„Der Hype war nicht die Realität“
TURNEN Lukas Dauser, Silbermedaillengewinner von Tokio, freut sich über den normalen Alltag
München – Nach seinem Wettkampf stand Lukas Dauser (28) grinsend auf dem Barren, mit der Deutschlandfahne zwischen den Armen. Verständlich – in Tokio gewann der Turner, der für den TSV Unterhaching startet, die Silbermedaille. Im Gespräch mit unserer Zeitung spricht der gebürtige Ebersberger über den Terminstress nach Tokio, Weihnachtsgänse und die Heim-EM in München 2022.
Lukas Dauser, hatte der Spitzensportler in Ihnen während Weihnachten eine Auszeit?
Ich bin am 23. zu meinen Eltern nach Glonn gefahren. Da haben wir die Weihnachtstage gemütlich mit meinen Schwestern und ihren kleinen Kindern verbracht. Ich habe bis zum 3. Januar frei, aktuell hat gesunde Ernährung mal nicht die höchste Priorität. Da darf man sich auch ruhig mal eine Weihnachtsgans und Plätzchen gönnen. Das tut ja auch der Seele gut. Auch wenn mir das den Trainingsstart Anfang Januar nicht unbedingt erleichtern wird (lacht).
Wie starten Sie in das neue Jahr?
Silvester verbringe ich dann mit meiner Familie im Skiurlaub in Österreich. Es ist das erste Mal seit zwölf Jahren, dass wir alle gemeinsam ins neue Jahr starten. Die Vorfreude ist also riesig.
Bei der Wahl zum Sportler des Jahres wurden Sie 9. – wie haben Sie die Gala erlebt?
Auf der Gala war an Sportlern alles vertreten, was Rang und Namen hat. Es war ein bisschen komisch für mich, dass ich auch dazu zähle. Meine Olympiamedaille habe ich natürlich schon realisiert, solche Auftritte auf der großen Bühne sind trotzdem noch Neuland für mich. Da ist mir noch mal bewusst geworden, wie viel ein Erfolg bei Olympia bedeutet. Die Momente nach der Wertung, der Weg zur Siegerehrung – das sind Bilder, die noch im Kopf rumschwirren. Auch, weil man einfach noch häufig darauf angesprochen wird. Nach Tokio gab es so viele Empfänge und Termine, das war echt der Wahnsinn. Und auch extrem stressig. Mein Leben hat sich aber nicht geändert, und darüber bin ich auch sehr froh. Ich hatte wieder Lust auf den normalen Alltag.
Können Sie das ausführen?
Der Hype war für einen Moment schön, aber nicht die Realität. Wir sind keine Promis, die Woche für Woche über den roten Teppich laufen und in die Kameras lächeln. Wir sind Sportler – unser Job ist es, Woche für Woche im Training Vollgas zu geben. Daher freue ich mich schon wieder auf die ruhigen Einheiten in der Halle, in denen ich mich voll auf mich konzentrieren kann.
2022 steht schließlich auch die Heim-EM in München an.
Eine Europameisterschaft im eigenen Land – da denkt man sich schon: Besser geht es eigentlich nicht. Und dann auch noch in der Stadt, in der man groß geworden ist, zur Schule gegangen ist, mit dem Training angefangen hat. Das wird ein echtes Highlight im neuen Jahr. Ich habe richtig Bock darauf, topfit anzureisen. Ich hoffe, meine Familie und Freunde können dann auch vor Ort sein, um mir Rückenwind zu geben.
In Tokio konnte Ihre Familie nicht dabei sein. Wie blicken Sie mit etwas Abstand auf die Spiele?
Es waren coole Olympische Spiele. Die Japaner haben sich, trotz der massiven Einschränkungen, viel Mühe gegeben, dass es uns Sportlern gut geht. Wir waren ja vorher schon in einem Trainingslager, ungefähr fünf Autostunden von Tokio entfernt. Da haben wir wirklich nur die Halle gesehen. Daher war es eine echte Befreiung, als wir in das olympische Dorf einziehen konnten. Es gab natürlich nicht das ganze Drumherum, wie ich es schon in Rio erlebt habe. Das hat mir persönlich aber auch gut getan, da ich so auf mich selbst fokussiert war. Auf der anderen Seite war es aber natürlich extrem bitter, dass in so einem großen Moment keine Zuschauer erlaubt waren und es meine Familie nicht live in der Halle erleben konnte.
Planen Sie, auch in Paris 2024 noch dabei zu sein?
Ich habe mich mit meinem Trainer darauf verständigt, dass ich mindestens bis Olympia in Paris international turne. Im nächsten Jahr gibt es erst mal die Heim-EM, dann kommt noch eine WM, dann geht es schnurstracks auf Paris zu. Ich bin weiter motiviert und brenne darauf, jeden Tag in der Halle und dann auch bei Wettkämpfen alles aus mir rauszuholen.
Interview: Nico-Marius Schmitz