München – Wer soll die Bayern-Frauen heuer stoppen? Der FC Rosengard jedenfalls nicht! Das Hinspiel des Champions-League-Viertelfinals entschieden die Münchnerinnen gestern Abend am heimischen Campus mit 3:0 (2:0) für sich. Damit baute das Team von Jens Scheuer die unglaubliche Saison-Bilanz aus, feierte den 24. Sieg im 24. Spiel – und stieß die Tür zum Halbfinale der Königsklasse ganz weit auf.
Der Bayern-Trainer hatte zuvor ein Spiel „auf absoluter Augenhöhe“ erwartet – das wurde es aber nicht wirklich. Die Schwedinnen aus Malmö legten zwar selbstbewusst los, gerieten aber trotzdem schnell ins Hintertreffen. Klara Bühl eroberte das Leder am Mittelkreis gegen Sanne Troelsgaard und setzte Linda Dallmann in Szene. Die Münchner Zehnerin zog aus 16 Metern ab, versenkte unten links – 1:0 (9.). Rosengard, das erst Mitte April wieder den Liga-Betrieb aufnimmt, baute auf eine erfahrene Truppe um Kapitänin Caroline Seger (36).
Für die 204-fache schwedische Nationalspielerin galt wie für ihren Kolleginnen aber: In Sachen Handlungsschnelligkeit fehlte es oft. Mit dem bayerischen Pressing kamen die Gäste nicht zurecht, schenkten immer wieder schnell den Ball her. Einzige Ausnahme: Jelena Cankovic. Die Cousine von Bayerns verletzter Stürmerin Jovana Damnjanovic bereitete mit ihrer Flanke auf Emma Berglund auch Rosengards beste Chance in Halbzeit eins vor. Der Kopfball strich links vorbei (20.). Dann bestraften die Münchnerinnen wieder eine schwedische Schlafmützigkeit. Lina Magull fing eine Rosengard-Ecke ab, der Konter rollte über Dallmann und Lineth Beerensteyn. Am Ende schloss Bühl nach starkem Antritt ab, traf mit Hilfe des Innenpfostens zum 2:0 (28.).
Die Bayern wirkten weiterhin reifer in der Spielanlage. Wenn der schwedische Vizemeister mal nach vorne kam, war Mittelstürmerin Mimmi Larsson dort ziemlich allein unterwegs. In der zweiten Hälfte schienen die Kräfte auf Bayern-Seite zu schwinden, der Druck auf die ballführende Schwedin ließ nach. Rosengard kombinierte phasenweise gefällig, mehr als eine Halbchance für Fiona Brown, die übers Tor köpfte, sprang aber nicht heraus (60.). Die Münchnerinnen hingegen nutzten ihre Gelegenheiten weiter eiskalt. Sarah Zadrazil eroberte den Ball, Dallmann schickte Beerensteyn auf die Reise.
Die Niederländerin blieb mit ihrem ersten Versuch noch an Gegenspielerin Glodis Viggosdottir hängen, setzte aber nach und traf zum 3:0 (65.). Weil Keeperin Laura Benkarth spät noch so gerade vor Troelsgaard rettete (86.), geht’s für die Bayern mit einer glänzenden Ausgangsposition zum Rückspiel nach Schweden (1. April).
Mögliche Gegner im Halbfinale – darauf dürfen die Bayern-Frauen jetzt schon mal einen Blick werfen – sind der VfL Wolfsburg oder der FC Chelsea um die ehemalige Münchnerin Melanie Leupolz. Das Hinspiel in London gewannen die Blues gestern mit 2:1. JONAS AUSTERMANN