Den Jägern der Nacht auf der Spur

von Redaktion

Europäische Fledermausnacht Stadt bietet am heutigen Samstag Spaziergang an

Rosenheim – Im Rahmen der europäischen Fledermausnacht bietet das Umwelt- und Grünflächenamt am heutigen Samstag einen Spaziergang zur Fledermausbeobachtung an. Vorab verrät Fledermausberaterin Barbara Heerdt, was die fliegenden Säuger so besonders macht und warum die Tiere rein gar nichts mit Vampiren gemeinsam haben.

Die Fledermäuse haben es Barbara Heerdt angetan: „Es sind die einzigen flugfähigen Säugetiere“, schwärmt sie. Heerdt ist in der Stadt Rosenheim für den gesamten Natur- und Artenschutz zuständig. „Aufgrund meines Berufs hatte ich schon immer mit Fledermäusen zu tun“, sagt sie.

Nichts mit
Vampiren gemeinsam

Um die Tiere noch besser zu verstehen, hat sie im vergangenen Jahr zudem zwei Schulungen zur Fledermausberaterin absolviert. Während dieser sei ihr Interesse für die Tiere immer mehr geweckt worden. „Sie haben nichts mit dem historisch bedingten Bild der blutsaugenden Vampire gemeinsam“, sagt Heerdt. Im Gegenteil. Fledermäuse sind ihrer Meinung nach nette Tiere, an die man durchaus nah herantreten könne und die einem keinesfalls – anders als Gerüchten zufolge – in die Haare flögen. Gefragt ist Barbara Heerdt in der Stadt vor allem dann, wenn es um Bauvorhaben oder Sanierungen geht – beispielsweise als die B15 neu geplant wurde oder die Sanierung der Kirche in Westerndorf. „Unser Ziel ist es, dass die Quartiere der Fledermäuse erhalten bleiben“, sagt Heerdt. Um das zu gewährleisten, fordern sie und ihre Kollegen Gutachten an. Ziel sei, dass die Tiere bei den Baumaßnahmen nicht verletzt, ihre Quartiere nicht zerstört werden und die insektenreichen Jagdgebiete erhalten bleiben. Zudem darf dann nicht gebaut werden, wenn die Tiere Winterruhe halten oder während der Aufzucht ihrer Jungen. „Wir versuchen dann, gemeinsam mit dem Bauträger eine Lösung zu finden“, sagt Heerdt. Manchmal gelinge es, Ersatzquartiere – wie beispielsweise Fledermauskästen – bereitzustellen.

Es sind Dinge, über die Barbara Heerdt die Teilnehmer auch während des für Samstagabend geplanten Spaziergangs berichten will. Geplant seien Informationen zur Lebensweise, zu Bedrohungen und Schutzmöglichkeiten für die heimischen Fledermausarten. Außerdem gibt sie Tipps, wie Fledermäuse auch im heimischen Garten angelockt werden können. „Pflanzen im Garten zu haben, die nachtaktive Insekten anziehen, ist eine Möglichkeit“, verrät sie. Denn die Tiere benötigen aufgrund des Insektensterbens jede Hilfe.

Doch es ist nicht nur das Insektensterben, das eine Bedrohung für die Fledermäuse darstellt, auch Verkehr mit hoher Geschwindigkeit sowie der Einsatz von giftiger Holzschutzmittel schadet den Tieren. Der Naturschutz Deutschland rät auf seiner Internetseite deshalb dazu, bei einer geplanten Haussanierung einen Gutachter hinzuzuziehen, wenn es Kenntnis darüber gibt, dass Fledermäuse zur „Untermiete“ wohnen.

Die Sprache
der Tiere verstehen

Um die Echo-Ortungsrufe der Fledermäuse hörbar zu machen, bietet Barbara Heerdt während des Spaziergangs zudem die Möglichkeit, mit einem Detektor die Laute zu verfolgen und die Fledermausrufe hörbar zu machen. Treffpunkt um 20 Uhr ist die Brücke zwischen Mühlbachbogen und Färberstraße. „Dort habe ich in den vergangenen Wochen immer wieder eine Wasserfledermaus beobachtet“, sagt Heerdt. Anschließend geht der Spaziergang weiter in Richtung Mangfallpark Nord. Dort befindet sich, aufgrund der Nähe zu Mühlbach, Mangfall und Inn, ein beliebtes Jagdhabitat für verschiedene Fledermausarten.

Mithilfe des Spaziergangs hofft die Fledermausberaterin, einen Einblick in das Leben der fliegenden Säugetiere zu geben – und vielleicht den ein oder anderen Teilnehmer mit ihrer Faszination anzustecken.

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