Nur noch mit dem Kopf schütteln ob der neuen Corona-Regeln kann Paul Adlmaier. Der Modehändler sieht in den geplanten Regeln ein Versagen der Politik, die den Einzelhandel nun als Gesundheitspolizei verpflichten will. Er spricht von einer „Hau-Ruck-Aktion“. „Man merkt, dass es kein Konzept gibt.“ Die Virologen hätten schon im Sommer vor einer vierten Welle gewarnt. Ein Fingerzeig, der von allen Seiten völlig ignoriert worden sei. „Hier müssen wir uns aber auch an die eigene Nase fassen“, findet er. Man sei schließlich corona-müde gewesen und habe die ersten Lockerungen nicht abwarten können. Zwar sei die 2G-Regelung allemal besser, als komplett schließen zu müssen, aber mit Blick auf die Impfquote in Stadt und Landkreis Rosenheim sieht er rund ein Drittel der Kundschaft außen vor, die noch nicht vollständig immunisiert ist. Auch er muss wohl jemanden von seinem Personal abstellen, um die neue Regel auch zu kontrollieren. „Da reißt sich kein Mensch drum“, sagt Adlmaier. Denn zum einen hält er die Kontrolle des Impfstatus‘ für einen Eingriff in die Privatsphäre, zum anderen müsse man nicht ausreichend immunisierte Kunden schlimmstenfalls „mit einer gewissen Deutlichkeit“ abweisen. Das Problem: „Wir sind ja kein Sicherheitsdienst, wir führen ein Geschäft.“

Auch Maria Reiter, Inhaberin der Boutique Beo am Rosenheimer Max-Josefs-Platz und Ortsvorsitzende des Handelsverbands Bayern (HBE), ist noch nicht ganz klar, wie sie die Kontrollen umsetzen kann. Sicher ist sie sich, dass zumindest Händler mit größeren Verkaufsflächen dies nicht ohne zusätzliches Sicherheitspersonal bewältigen können. Über die Details will sie sich gemeinsam mit dem City-Management und dem Ordnungsamt Rosenheim noch einmal ins Benehmen setzen. Reiter teilt die Auffassung Paul Adlmaiers, dass der Handel kein Pandemietreiber war. Die HBE-Ortsvorsitzende klagt, dass schon mit der Verhängung des jüngsten Lockdowns bei Kunden der Eindruck entstanden sei, auch die Geschäfte hätten geschlossen. Und Reiter befürchtet, dass die neuen Regeln dem Versandhandel noch mehr zu Lasten des stationären Einzelhandels in die Karten spielen.

Verwirrung und Ungerechtigkeiten

„Für den Handel ist das eine Katastrophe“, kommentiert der Vorsitzende des Rosenheimer City-Managements, Rainer Pastätter, die neuesten Corona-Beschränkungen im Einzelhandel. Er verweist auf die Personenbegrenzung pro Quadratmeter Fläche im Handel. Diese hätte man durchaus noch verschärfen können, bevor man eine 2G-Begrenzung einführt. „Hier noch mal derart nachzuschärfen, halte ich für kontraproduktiv“, findet Pastätter. Und er prophezeit, die neuen Regeln werden wohl wieder für Verwirrung und auch Ungerechtigkeiten sorgen. Denn, was unter den Begriff „täglichen Bedarfs“ fällt, ist noch nicht fest definiert. Während der Schließungen im Frühjahr ärgerten sich Fachhändler, wenn unter anderem Drogeriemärkte als Geschäfte mit Waren für den täglichen Bedarfs öffnen durften und in deren Sortiment mitunter auch Elektroartikel und Spielwaren zu finden waren. So oder so hält Pastätter das Anziehen der Daumenschrauben in Sachen Corona beim Einzelhandel für verfehlt. Der Handel habe bewiesen, dass die Verkaufsflächen keine Hotspots bildeten. Die Wahrscheinlichkeit, sich mit dem Coronavirus beispielsweise im öffentlichen Nahverkehr zu infizieren, sei deutlich größer. Der Vorstand des Rosenheimer City-Managements wolle nun in den nächsten Tagen beraten, wie der Verein seinen Mitgliedern in der neuerlichen Situation helfen kann. Jens Kirschner

Samstag, 11. Juli 2026
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie das OVB ePaper in Top-Qualität und testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos und unverbindlich.