ePaper-Meldung

Liebe Abonnentinnen und Abonnenten,
Wegen Wartungsarbeiten an unserem Anmeldesystem haben wir das ePaper vorübergehend freigeschaltet.
Alle OVB-Lokalausgaben können Sie derzeit ohne Anmeldung lesen.

Kurioses hinter den Medaillen

Besuch auf der Wiesn: Olympia-Stars erinnern sich an ihre besonderen Momente zurück

Steffen Weinhold hat es nach zwei Wochen „Fokus“ ordentlich krachen lassen. © Imago

Viel Drama: Langlauftrainer Peter Schlickenrieder (kl. Foto) hätte eigentlich ein anderes Duo aufgestellt. Am Ende holten Victoria Carl (links) und Katharina Henning Gold. © Karmann/dpa

München – Viele Olympioniken und noch mehr Medaillengewinner kamen am Dienstag beim Stammtisch der deutschen olympischen Gesellschaft auf der Wiesn zusammen. In Kufflers Weinzelt erzählten die Sport-Helden von schlaflosen Nächten, spontanen Wodka-Partys und von Momenten, in denen eine Olympia-Medaille auf einmal ganz nebensächlich wird.

Peter Schlickenrieders verrückte 24 Stunden

Peking – Am Ende stand eine der historischsten deutschen Langlaufmedaillen: Katharina Hennig und Victoria Carl schufteten und schoben sich 2022 in Peking völlig überraschend zu Gold im Teamsprint und ließen ARD-Kommentator Jens-Jörg Rieck ausrasten: „Hast denn du die Pfanne heiß?!“ Was fast niemand weiß: Auch die 24 Stunden zuvor ging es heiß her.

„Statt Vicky Carl war eigentlich Katherine Sauerbrey eingeplant. Als wir Vicky das mitgeteilt haben, ist sie wutentbrannt aus dem Zimmer und war verschwunden. Über ihre Ersatzrolle konnte ich mit ihr gar nicht mehr sprechen. Wenige Stunden später rief mich Katherine an: „Peter! Mein Hals! Ich kann morgen nicht laufen.“ Es war mittlerweile spät am Abend. Als ich Vicky endlich gefunden habe, wollte sie nicht mehr laufen. Da habe ich ordentlich geschwitzt. Wir haben uns vertagt. Um drei Uhr nachts habe ich die Trainer ins Bett geschickt. Vicky hat sich derweil mit einem Psychologen ausgetauscht. Sein Zwischenfazit bei meinem Anruf: „Sieht nicht gut aus.“ Meldeschluss war um neun Uhr morgens. Etwa eine Stunde vorher klopfte ich nervös an ihre Tür: „Und Vicky, wie schaut‘s aus?“, fragte ich. Ihre Antwort: „Wieso? Was soll sein? Ich laufe natürlich.“ Was sich danach auf der Strecke abgespielt hat, war das I-Tüpfelchen. Was die Mädels, speziell Vicky, unter diesen Voraussetzungen geleistet haben, war absolut genial. Die vielen Momente rund um diese Goldmedaille haben sich für immer in mein Hirn und mein Herz eingebrannt.“

Anke Karstens und die Wodka-Flasche

Sotschi – Anke Karstens holte sich 2014 in Sotschi die Belohnung für all die harte Arbeit – Silber im Riesenslalom. Danach lief aber nicht alles rund.

„Im Wettkampf haben wir Deutschen damals abgeliefert, schließlich hat außer mir noch Amelie Kober Bronze geholt. Aber im Feiern hatten wir ganz schön das Nachsehen. Das Deutsche Haus hat in Russland oft schon früh geschlossen, so auch bei unserer Medaillenfeier. Also sind Amelie und ich zu unseren österreichischen Nachbarn. Da war meistens mehr los. Aber als wir gegen Mitternacht an der Bar standen, war auch die plötzlich schon geschlossen. Das wollten wir nicht wahrhaben. Am Ende hat uns die Kellnerin eine Flasche Wodka in die Hand gedrückt: „Bitte, hier, nehmt die. Aber ich hab schon alles dicht gemacht.““

Partytiger Steffen Weinhold

Rio – Gold holte 2016 in Rio – klar – Dänemark. Das DHB-Team unterlag im Halbfinale Frankreich, gewann aber das kleine Finale gegen Polen. Bronze! Danach brachen bei Steffen Weinhold alle Dämme.

„Als Handballer bei Olympia hast du es nicht leicht. Während die anderen um uns herum gefeiert haben, mussten wir versuchen, zwei Wochen lang den Fokus zu halten. Besuche anderer Wettbewerbe? Eher tabu. Lustige Abende mit deutschen Medaillengewinnern? Fehlanzeige! Unser Bronzematch war am Vormittag am letzten Sonntag. Danach ging die Party los. Ich hab‘ das Gaspedal gleich beim Start etwas zu viel durchgedrückt und musste bei unserem Eintreffen im Deutschen Haus erst mal die Toilette aufsuchen…

Gerd Schönfelders Gold für Leopold

Vancouver – Mit leuchtenden Augen erinnert sich Ski-Star Gerd Schönfelder an sein letztes Rennen bei den paralympischen Spielen. 2010 in Vancouver war das – und es ist dem heute 56-Jährigen nicht primär in Erinnerung geblieben, weil er zu seinem insgesamt 16. Gold fuhr:

„Einen Tag vor dem Rennen belog mich meine Frau noch. Es ist alles okay, sie ist mit Freundinnen unterwegs, hat sie mir gesagt. Dabei war sie schon auf dem Weg ins Krankenhaus, denn der Geburtstermin unseres zweiten Kindes lag genau auf auf den Tag von meinem letzten Wettkampf. Sie wollte mich nicht verunsichern. Als ich ins Ziel fuhr und Gold gewann, hieß es, dass ich ganz schnell zum Telefon muss. Dran war meine Frau Christina. Ziemlich erschöpft fragte sie, wie es gelaufen sei. „Super!“, habe ich voller Euphorie gemeint, „ich habe gewonnen“. Aber irgendwas war komisch, normal hat sie jedes Rennen geschaut. Und dann sagt sie mir, dass ich jetzt gerade auch noch Papa geworden bin. Das war der Wahnsinn. Aber das war noch nicht alles. Ich bin am nächsten Tag sofort nach Deutschland geflogen, noch am Flughafen bekomme ich die Nachricht, dass was mit Leopold nicht stimmt. Es sah wirklich nicht gut aus. Aber ich hatte noch einen Termin im Blickpunkt Sport, danach schnell ins Krankenhaus. Am Ende ist alles gut ausgegangen. LeoGold, wie ich ihn damals nannte, ist mittlerweile 16 Jahre alt. Aber das hat mir schon gezeigt: So schnell ist man wieder geerdet.“

Taliso Engel ganz klein

Paris – Mittlerweile ist Taliso Engel (24) nicht nur im Schwimmsport eine echte Größe. Nach seinen Auftritten bei Let‘s Dance kennt den sehbehinderten Para-Sportler auch eine breitere Bevölkerung. Er gewann sowohl in Tokio als auch in Paris Gold. So richtig genießen konnte er beide nicht.

„In Tokio konnte wegen Corona keiner dabei sein. Vor zwei Jahren konnte ich den Moment mit meiner Freundin und meiner Familie teilen, wobei dieser sehr schnell verging. Erstens sind die Rennen sehr eng getaktet. Und zweitens: Ein Interview nach dem nächsten wartete auf mich. Was ich aber noch genau weiß, war der Einlauf in die Halle. Die war ausverkauft, was für uns nicht normal ist. Wenn man in die Halle kommt und 6000 Zuschauer sind da, dann fühlt man sich richtig klein.“MATHIAS MÜLLER, ALEXANDER VORMSTEIN

Freitag, 2. Oktober 2026
Per E-Mail teilen
Entdecken Sie das OVB ePaper in Top-Qualität und testen Sie jetzt 30 Tage kostenlos und unverbindlich.