Ehrenamt in der Großküche

von Redaktion

Technisches Hilfswerk Rosenheim sucht freiwillige Hobbyköche – 30 bis 40 Einsätze pro Jahr

Rosenheim – Karl Heinz Tautz ist einer von drei Köchen und insgesamt zehn ehrenamtlichen Helfern des Küchenteams des Rosenheimer THW. Vor rund zweieinhalb Jahren ist er recht zufällig zu seinem Ehrenamt gekommen. Damals suchten die Freiwilligen Einsatzkräfte händeringend nach neuen Köchen, und Tautz meldete sich auf ihren Aufruf über die OVB-Heimatzeitungen. Seither hat sich die Lage beim THW-Köcheteam etwas entspannt, ein paar zusätzliche helfende Hände könnten die Freiwilligen dennoch gut gebrauchen, weiß der Hobbykoch.

Verpflegung von
Einsatzkräften

30 bis 40 Einsätze pro Jahr hat er als Freiwilliger in der Küche des THW. Gemeinsam mit seinen Kollegen bekocht er regelmäßig die THW-Truppe bei Einsätzen, Übungen oder Lehrgängen. Kollegen, die schon länger in der Küche mitanpacken, verpflegten etwa die Einsatzkräfte beim Zugunglück von Bad Aibling vor zehn Jahren oder halfen bei manchem Hochwasserereignis freiwillig im Küchendienst.

„Wir alle sind keine professionellen Köche, kochen aber liebend gerne in unserer Freizeit und haben Spaß an Geselligkeit und Gemeinschaft”, so Tautz, der das lustige Miteinander mit seinen freiwilligen Kollegen zwischen Schneidebrettern und Bratpfannen besonders schätzt. Er selbst hat sich für das Ehrenamt in der Küche entschieden, um die gewonnene Zeit im Ruhestand mit einer sinnstiftenden Tätigkeit zu füllen.

„Früher habe ich im Ehrenamt Einsätze für das Rote Kreuz mitgemacht und war oft selbst mit dem Rettungswagen unterwegs”, berichtet der Freiwillige. Darum wisse er aus eigener Erfahrung, wie viel die Freiwilligen beim THW leisten. Indem er hilft, die Einsatzkräfte zu bekochen, möchte er ihnen ein wenig Dankbarkeit für ihren Einsatz zollen. „Immerhin opfern die Freiwilligen einen großen Teil ihrer Freizeit für das Wohl der Allgemeinheit”, findet Tautz.

Bis zu 100 hungrige Ehrenamtliche bekochen Tautz und seine Kollegen bei manchem Einsatz. Regelmäßig sind sie außerdem für die Bewirtung von THW-Lehrgängen zuständig. Über vier bis sechs Tage bekochen sie dann Freiwillige, die aus ganz Bayern nach Rosenheim kommen, wo sie eine Woche intensives Training und Wissensvermittlung erwarten.

Gutes Essen für die Einsatzkräfte kochen, das ist der Anspruch, den die Köche an sich selbst haben. Darum verwenden sie ausschließlich frische und hochwertige Zutaten. „Immerhin sollen sich die Freiwilligen auch auf das Essen nach dem Einsatz freuen”, findet Hobbykoch Tautz. Vor allem bei Gulasch oder Geschnetzeltem leuchten die Augen der bekochten THWler. Aber auch vegetarische oder vegane Alternativen dürfen nie fehlen, genauso wie ein leckerer Nachtisch, so Tautz.

Für weitere kulinarische Inspiration hat das THW ein eigenes Kochbuch. Oder die Köche bringen Rezepte von zu Hause mit, um sie in der Großküche auszuprobieren. Anfangs sei es eine Herausforderung für ihn gewesen, nicht nur für Familie und Freunde zu kochen, sondern plötzlich bis zu 100 Hungrige vor sich zu haben. „Aber auch da wächst man rein”, weiß Tautz inzwischen: „Hat man sich daran gewöhnt, Portionen und Lebensmittelmengen entsprechend hochzurechnen, ist das keine große Sache mehr.“

Wie in jedem Gastronomiebetrieb müssen auch die freiwilligen THW-Köche vor Ehrenamtsantritt Schulungen und Belehrungen beim Gesundheitsamt absolvieren. Außerdem werden sie in die Grundlagen des Zivilschutzes eingeführt. Erst danach dürfen sie ihren aktiven Dienst hinter dem Herd antreten. Ähnlich ist das auch beim Rosenheimer Kreisverband des Roten Kreuzes, weiß Fachdienstleiter Thomas Bullinger. Eine Einweisung in Lebensmittelhygiene oder den Umgang mit Allergien beispielsweise ist die Grundvoraussetzung für den freiwilligen Küchendienst. Organisiert werden diese Einweisungen jeweils von BRK oder THW. Mit ihren mobilen Feldküchen können die BRK-Köche bis zu 250 Personen vor Ort bekochen. „Meistens ist es aber einfacher, das Essen in den BRK-Räumlichkeiten vorzubereiten und dann mit der Gulaschkanone zum Einsatzort zu transportieren”, erklärt Bullinger.

Fünf Personen stehen beim BRK pro Einsatz in der Küche, beim THW sind es regelmäßig zwei bis drei. Dabei „fallen die Freiwilligen nicht wie Äpfel von den Bäumen”, bedauert Fachdienstleiter Bullinger. Außerdem sei der Freiwilligendienst in der Küche bei Weitem nicht das prestigeträchtigste Ehrenamt, sind sich Bullinger und Tautz einig. Wer an THW oder BRK denkt, „dem kommen zuerst Blaulicht, Sirenen und Martinshörner in den Sinn”, vermutet THW-Koch Tautz. In der Küche ist der Alltag aber eher gefüllt mit Gemüse, das geschnitten werden will, und Tellern, die sich nach dem Essen in der Spüle stapeln.

Dennoch bereitet ihm sein Ehrenamt in der THW-Großküche unglaubliche Freude. Natürlich sei Ehrenamt auch eine Einstellungssache, findet Tautz. „Aber ich mache das einfach gerne, für mich selbst und für die Gemeinschaft in- und außerhalb des Technischen Hilfswerks.” Fest steht für ihn: Die freiwillige Arbeit in der Küche sei ein völlig unterschätztes Ehrenamt.

Menschen aller
Altersgruppen willkommen

Über ein paar neue Ehrenamtliche würden er und seine Kollegen sich darum freuen. Interessierte können sich beim Rosenheimer THW unter info@thw-rosenheim.de melden oder dienstags ab 19 Uhr direkt in der Schmettererstraße 11 beim Ortsverband vorbeikommen. Herzlich willkommen im Team seien Menschen aller Altersgruppen, die wie Tautz, etwas Gutes tun wollen und entsprechend Zeit investieren können. „Wichtig ist in erster Linie Spaß an Gemeinschaft und am Kochen, mit allem, was dazugehört.“

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