Schiri-Boss Collina wehrt sich

„Wir werden nicht beeinflusst – nicht einmal vom Fifa-Präsidenten“

Ober-Schiri: Der langjährige italienische Top-Unparteiische Collina. © Morrison/AFP

Houston – Einen Besen hat Pierluigi Collina auf dem Fifa-Foto nicht in der Hand. Ein Feger hätte allerdings perfekt zu dem gepasst, was der Schiedsrichterboss des Fußball-Weltverbands mit seinem Statement zur Lage der WM verzweifelt versuchte. Es gibt natürlich keinen Superstar-Bonus für Lionel Messi, und die Referees sind selbstverständlich über jeden Zweifel erhaben, ließ der Italiener wörtlich oder zwischen den Zeilen ausrichten – bei seinen Anstrengungen, die Scherben der vergangenen Tage aufzukehren.

„Natürlich wird es im Fußball immer konstruktive Diskussionen über Entscheidungen geben, aber unbegründete Anschuldigungen haben in unserem Sport keinen Platz“, sagte Collina im eigens von der Fifa verbreiteten Kurz-Interview – und fuhr zur Verteidigung seiner Schützlinge die ganz großen Geschütze auf: „Niemand kann die Integrität der Spieloffiziellen bei der WM infrage stellen. Wenn dies geschieht, kann es Reaktionen auslösen, die zu Drohungen gegen sie und ihre Familien führen. Das ist nicht richtig.“

Wohl wissend, dass alles WM-Übel seinen Ursprung im dubiosen Vorgehen der Fifa im „Fall Folarin Balogun“, der ausgesetzten Sperre für den US-Stürmer und dem vorangegangenen Telefonat von US-Präsident Donald Trump mit Fifa-Boss Gianni Infantino hat, nahm Collina als gewohnt treuer Vasall auch seinen Chef in Schutz.

„Ebenso kann niemand behaupten, dass das Fifa-Schiedsrichterwesen von irgendjemandem beeinflusst werden könnte – nicht einmal vom Fifa-Präsidenten“, gab der 66-Jährige zu Protokoll. Infantino habe den Unparteiischen „stets seine volle Unterstützung gezeigt und gleichzeitig darauf vertraut, dass wir völlig unabhängig arbeiten. Die Spieloffiziellen treffen ehrliche Entscheidungen und versuchen – genau wie Spieler und Trainer – immer, ihr Bestes zu geben.“

Das sahen die Ägypter zuletzt ganz anders. Sie legten nach dem dramatischen Achtelfinal-Aus gegen Argentinien (2:3) offiziell Beschwerde ein und forderten den WM-Ausschluss des französischen Schiedsrichters Francois Letexier. Nationaltrainer Hossam Hassan mutmaßte, man wolle den Weltmeister und insbesondere Messi im Wettbewerb behalten.

Collina und seine Fifa-Kollegen sehen das natürlich anders.

Samstag, 11. Juli 2026
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