„Neidisch, abfällig, ignorant“
Ronaldo-Schwester tobt – und alle warten auf ein Statement
Madrid – Cristiano Ronaldo und Portugals Fußball-Nationalmannschaft: Diese mehr als 20-jährige Beziehung endete nach 234 Länderspielen und 146 Toren zumindest vorläufig auf dem Flughafen von Madrid. Um 02.40 Uhr Ortszeit landete der Superstar dort nach seiner fluchtartigen Abreise aus dem Teamquartier in einem Privatflugzeug. Selbst mitten in der Nacht tauchten noch ein Dutzend „CR7“-Fans auf, die ihr Idol beim Verlassen des Flughafen-Geländes feierten und filmten.
Dass Ronaldo noch einmal für Portugal spielen wird, glaubt niemand. Auf Verständnis für seine als beleidigt und egozentrisch wahrgenommene Reaktion darf er in seiner Heimat auch kaum mehr hoffen. „Die Dankbarkeit flog mit Cristiano Ronaldos Flugzeug davon“, kommentierte die Sportzeitung „O Jogo“ am Morgen. Sie attestierte dem fünfmaligen Weltfußballer des Jahres „ein Ego, das in keinem Verhältnis zur Realität steht“.
Portugals Fußball-Verband FPF kann seinen berühmtesten Spieler nun sogar für die Nationalmannschaft sperren. Denn laut Statuten kann ein Profi, der ohne Angabe von Gründen bei einem Training, einem Spiel oder einer anderen Aktivität des Teams fehlt, mit einer Geldstrafe und mit einer Sperre von einem bis zu sechs Monaten belegt werden.
Ob dem mittlerweile 41-jährigen Stürmerstar immer noch ein leistungsunabhängiger Stammplatz in der Nationalmannschaft zusteht – diese Diskussion ist nicht neu. Sie ist vor dem Nations-League-Spiel in Dänemark aber in einer noch nie dagewesenen Weise eskaliert. Und das unter dem neuen Nationaltrainer Jorge Jesus, der aufgrund der gemeinsamen Erfolge beim saudi-arabischen Club Al-Nassr bislang eigentlich als Ronaldo-Freund galt. Er entzog Ronaldo den Stammplatz.
„Zu gegebener Zeit werde ich allen Portugiesen die Wahrheit erzählen über die Gründe, die mich dazu motiviert haben, die Nationalmannschaft zu verlassen, für die ich mich immer aufgeopfert habe“, schrieb Ronaldo dazu auf seinem Instagram-Kanal. „Jetzt ist es an der Zeit Portugal und allen meinen Mitspielern viel Glück zu wünschen, ohne Ausnahme.“
Solange der Superstar in Madrid abgetaucht ist, übernehmen einige Freunde und seine Familie vorerst die öffentliche Verteidigung. „CR7 hätte mehr Respekt verdient“, schrieb Ronaldos Schwester Elma Aveiro bei Instagram und polemisierte in Richtung des Nationalteams: „Wir sind neidisch, abfällig, ignorant und verdienen es, wieder in die Mittelmäßigkeit zurückzufallen, die wir im Fußball vor CR7 immer hatten.“ „O Jogo“ kommentierte am Tag danach so: „Weder er noch die Portugiesen haben das verdient.“DPA