Allein vor der Bergkulisse: Tadej Pogacar attackierte am Anstieg zum Tourmalet, und mal wieder konnte niemand folgen. © Poujoulat/AFP
Präsident Macron verfolgte die Etappe. © Valat/EPA
Florian Lipowitz (r.) im Verfolgerfeld. © Sisk/Imago
Der Zweitbeste: Jonas Vingegaard. © IMAGO
Gavarnie-Gédre – .Tadej Pogacar preschte mit Blick auf das Bergpanorama in den Pyrenäen den Schlussanstieg hoch, riss im Zielbereich beide Arme in die Höhe und verneigte sich nach seiner Solo-Show. Bei einer Machtdemonstration während der 113. Tour de France hat der Ausnahmefahrer wieder einmal seine ganze Klasse gezeigt und das Gelbe Trikot als Gesamtführender zurückerobert – trotz eines Abstands von fast acht Minuten vor Beginn der sechsten Etappe.
Der slowenische Superstar siegte bei der Bergankunft nach der ersten Hochgebirgsetappe und samt souveräner Überquerung des ikonischen Col du Tourmalet nach 186,2 Kilometern zwischen Pau und Gavarnie-Gédre mit mehr als 2:30 Minuten vor seinem Dauerrivalen Jonas Vingegaard und Teamkollege Isaac del Toro. Der deutsche Star Florian Lipowitz wurde Tages-Sechster. „Ein unglaublicher Sieg, einer der süßesten“, kommentierte Pogacar, einer seiner fünf besten auf der Tour.
Schwerer Sturz: Tour für Träen beendet
Doch Lipowitz musste beobachten, wie der 27 Jahre alte Pogacar alle seine direkten Konkurrenten mit einer explosiven Attacke knapp 45 Kilometer vor dem Ziel am Tourmalet und einer langen Solo-Fahrt abwatschte. Zudem feierte er seinen 23. Etappensieg bei der Frankreich-Rundfahrt. „Bei der Performance kann man nicht viel machen“, sagte Lipowitz in der ARD anerkennend über Pogacar. „Ich denke, wir müssen jetzt um Platz drei fahren.“
Der überraschend zwei Tage in Gelb fahrende Torstein Träen konnte am Tourmalet nicht mehr folgen. Zu allem Übel stürzte der Norweger bei der Abfahrt vom Berg schwer, wurde behandelt und erreichte zwar noch das Ziel, muss die Tour nach einer Gehirnerschütterung und mehreren Rippenbrüchen aber vorzeitig beenden.
In der Gesamtwertung liegt Pogacar 2:42 Minuten vor dem Dänen Vingegaard. Auf dem dritten Rang steht nun der Mexikaner del Toro mit 3:27 Minuten Rückstand auf Pogacar. Lipowitz verbesserte sich vom elften auf den siebten Rang – vier Minuten hinter Pogacar.
Während Frankreichs Präsident Emmanuel Macron einen Teil der Etappe mit Tour-Chef Christian Prudhomme verfolgte, demoralisierte der starke Pogacar die Konkurrenz. Früh im Anstieg zum Tourmalet fiel Gelb-Träger Träen zurück.
Fünf Kilometer vor der Spitze des Tour-Giganten attackierte Pogacar flankiert von Tausenden Fans am Berg und ließ die direkten Konkurrenten hinter sich, darunter Vingegaard und Lipowitz. Vor allem in der Abfahrt vom Tourmalet konnte Vingegaard nicht folgen und der Abstand wuchs immer weiter. Lipowitz‘ Kollege Remco Evenepoel fiel ebenfalls zurück, kam aber später zurück.
Berggipfel, Wasserfälle, Serpentinenstraßen: Die Bewohner der Gemeinde Gavarnie-Gédre kamen zum ersten Mal auf den Geschmack, in ihrer Heimat eine Etappe der Tour zu erleben. Die Radprofis erwartete mit dem Col d‘Aspin (1489 m) und dem Giganten Tourmalet – einem Anstieg der höchsten Kategorie mit durchschnittlich 7,3 Prozent Steigung auf 17,1 Kilometern – zwei anspruchsvolle Herausforderungen.
Am Freitag sind wieder die Sprinter unter den Tour-Profis gefragt. Von Hagetmau fährt das Fahrerfeld 175,1 Kilometer über die flache Strecke in die Weinmetropole Bordeaux. Träen wird nach seinem schweren Sturz nicht mehr dabei sein, zudem werden erneut extreme Temperaturen erwartet.DPA