Bad Aibling/München – Der Vorfall der vergangenen Tage sorgte für Aufsehen in der Region. Für einen gewissen Zeitraum war die Mangfall bei Bad Aibling, konkret im Bereich kurz vor der Willinger Brücke von Unterheufeld kommend, stellenweise komplett trockengelegt. Schnell war der Aufschrei laut und in den sozialen Medien kursierten Gerüchte und Befürchtungen, es könne sich womöglich um illegale Wasserentnahmen oder ähnliche kriminelle Aktionen gehandelt haben. Allerdings hatten die Behörden auf OVB-Anfrage schnell Entwarnung gegeben und klargestellt, dass die Ursache hier vielmehr ein „Steuerungsfehler“ war.
Mehrere
Wasserentnahmen
„Steuerungen“ bedeuten in diesem Zusammenhang, dass in dem Bereich mehrere Wasserentnahmen sowie Wassereinleitungen stattfinden, die im Normalfall zu keinen Trockenlegungen führen. Unter anderem wird dort Wasser in den Triftbach-Kanal ausgeleitet und gleichzeitig Wasser von den Unterwasserbecken der Leitzach-Kraftwerke eingeleitet. Dabei spielen auch die Stadtwerke München eine Rolle, die Wasser in die Mangfall zurückleiten, welches sie zuvor für die Wasserkraftanlage entnommen haben. Auch der Brucker Wehrverband ist in dem Bereich unter anderem zur Sicherung der Wasserkraft für die Energieerzeugung involviert. Durch einen Steuerungsfehler, so erklärte es das Wasserwirtschaftsamt, wurde am Sonntagvormittag (12. Juli) jedoch zeitweise kein Wasser eingeleitet, wodurch die vorgegebenen Mindestrestwassermengen nicht eingehalten werden konnten.
Zwar konnte das Problem später wieder behoben werden und es floss auch an der Aiblinger Stelle am Sonntagabend wieder Wasser in der Mangfall. Allerdings stellt sich manch ein Beobachter nun die Frage, wie ein solcher Vorfall in Zeiten der Wasserknappheit überhaupt passieren kann. Und die Tatsache, dass die Landeshauptstadt München derzeit über Trinkwasserknappheit klagt, könnte so manchen einen bösen Zusammenhang befürchten lassen. Schließlich bezieht München Trinkwasser aus der Region und hat zeitgleich aktuell massive Probleme zu verzeichnen.
So hat die Stadt München jüngst sogar eine Allgemeinverfügung erlassen, um die aktuelle Trinkwasserversorgung trotz großer Trockenheit und hoher Temperaturen zu sichern. Darin werden etwa das Befüllen von privaten Pools oder der Betrieb von Springbrunnen verboten. Ist der Mangel in München also so groß, dass womöglich die Region Rosenheim sogar dafür herhalten muss? Oder anders gefragt: „Trinken die Münchner unsere Mangfall leer?“
Mit genau dieser plakativen Frage hat das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim immer wieder zu tun. Doch Abteilungsleiter Andreas Holderer nimmt hierbei gegenüber dem OVB sofort den Wind aus den Segeln. „Es ist definitiv nicht so, dass die Münchner die Mangfall leertrinken“, sagt Holderer. Grundsätzlich, und darin liege auch das Problem der aktuellen Münchner Trinkwasserknappheit begründet, „haben wir sehr geringe Niederschläge und ein Defizit, was die Grundwasserneubildung angeht“.
Die trockengelegte Mangfall-Stelle in Bad Aibling stehe aber in keinem direkten Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung der Stadt München, betont Holderer noch einmal. Denn die leidige Diskussion, wonach München in puncto Trinkwasser immer weiter wachse und zugleich die Region und insbesondere auch der Bereich um Miesbach dafür herhalten müsse, habe man seit vielen Jahren, weiß Abteilungsleiter Holderer. Richtig ist, dass die Millionenstadt München ihr Trinkwasser aus Gewinnungsanlagen am Fuße des Taubenbergs, im Loisachtal zwischen Oberau und Farchant und tatsächlich aus dem Mangfalltal bezieht. „Die Anlagen ergänzen sich sinnvoll und bringen das Trinkwasser quellfrisch aus dem Voralpenland direkt nach München in jedes Haus“, heißt es seitens der Stadtwerke München.
Demnach liege eine Besonderheit der Mangfallregion um den Taubenberg im Untergrund: Hier träfen vier Grundwasserströme zusammen. Als Quellen entspringen sie im Talgrund und an den Steilhängen des Mangfalltals. „Die Grundwasserfassungen im Mangfalltal liegen rund 100 Meter über dem Zentrum Münchens. Diese günstige Höhenlage erlaubt es, das gewonnene Wasser in freiem Gefälle nach München zu leiten“, so die Angaben der Stadtwerke München. Damit werde ein Großteil der benötigten Grundmenge und etwa 75 Prozent des täglichen Münchner Wasserbedarfs gedeckt.
Wasser kommt aus
Hangquellen
Laut Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim erstrecke sich das Mangfalltal-Einzugsgebiet, aus dem München Trinkwasser bezieht, über eine große Fläche, die weit über den Altlandkreis Bad Aibling hinausgehe. „Hier wird Grundwasser gebildet, aber München saugt nicht die Mangfall leer.“ Denn die Landeshauptstadt fördere das Wasser aus sogenannten „Hangquellen“, die somit mit der Mangfall gar nichts zu tun hätten, so Holderer.
Ferner trete München auch gar nicht in Konkurrenz etwa mit der Stadt Bad Aibling. Diese bezieht ihr Trinkwasser zum einen aus dem großen Schutzgebiet mit Rosenheim und Kolbermoor, zum anderen aus Niklasreuth.