Von Kindern nur Gutes zu berichten

Seit über 60 Jahren als Nikolaus im Dienst: der Aisinger Franz Knarr.Foto Wunsam

Seit über 60 Jahren als Nikolaus im Dienst: der Aisinger Franz Knarr.Foto Wunsam

Der Aisinger Franz Knarr schlüpft seit mehr als 60 Jahren in die Rolle des Nikolaus

von Karin Wunsam

Rosenheim – Franz Knarr wird am heutigen Abend wieder von vielen Kindern mit Spannung erwartet. Denn der Rosenheimer schlüpft dann wieder in die Rolle des Nikolauses – und das bereits seit über 60 Jahren. In einigen Familien hat er drei Generationen gelobt oder getadelt und dabei manchmal Kurioses erlebt.

Nikolaus-Premiere
als Lehrling

„Von drauß‘ vom Walde komm ich her. Ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr“ – mit diesem bekannten Gedicht von Theodor Storm beginnt meist der Auftritt von Franz Knarr. Danach fragt der erfahrene Nikolaus die Kinder, ob sie schon einen Brief an das Christkind gemalt und geschrieben haben. „Damit ist dann meistens das Eis gebrochen, und es entsteht ein Dialog zwischen dem Kind und dem heiligen Nikolaus“, erzählt der 76-Jährige.

Im Alter von 17 Jahren wurde Franz Knarr zum ersten Mal zum Nikolaus. Damals war er Lehrling, und sein Chef suchte einen Ersatz für den Postboten, der normalerweise bei ihm daheim den heiligen Mann mimte. „Für mich war das kein Problem, denn als Theaterspieler war ich es ja gewohnt, vor Publikum eine Rolle zu spielen“, erinnert sich der Aisinger. Tatsächlich hat ihm dieser erste Einsatz als Nikolaus so gut gefallen, dass er diesen Dienst seitdem jedes Jahr mit Begeisterung ausübt. In den Anfangsjahren hatte er immer noch einen Krampus mit dabei. „Diese Rolle übernahmen immer meine Freundinnen“, schmunzelt er. Den letzten Krampus hat er dann geheiratet. Seine Frau Elisabeth begleitet ihn auch heute noch zu seinen Einsätzen – aber nur noch als Chauffeurin.

Auf den Dienst des Krampus‘ hat Franz Knarr nämlich irgendwann verzichtet. „Ich habe festgestellt, dass sich die Kinder gar nicht richtig auf das konzentrieren konnten, was ich ihnen zu sagen habe, solange diese finstere Gestalt mit im Raum war“, erzählt er.

Verändert hat sich im Laufe der Zeit auch noch anderes, beispielsweise die Rolle der Väter: „Früher nahmen die von mir überhaupt keine Notiz. Wenn ich am Abend kam, saßen sie gebannt vor dem Fernseher. Die interessierte mein Auftritt überhaupt nicht. Das war ausschließlich die Aufgabe der Mütter.“

Väter vor
dem Fernseher

Ein Besuch aus dieser Zeit ist Franz Knarr besonders gut in Erinnerung geblieben: „Die Mutter steckte mir wie üblich einen Zettel zu mit den Dingen, die ich sagen sollte. Darunter auch, dass ihr Ehemann eine Freundin hat und ich das sagen soll.“

Nikolaus Franz Knarr überlegte, wie er diesen Punkt ansprechen konnte, ohne die Kinder darauf aufmerksam zu machen. „Die Mutter stand während meines gesamten Besuchs etwas verängstigt in der Ecke. Nachdem mein Auftritt vor den Kindern beendet war, machte ich mich zum Aufbruch fertig und tat so, als wäre mir gerade noch etwas eingefallen. Dann sagte ich zu dem Vater, so einem richtigen Macho, dass ich von ihm auch einige sehr dunkle Zeilen gefunden habe und er mal darüber nachdenken sollte, um was es sich dabei handeln könnte.“

Eine nette Episode gab es mit Knarrs Neffen Markus. In dessen Kindergarten brauchte man auf die Schnelle einen Nikolaus-Ersatz. Knarr hatte Zeit und sprang kurzerhand vormittags ein. Der kleine Markus erlebte an diesem Tag aber abends noch einmal den Besuch daheim. Sein Fazit: „Mama, das war der echte heilige Nikolaus, denn am Vormittag war der gleiche auch bei uns im Kindergarten.“

Omas wollen mitreden

Heutzutage wird der Besuch des Nikolauses oft zum großen Familienfest. Mit den Erwachsenen hat es der heilige Mann dann manchmal nicht einfach. „Vor allem die Omas wollen oft ein Wörtchen mitreden, bei dem, was die Enkel noch besser machen können. Die ermahne ich dann natürlich zur Ruhe“, lacht der erfahrene Nikolaus.

Von den Kindern dagegen weiß Franz Knarr nur Gutes zu berichten. Viele zeichnen ihm in seiner Rolle des Bischofs von Myra ein Bild. Einige schenken ihm sogar eine Kleinigkeit: „Vor einigen Jahren hat mir ein Bub einen kleinen Plastik-Dino mitgegeben. Seine Mama hat gemeint, da kann ich mir wirklich etwas darauf einbilden.“

Fast alle Kinder empfangen den Nikolaus mit einer kleinen musikalischen Einlage oder einem Gedicht. Und auch Franz Knarr bereitet sich auf alle seine Besuche immer gut vor: „Das ist wie bei einem Theater, es muss eine Einleitung und einen roten Faden geben“, meint der 76-Jährige.

In Corona-Zeiten ist vieles nicht so wie gewohnt. Besuche im Haus sind heuer ein weiteres Mal nicht möglich. Darum wird er heute erneut in Gärten, auf Vorplätzen oder manchmal auch an irgendeiner schönen Stelle in der freien Natur von den Familien empfangen. „Das ist dann sogar für alle Beteiligten ein besonders schönes, unvergessliches Erlebnis.“

Nikolaus 2021 – Diese Regeln empfehlen die Gesundheitsämter

Öffentliche Auftritte des Nikolauses sind heuer tabu, wie das Landratsamt Rosenheim in einer Pressemitteilung schildert. Die aktuelle Fassung der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung stehe dem entgegen. Ganz entfallen muss der Besuch des heiligen Mannes jedoch nicht. Hierfür empfiehlt das Gesundheitsamt folgende Regeln einzuhalten: Hausbesuche des Nikolauses sollten ausschließlich auf privater Ebene erfolgen unter Einhaltung der geltenden Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte (zwei Hausstände mit maximal fünf Personen). Die Anzahl der Begleiter des Nikolauses sollte sich auf maximal drei beschränken. Die Gruppen sollten sich freiwillig auf das 2G-plus-Konzept verpflichten, Personen mit Covid-typischen Symptomen sollten von einer Teilnahme absehen. Die Besuche sollten ausschließlich im Freien stattfinden, hierbei ein Mindestabstand von eineinhalb Metern gewahrt werden. Auch im privaten Bereich sollten Ansammlungen größerer Menschenmengen vermieden werden.

Samstag, 11. Juli 2026
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