Türkische Taktiktricks
Wie Deniz & Co. die 1860-Gegner verwirren
Der Trainer und sein verlängerter Arm: Deniz mit Kayabunar beim Wiesnabend. © Hacker-P.
München – Wasser im Krug, den Blick nach vorne: Tunay Deniz brauchte beim Wiesnabend der Löwen keinen Alkohol, um die Niederlage von Burghausen (1:3) hinter sich zu lassen. Der Mittelfeldspieler trinkt aus religiösen Gründen nicht. Zu erzählen hatte er trotzdem einiges – auch über kleine Geheimnisse auf dem Rasen.
Wenn Deniz dort ins Türkische wechselt, soll der eigene Mitspieler ihn verstehen – der Gegenspieler möglichst nicht. Mit Emre Erdogan klappt das. „Wenn es so sein muss, dass der Gegner uns nicht verstehen sollte“, verständigten sie sich auch mal auf Türkisch. Trainer Alper Kayabunar bedient sich ebenfalls dieses Verbaltricks. „Taktische Anweisungen gibt er mir meistens dann auch auf Türkisch“, erzählt Deniz, der die Vorgaben anschließend in die Mannschaft trägt.
Für Erdogan möchte Deniz zudem ein „großer Bruder“ sein. Er bescheinigt ihm „sehr, sehr viel Potenzial“, will ihn mit Pässen füttern und zum Risiko ermuntern. Erdogan solle ins Eins-gegen-eins gehen, „sich keinen Kopf machen“, dass er den Ball verlieren könnte.
Den eigenen Kopf hält Deniz von Sorgen um sein Knie frei. Nach der langen Reha sei er „einfach jetzt dankbar für jede Minute, die ich auf dem Platz stehe“. Eine davon nutzte er für seinen 60-Meter-Treffer in Vilzing. Ob er auf das Tor des Monats hoffe? Deniz korrigierte grinsend die Größenordnung: „Ja, ich hoffe, es wird das Tor des Jahres, oder?“
Welchen Platz seine Mannschaft belegt, wusste er dagegen aus dem Stegreif nicht. Mit der Tabelle beschäftige er sich wohl erst zur Rückrunde intensiver. Bis dahin zähle die Schlagdistanz zur Spitzengruppe. Seine Zehn-Spiele-Bilanz fällt positiv aus: Nur zweimal seien die Löwen in Rückstand geraten, trotz des schwierigen Starts ohne echte Vorbereitung.
In Burghausen fehlte die Konsequenz vor dem Tor. Das soll im Heimspiel gegen Ansbach am Samstag besser werden. Eine neue Serie bis zur Winterpause? Deniz professionell: „Wir wollen erst mal das nächste Spiel gewinnen.“ Und so den Fans den Wiesn-Kehraus versüßen. Eine Ansage, die auch der Gegner verstehen darf.ULK