Olympia: Mehr Medaillen per Gesetz?
Politik stellt Weichen – DOSB hadert leicht
Medaillensammlerin Julia Taubitz. © Dal Zennaro/EPA
Berlin – Mehr Medaillen per Gesetz – und die am liebsten bei Olympischen Spielen vor der eigenen Haustür. Der Deutsche Bundestag hat in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause das langerwartete Sportfördergesetz beschlossen. Vorausgegangen war dem Vorhaben der schwarz-roten Koalition eine Dekade an Reformbemühungen rund um den organisierten Sport begleitet von stetigen Enttäuschungen und anhaltendem Abwärtstrend bei internationalen Großereignissen.
Von dem Beschluss erwartet die Regierung nicht weniger als einen „echten Paradigmenwechsel“. Immerhin träumt die Politik gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) von Sommerspielen 2036, 2040 oder 2044 in Deutschland.
Im Kern wird die Reform getragen von der Gründung einer Spitzensport-Agentur, die möglichst unabhängig über die Verteilung der Mittel – im Bundeshaushalt 2027 sind 362 Millionen Euro angesetzt – entscheiden soll. Über diese öffentlich-rechtliche Stiftung gab es den meisten Streit. Am Ende bekam der DOSB vier der zehn Sitze im Stiftungsrat. Der Bund hält fünf und den Vorsitz durch das Kanzleramt, die Länder stellen ein Mitglied. Heißt: Der Sport hätte ein Veto-Recht bei den beiden Vorständen.
Dennoch ist der DOSB nicht vollauf zufrieden: „Mehr Planungssicherheit durch ein klares Finanzierungsbekenntnis des Bundes, mehr Unabhängigkeit der Agentur und mehr Mut beim Bürokratieabbau“ wären möglich gewesen, heißt es aus der Zentrale in Frankfurt.
Mehr Grund zum Klagen hat der Verein Athleten Deutschland, der trotz anerkannt seriöser Sportpolitik keinen Sitz im Stiftungsrat hat. Er prangert an, dass es für diese Aufgabe „hauptamtliche Strukturen“ benötige. Über die verfügt – auch dank Bundesförderung – die Interessensvertretung, die in ihrer kurzen Geschichte so manchen Impuls im organisierten Sport gesetzt hat.SID