WM-TAGEBUCH

California Dreamin‘? Zu teuer!

Von Vinzent Tschirpke

Von all den Orten, die ich in den USA bislang bereisen durfte, gefällt mir Los Angeles mit großem Abstand am besten. Das liegt allerdings nicht nur daran, wie schön die Stadt ist, sondern auch an der bisherigen Konkurrenz: Winston-Salem war ein verschlafenes Kaff, in dem es nicht nur den Nationalspielern langweilig wurde. Toronto war natürlich überragend, zählt als kanadische Stadt aber nicht in diese Auflistung. Houston war mir zu texanisch, New York wiederum zu stressig und zu laut. Los Angeles hingegen, die Stadt der Engel, ist ein willkommenes Gegenmittel: Am Venice Beach treffen sich Surfer und Muskelprotze, die gemeinsam in der Sonne Sport treiben – was für die Amerikaner, die sogar Drive-throughs für Kaffeeläden und Apotheken haben, recht ungewöhnlich ist. Außerdem erinnert mich hier jede Ecke an meine absoluten Lieblingsfilme: „Pulp Fiction“, „The Big Lebowski“, „Drive“, „Heat“, „Mulholland Drive“ oder „Once Upon a Time in Hollywood“ spielen allesamt in Los Angeles. Hier würde man doch gern alt werden, oder? Doch mein „California Dreamin‘“ (das ist wiederum ein Song und kein Film) wird immer wieder jäh unterbrochen. Dann bemerke ich nämlich, wie unromantisch die Preise in Los Angeles sind: Ein Smoothie? 20 Dollar. Ein Deo im Drogeriemarkt? 8 Dollar. Und zwei Wasserflaschen mit einem Powerade? Kein Scherz: 30 Dollar – mit der Begründung, dass der Kiosk ja direkt am Strand ist und ich die Dreistigkeit besitze, mit Karte zahlen zu wollen (was natürlich einen üppigen Aufschlag verlangt). Es fühlt sich absurd an, meine Heimat München mal als günstig in Erinnerung zu haben. Aber alt werde ich dann wohl doch lieber daheim – da kann ich all die Filme auch gucken.

Samstag, 11. Juli 2026
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