WM-TAGEBUCH

Public Viewing am Gate

Von: Vinzent Tschirpke

Eine WM vor Ort zu erleben, ist für einen Reporter natürlich mit das Größte, was es gibt: Man sieht tolle Spiele, kommt in aufregende Städte und trifft Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, mit denen man sonst nie ins Gespräch gekommen wäre. Einen klitzekleinen Nachteil hat so eine WM aber, wenn sie in gleich drei Ländern ausgetragen wird: Alle paar Tage sitzt man im Flugzeug – und weil die USA, Kanada und Mexiko zudem riesige Länder sind, dauern die Flüge nicht selten vier oder fünf Stunden. Dazu kommen Umstiege und immer wieder: Warten am Gate. Inzwischen habe ich zwar für bekannte Flughäfen wie den heimischen in München eine Routine entwickelt, die so durchoptimiert ist, dass ich keine Minute zu früh komme (und bislang auch noch nicht zu spät – hoffentlich bleibt das so). An unbekannten Flughäfen in fremden Ländern will man aber natürlich kein Risiko eingehen, sodass man regelmäßig mehrere Stunden am Gate herumsitzt, bis man endlich ins Flugzeug darf. Wie schön, wenn parallel auf einer Leinwand Fußball übertragen wird! Public Viewing am Airport – das kannte ich so auch noch nicht. Und so verfolgte ich am Dienstagnachmittag das Spiel zwischen Kolumbien und der Schweiz am Flughafen von Mexiko-Stadt, während ich auf meinen Rückflug nach Los Angeles wartete. Die Sympathien vor Ort waren eindeutig aufseiten Kolumbiens, weshalb nach dem verlorenen Elfmeterschießen gedrückte Stimmung am Gate herrschte. Ein Problem gab es allerdings: Wie immer musste ich auch auf dieser Reise umsteigen, dieses Mal in Guadalajara. Dort lief ausnahmsweise kein WM-Spiel – und plötzlich machte das Warten gleich deutlich weniger Spaß.

Montag, 13. Juli 2026
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