Lebensretter Rosenheimer Blutdepot

von Redaktion

Im Rosenheimer Blutdepot wird jede Blutprobe mehrfach geprüft, vom Roboterarm im Labor bis zum letzten Check am Krankenbett. Strenge Tests und verplombte Taschen sollen Sicherheit garantieren, denn eine falsche Transfusion kann tödlich sein. Im Notfall zählt jedoch jede Sekunde.

Rosenheim – In einer isolierten Labortasche kommt die wertvolle Fracht im Zentrallabor an. Verplombt, damit niemand an den Inhalt kommt. Die einzigartige Konservennummer auf dem Beutel wird eingescannt und er wandert in den Kühlschrank. Gut sortiert, denn im Notfall muss es schnell gehen. Dort wartet der Inhalt darauf, einem Menschen das Leben zu retten.

Viele Menschen kennen die Blutspendeaktionen des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Doch im Anschluss sind noch viele Schritte notwendig, bis das Blut einem Menschen transfundiert werden kann. Nach der zentralen Aufbereitung stehen viele Tests an, bis die Blutbestandteile Einsatz finden. Diese finden im Romed-Klinikum statt.

Zentrallabor in direkter
Nähe zum Schockraum

In unmittelbarer Nähe zum Schockraum des Rosenheimer Klinikums liegen das Zentrallabor und das Blutdepot. Dort lagern mehrere Dutzend Blutkonserven mit roten Blutkörperchen in einem mannshohen Kühlschrank. Sie werden für Notfälle vorgehalten. Daneben ein weiterer Kühlschrank. Um jeden der dort lagernden Beutel ist ein gelber Zettel angebracht. „Die sind schon für den Patienten reserviert“, erklärt Daniel Bofinger, Facharzt für Anästhesiologie und ärztlicher Leiter des Blutdepots. „Sämtliche Kontrollen sind da schon erfolgt.“

Am Tisch gegenüber wird ein Beutel mit einer gelblichen Flüssigkeit auf einer sogenannten Schaukel pausenlos in Bewegung gehalten. Das Konzentrat mit Blutplättchen – etwa bei Chemotherapien und größeren Operationen notwendig – ist gerade einmal fünf Tage haltbar. „Wenn man es länger als eine Stunde liegen lässt, würden die Blutplättchen verklumpen und sie verlieren ihre Funktion“, erklärt Bofinger. Dann müsste man den Beutel wegwerfen. Er hebt den Beutel kurz an, hält ihn gegen das Licht und zeigt auf kleine, silbern schimmernde Verwirbelungen. „Das ist das sogenannte Swirling – ein Qualitätsmerkmal, an dem man erkennt, dass noch nichts klumpt.“

Bis die Blutplättchen auf der Schaukel im Blutdepot landen, haben sie schon eine weite Reise hinter sich. Im Anschluss an eine Spendenaktion werden die Vollblutspenden – so nennt man das Blut mit allen seinen Bestandteilen – noch am Abend ins unterfränkische Wiesentheid gefahren. „Denn die Blutpräparate haben nur eine gewisse Haltbarkeit“, weiß Jürgen Burkhart, Institutsleiter des Blutspendedienstes des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) in München.

Die Mitarbeiter im BRK-Produktions- und Logistikzentrum filtern die weißen Blutkörperchen heraus. Dann werden rote Blutzellen, Blutplättchen und Plasma voneinander getrennt. Gleichzeitig wird das Blut auf Infektionen wie Hepatitis, HIV und Syphilis untersucht. „Wenn wir eine akute Erkrankung feststellen“, erklärt Jürgen Burkhart, „schreiben wir den Spender an und geben die Information auch an den Hausarzt weiter.“ Innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Blutspende sind alle Untersuchungen abgeschlossen und die Präparate fertig für ihren Einsatz.

Eines dieser Präparate ist das Plasma, der flüssige Anteil des Blutes. Weil es keine Zellen enthält, kann es eingefroren werden und ist bis zu drei Jahre haltbar. Es wird etwa Schwerverletzten transfundiert, um die Gerinnung wiederherzustellen und akute Blutungen zu stoppen.

Am häufigsten werden Konzentrate mit roten Blutkörperchen verabreicht. Das Romed-Klinikum in Rosenheim braucht jedes Jahr mehrere Tausend dieser Konserven. Diese transportieren den Sauerstoff aus der Lunge zu den Zellen und Kohlendioxid ab. Um die passende Konserve für einen Patienten zu finden, sind einige Arbeitsschritte notwendig.

Zuerst kommt eine Blutprobe des Patienten per Rohrpost – ein klinikumweites Transportsystem, durch das Blutproben, Medikamente oder Dokumente befördert werden – im Labor an. Wurde der Patient bereits im Romed-Klinikum behandelt, sind die Daten rund um die Blutgruppe, den Rhesusfaktor und Antigene im System gespeichert. Doch auch wenn der Mensch bereits bekannt ist, wird das Blut untersucht. „Um sicherzugehen, dass das Blut in dem Röhrchen auch wirklich von diesem Patienten ist, werden alle Kontrollen doppelt durchgeführt“, so Bofinger.

Diese Bestimmung nimmt der Blutgruppenautomat vor. Im Inneren des Geräts tropft ein Roboterarm das Blut in verschiedene Flüssigkeiten. Die Reaktionen werden fotografiert und so automatisch Blutgruppe, Rhesusfaktor und Antigene bestimmt. Eine echte Arbeitserleichterung, sagt die medizinisch-technische Laborleiterin Bianca Best aus Erfahrung. Besonders, wenn man im Nachtdienst allein ist. Ein weiterer Vorteil des Geräts: „Nachdem der Automat die Blutgruppe bestimmt hat, schlägt das Laborinformationssystem gleich eine passende Blutkonserve mit Haltbarkeit aus dem Kühlschrank vor“, erklärt Bofinger.

Für das Team des Blutdepots ist es sehr wichtig, verantwortungsvoll mit den Konserven umzugehen, erklärt der Oberarzt: „Das ist eine der höchsten Prämissen, dass wir diese wertvolle Spende, die kostenlos abgegeben wird, auch ordentlich am Patienten ankommen lassen und wir möglichst wenig Verwurf haben.“

Für die Transfusion reicht die erste Blutgruppenbestimmung nicht aus. Es folgt mit der sogenannten Kreuzprobe „eine Art Mini-Transfusion im Reagenzglas“, sagt Daniel Bofinger. Dabei werden einige Milliliter der Blutkonserve mit der Patientenprobe vermischt. „So kann man erkennen, ob der Patient auf die ausgewählte Konserve reagieren würde.“

Zeigen sich auch bei der Kreuzprobe keine Auffälligkeiten, holen Pflegekräfte die Konserve in speziellen Kühltaschen ab. Denn für die Rohrpost sind die Konserven zu empfindlich. Auf der Station erfolgt der letzte Sicherheitscheck, der sogenannte „Bedside-Check“. Dabei wird dem Patienten direkt an seinem Bett noch einmal Blut abgenommen, die Blutgruppe getestet und mit dem Transfusionsbeutel abgeglichen. Diese Vorgehensweise ist sogar gesetzlich vorgeschrieben. „Nichts ist strenger als das Transfusionsgesetz“, mahnt Bianca Best. „Aber das ist gut so.“

Falsche Transfusion
kann tödlich enden

Denn eine falsche Transfusion kann tödliche Folgen haben, weiß Daniel Bofinger. Es beginnt mit schwerem Schüttelfrost als Reaktion des Immunsystems. Wird dem Patienten dann nicht geholfen, verklumpt das Blut, verstopft die Gefäße und es kommt zum Organversagen.

Für die meisten Patienten hat das Blutdepot des Romed-Klinikums passende Konserven auf Lager. Zudem helfen sich die Romed-Häuser untereinander aus, sollte es dringenden Bedarf geben. „Damit ist die Versorgungssicherheit deutlich höher“, erklärt Bofinger. Täglich können die medizintechnischen Laborassistenten des Rosenheimer Depots bei den regionalen Blutdepots Konserven nachbestellen.

Brauchen Patienten besondere Konserven mit seltenen Antigenen, klemmt sich Bianca Best mit Nachdruck hinter den Hörer. Denn die rechtzeitige und sichere Versorgung von Patienten mit Blutbestandteilen steht für sie immer an erster Stelle. Herausfordernd wird es, wenn eine Blutgruppe mit sehr seltenen Antikörpern benötigt wird. „Da gab es auch schon Situationen, in denen ich bei dem Depot um eine passende Konserve kämpfen musste.“ Sie wünscht sich daher mehr Blutspender, damit es auch mehr Konserven mit seltenen Antikörpern gibt.

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