Grafing – Natürlich ist auch Alexander Hezareh nicht trocken geblieben. Ein Fläschchen Bier ergoss sich über das Haupt des Trainers der Grafinger Volleyballer. Das macht man ja gerne so in großen Momenten und einen größeren hat die Jahnsporthalle nie gesehen. Seit dem 3:1 (20:25, 25:15, 27:25, 25:15) über den SV Schwaig am vergangenen Samstag ist der TSV Grafing Meister der zweiten Liga Süd.
Im kommenden Jahr dürften sich Hezarehs Schützlinge also mit Friedrichshafen, Berlin oder den Alpenvolleys Haching ín der Beletage des deutschen Volleyballs messen. Alleine, sie werden es nicht tun. Eine Lizenz für die erste Liga hat der Verein gar nicht erst beantragt. Die Bundesliga würde den Klub wirtschaftlich und organisatorisch oberfordern. Noch. „Wenn wir im jetzigen Tempo weiter wachsen, dann könnten wir es in drei bis fünf Jahren packen“, sagte Manager Johannes Oswald.
Das klingt abgeklärt. Aber sie wissen in Grafing halt auch, dass ihnen in diesem Jahr Außergewöhnliches gelungen ist. Gerade ein Jahr ist es her, da hatte sich das Team am allerletzten Spieltag aus der Abstiegszone geschwindelt – nun ist man Meister. Für den Trainer hat dieser Wandel mit der Personalpolitik zu tun. Vier Neue wurden in ein gewachsenes Team integriert, das sich stark aus der traditionell hochkarätigen eigenen Jugendarbeit rekrutiert. Darunter im Ex-Herrschinger Julius Höfer auch ein Mann mit Erstligaerfahrung. „Einer wie er ist nicht nur gut“, sagte Hezareh, „er bringt auch Spannung ins Training und macht mit seinem Auftreten die anderen Spieler besser.“
Doch auch der Trainer selbst hat seine Schlüsse gezogen. Der Mann, der im Hauptberuf Skilehrer ist, hat in dieser Saison eine Scouting-Abteilung hinter sich, die die Gegner analysiert. Eine Extra-Trainingseinheit in München rückte auf den Plan, wo man mit der Ballmaschine intensiv Annahmen übt. „Das macht sich bemerkbar“, betonte Hezareh, „in dem Bereich sind wir stabiler.“ Hauptprofiteur ist Regisseur Fabian Wagner, der sich so etwas wie ein Abo auf die Auszeichnung zum wertvollsten Spieler des Spiels erspielt hat. Die sportliche Herangehensweise genügt höchsten Ansprüchen – sagte auch Höfer: „Das ist noch besser als in Herrsching.“
Bleibt die Frage, ob dieses Niveau auch organisatorisch zu erreichen ist. Im Sommer wird das Zweitliga-Team schon einmal in eine Spielbetriebs-Gesellschaft ausgegliedert. Doch der Weg ist weit. Die Grafinger Jahnsporthalle ist nicht erstligatauglich, das Budget erst recht nicht. „Für die Bundesliga müssten wir unseren Etat in etwa verfünffachen“, sagte Manager Oswald.
Aber in dieser Hinsicht hat man Geduld in Grafing. Auch das Umfeld nimmt Spiele wie den Meisterschafts-entscheidenden Gipfel am Samstag gerne an. Die streng auf 800 Zuschauer limitierte Halle platzte bei der Partie gegen Schwaig aus allen Nähten. Und angesichts des sportlichen Spektakels konnte nicht einmal der eigenwillige Animateur am Mikrofon die gute Laune der Besucher trüben. Die der Beteiligten sowieso nicht. Nicht an diesem Tag, der der bislang größte in der Grafinger Volleyball-Historie war. Patrick Reichelt